In Hanoi hat die stellvertretende Vorsitzende der Nationalversammlung Vietnams, Nguyen Thi Thanh, am Nachmittag des 12. August eine Delegation von Mitgliedern des US-Repräsentantenhauses empfangen. Die Delegation wurde vom Republikanischen Abgeordneten Tim Walberg, dem Vorsitzenden des Ausschusses für Bildung und Arbeit, geleitet. Thema des Treffens waren Möglichkeiten zur Vertiefung der Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Ausbildung und Entwicklung hochqualifizierter Fachkräfte.
Kooperation als Teil der strategischen Partnerschaft
Die vietnamesische Seite betonte, dass die Vereinigten Staaten einen der wichtigsten strategischen Partner Vietnams darstellen und dass die Beziehungen auf Respekt gegenüber Unabhängigkeit, Souveränität, territorialer Integrität und den politischen Systemen beider Länder beruhen. Nguyen Thi Thanh würdigte gemäss Mitteilung die bisherige Unterstützung der USA im Bildungs- und Ausbildungsbereich und verwies auf eine Reihe bereits unterzeichneter und umgesetzter Kooperationsabkommen.
Gleichzeitig wies sie auf bestehendes Entwicklungspotenzial hin. Nach Auffassung der vietnamesischen Parlamentsvertretung sollen die bilateralen Beziehungen im Bildungssektor «substanziell, vertiefend und strategisch bedeutsam» weiterentwickelt werden. Dabei steht die bessere Verknüpfung von Ausbildungsangeboten mit den Bedürfnissen der Wirtschaft im Vordergrund.
Schwerpunkte des Austauschs
Aus der Mitteilung lassen sich mehrere zentrale Anliegen herauslesen:
- Abstimmung von Ausbildung und Arbeitsmarktbedürfnissen: Fokus auf die Entwicklung von Programmen, die qualifizierte Fachkräfte hervorbringen.
- Vertiefung der Kooperation: Ausbau bestehender Bildungsprojekte und Umsetzung neuer Initiativen innerhalb der umfassenden strategischen Partnerschaft.
- Politische Grundlagen: Fortsetzung der Zusammenarbeit auf Basis gegenseitigen Respekts gegenüber zentralen Staatsprinzipien.
Die vietnamesische Mitteilung hebt hervor, dass beide Seiten bereits gemeinsam Projekte realisiert haben, verweist aber zugleich auf weiterhin nicht ausgeschöpftes Potenzial. Konkrete neue Projekte oder finanzielle Zusagen wurden in der Berichterstattung nicht genannt.
«Vietnam möchte die umfassende strategische Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten in verschiedenen Kooperationsbereichen zunehmend substanziell, vertiefend und strategisch bedeutsam weiterentwickeln.»
Kontext und mögliche Konsequenzen
Die Diskussion über Ausbildung und Fachkräftentwicklung findet vor dem Hintergrund globaler Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt und wachsender Nachfrage nach spezialisierten Kompetenzen statt. Für Vietnam steht viel auf dem Spiel: Eine engere Partnerschaft mit den USA kann Zugang zu Know-how, Bildungsprogrammen und Technologietransfer eröffnen. Für die Vereinigten Staaten ist die Zusammenarbeit in der Ausbildung von Talenten ein Instrument, um langfristige wirtschaftliche und strategische Beziehungen in Südostasien zu festigen.
Wichtig ist, dass die Gespräche auf staats- und regimespezifischen Sensibilitäten beruhen. Die Mitteilung betont wiederholt den gegenseitigen Respekt der politischen Systeme und die Wahrung der Souveränität, ein Hinweis darauf, dass bilaterale Bildungsinitiativen auch diplomatische Balanceakte erfordern.
| Datum | Ort | Delegationsleitung (USA) | Vietnamesische Gesprächspartnerin |
|---|---|---|---|
| 12. August | Hanoi | Tim Walberg, Vorsitzender Ausschuss Bildung und Arbeit | Nguyen Thi Thanh, stellvertretende Vorsitzende der Nationalversammlung |
Die nächsten Schritte wurden in der veröffentlichten Kurzmeldung nicht detailliert aufgeführt. Ob bilateral neue Programme, Austauschabkommen oder Förderprojekte vereinbart werden, blieb offen. Entscheidend wird sein, wie beide Seiten die Vorstellungen über Ausbildungsinhalte, Qualifikationsstandards und Finanzierung konkretisieren.
Aus schweizerischer Perspektive ist das Treffen ein Beispiel dafür, wie Bildungszusammenarbeit Teil einer umfassenderen Aussen- und Wirtschaftspolitik sein kann. Für Bildungspolitikerinnen und -politiker stellt sich die Frage, welche Modelle der Zusammenarbeit – etwa duale Ausbildung, Hochschulkooperationen oder berufliche Weiterbildung – sich international als tragfähig erweisen und unter welchen Rahmenbedingungen ein Transfer gelingen kann.
Weitere Details zum Ergebnis des Gesprächs wurden von der vietnamesischen Seite nicht veröffentlicht. Beobachter werden die nächsten Ankündigungen auf beiden Seiten genau verfolgen, um zu erkennen, ob aus den politischen Absichtserklärungen konkrete Bildungsprojekte entstehen.