Der Kanton Tessin registriert dieses Jahr einen deutlichen Zuwachs an Institutionen, die sich der Charta der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor angeschlossen haben. Im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums der Charta hat der Regierungsrat alle Gemeinden und staatsnahen Betriebe schriftlich eingeladen, die Charta zu unterzeichnen. Als Folge davon traten neu über drei Dutzend Organisationen aus dem Tessin dem Bündnis bei.
Vorbildfunktion des öffentlichen Sektors
Der Tessiner Beitritt zur Charta geht auf das Jahr 2016 zurück, als der Bund die Initiative lancierte. Seither haben sich in der italienischen Schweiz etliche Gemeinden und öffentliche Unternehmen der Charta angeschlossen. Bereits frühzeitig dabei waren unter anderem die Stadt Lugano (2016) und Mendrisio (2021). Mit den jüngsten Beitritten wächst das Netz an öffentlichen Akteuren, die Lohngleichheit und berufliche Gleichstellung aktiv fördern sollen.
Die Unterzeichnenden nehmen eine Vorbildrolle wahr: Im öffentlichen Sektor sollen gerechte Löhne, transparente Rekrutierungsprozesse und Massnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie umgesetzt werden. Dieses Engagement zielt darauf ab, strukturelle Diskriminierungen abzubauen und gleiche Chancen unabhängig vom Geschlecht zu sichern.
Was konkret bedeutet die Unterzeichnung?
- Öffentliche Institutionen bekennen sich öffentlich zur Lohn- und Chancengleichheit.
- Sie verpflichten sich zu Massnahmen wie Datenerhebungen, Sensibilisierung, Mentoring oder Anpassung von Rekrutierungspraktiken.
- Unterzeichnende Institutionen zeigen Transparenz in Bezug auf Lohnstrukturen und wollen systematische Benachteiligungen verhindern.
Der Bund, die Kantone, Gemeinden und staatsnahen Unternehmen beteiligen sich dabei mit unterschiedlichen Projekten, die von Lohnausgleichsmassnahmen bis zu Programmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie reichen. Eine Auswahl solcher Projekte ist auf der zentralen Informationsseite des Bundes aufgelistet.
Zahlen auf einen Blick
| Region / Ebene | Zahl (Stand Juli 2026) |
|---|---|
| Kantone schweizweit | 17 |
| Gemeinden schweizweit | 175 |
| Staatsnahe Betriebe schweizweit | 118 |
| Neue Unterzeichnende im Tessin (dieses Jahr) | 31+ |
Die Zahl der neu beigetretenen Stellen im Tessin umfasst sowohl Gemeinden als auch staatsnahe Betriebe und Gemeindeverbände. Die wachsende Zahl der Unterzeichnenden signalisiert, dass Lohngleichheit zunehmend als gemeinsame Verantwortung von Kanton, Gemeinden und öffentlichen Unternehmen gesehen wird.
Konkrete Folgen für Mitarbeitende und Bewerbende
Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeuten die Unterzeichnungen primär mehr Transparenz und Anknüpfungspunkte für Forderungen nach fairen Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen. Für Stellensuchende kann die Charta ein Indiz sein, dass eine Institution Wert auf geschlechtergerechte Personalarbeit legt. Gleichzeitig ist die Umsetzung von Massnahmen vor Ort entscheidend: Unterzeichnung allein garantiert noch keine unmittelbare Änderung, vielmehr folgen daraus Prozesse wie Lohnanalysen, Anpassungen in der Personalverordnung oder Programme zur Förderung von Frauen in Führungspositionen.
Wie weiter?
Behörden, Gemeinden und Betriebe, die der Charta beitreten möchten, finden Informationen und Unterstützung über die offizielle Plattform des Bundes. Dort sind auch Beispiele für erfolgreiche Projekte und Leitfäden zur Umsetzung verfügbar. Die vollständige Liste der Unterzeichnenden ist online einsehbar und wird regelmässig aktualisiert.
Im Tessin bleibt die Herausforderung, die Absichten in konkrete Massnahmen zu übersetzen und deren Wirkung zu messen. Entscheidend wird sein, wie schnell und konsequent Lohnanalysen durchgeführt, Transparenz hergestellt und strukturelle Hindernisse abgebaut werden. Der öffentliche Sektor hat die Möglichkeit, mit gutem Beispiel voranzugehen und damit auch private Arbeitgeber im Kanton zu inspirieren.
Die jüngsten Beitritte markieren einen weiteren Schritt in einem langjährigen Prozess. Ob die Charta ihr Versprechen von mehr Gleichstellung und fairen Löhnen erfüllt, hängt nun von der konkreten Umsetzung und der Beharrlichkeit der beteiligten Stellen ab.