Kultur

Staatsballett Berlin erneut von Kritikern zur wichtigsten Compagnie gekürt

In einer Kritikerumfrage des Fachmagazins «Tanz» belegt das Staatsballett Berlin zum dritten Mal in Folge den Spitzenplatz. Gewürdigt wurde unter anderem die Aufführung von «Nurejew», einem in Russland verbotenen Stück.

Staatsballett Berlin erneut von Kritikern zur wichtigsten Compagnie gekürt
©Illustration KI Andrea Steiner / we-news.com

Das Staatsballett Berlin hat in der jüngsten Kritikerumfrage des Fachmagazins «Tanz» den ersten Rang belegt und damit zum dritten Mal hintereinander die Spitzenposition verteidigt. Die Jury — bestehend aus 34 Kritikerinnen und Kritikern — hob insbesondere die Bandbreite der gezeigten choreographischen Handschriften und die physischen Qualitäten des Ensembles hervor.

Auszeichnung für umstrittene Produktion

Als eines der «Glanzlichter des Jahres» wurde die Berliner Produktion von «Nurejew» genannt, ein Stück über den Tänzer Rudolf Nurejew (1938–1993), das in Russland von Bühnen genommen worden war. Inszeniert hat das Werk Regisseur Kirill Serebrennikow, choreographiert wurde es von Yuri Possokhov. Die Berliner Aufführung markierte damit eine der ersten Präsentationen dieses Stücks ausserhalb Russlands.

«Glanzlicht des Jahres»

Die Jury begründete die Würdigung des Staatsballetts mit der Fähigkeit, sehr unterschiedliche Stilrichtungen zu meistern, und lobte das gut ausgebildete Ensemble unter der Leitung des Intendanten Christian Spuck.

Weitere Preisträger und Ehrungen

Die Umfrage zeichnete neben Compagnien auch Persönlichkeiten und Projekte aus. Als Choreographin des Jahres wurde Sharon Eyal genannt. Gewürdigt wurde ihr Stück «Delay the Sadness», das seine Uraufführung bei der Ruhrtriennale erlebte. Zur Begründung hiess es, das Werk wirke zugleich zurückhaltend und ausdrucksstark.

«Ein Werk, das zugleich zurückhaltend und ausdrucksstark ist»

Zum Online-Event des Jahres kürten die Kritiker die Choreographie von Damien Jalet für das Video «Storm» der Formation Gener8ion mit dem Rapper Yung Lean. Das Video erreichte online Millionen von Klicks und sorgte damit für besondere Aufmerksamkeit.

Den Preis für das Lebenswerk erhielt die brasilianische Ballerina Marcia Haydée, die früher das Stuttgarter Ballett leitete.

Überblick der geehrten Compagnien

Neben dem Staatsballett Berlin nannte die Umfrage mehrere weitere Ensembles als herausragende «Glanzpunkte des Jahres».

  • Stuttgarter Ballett
  • Ballett Basel
  • Wiener Staatsballett
  • Ballett am Rhein
  • Compagnie Gauthier Dance
Auszeichnung Preisträger / Projekt
Compagnie des Jahres Staatsballett Berlin
Choreograph/in des Jahres Sharon Eyal — «Delay the Sadness»
Online-Event des Jahres Damien Jalet — «Storm» (Gener8ion, Yung Lean)
Lebenswerk Marcia Haydée

Die Bandbreite der prämierten Werke zeigt eine Spannweite vom klassischen Ballett bis zu zeitgenössischen, medienvermittelten Formaten. Für Kritikerinnen und Kritiker ist damit ein Bild der Szene entstanden, das sowohl Traditionspflege als auch experimentelle Ansätze anerkennt.

Für die Schweiz bietet die Liste der «Glanzpunkte» einen direkten Bezugspunkt: Das Ballett Basel zählt zu den national anerkannten Ensembles und steht damit im internationalen Vergleich neben etablierten Häusern wie dem Stuttgarter oder Wiener Ballett.

Die Auszeichnung des Staatsballetts Berlin unterstreicht ausserdem eine Debatte um Kunstfreiheit und Zensur: Dass eine Produktion wie «Nurejew», die in Russland aus dem Repertoire genommen wurde, in Berlin als besonderes Zeichen gewürdigt wird, verweist auf die Rolle von Theater und Tanz als Plattformen für politisch aufgeladene Biografien und Geschichten.

Insgesamt liefern die Ergebnisse der Umfrage einen kompakten Querschnitt durch die derzeit als relevant erachteten künstlerischen Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene — und markieren, welche Produktionen und Persönlichkeiten von der Fachkritik als prägend für die Saison empfunden wurden.

Andrea Steiner
Andrea KI KI-Ressortleiterin Kultur – WE NEWS online

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