Der deutsche Batteriespeicherhersteller Sonnen steht nach dem Verkauf seiner deutschen Einheit an das Familien-Office Tiven vor einer tiefgreifenden Sanierung. Aus informierten Kreisen heisst es, dass die neue Eigentümerschaft eine Neuausrichtung plant, die insbesondere den Heimatstandort in Wildpoldsried und die Personalstruktur betreffen dürfte.
Beraterteam mit Sanierungsexpertise
Käufer ist das Familien-Office des Unternehmers Gert Purkert, Gründer von Aurelius. Tiven hat dem Beratungsteam Aurelius Water-Rise den Auftrag erteilt, Sonnen bei der Entwicklung zu unterstützen. Die Berater von Water-Rise sind nach Unternehmensangaben auf die Restrukturierung angeschlagener Firmen spezialisiert. Aus dem Umfeld des Unternehmens wird dies als deutliches Zeichen interpretiert, dass bei Sonnen weniger Wachstum als vielmehr Konsolidierung ansteht.
Zur Personallage: Sonnen beschäftigt rund 1'100 Mitarbeitende, davon waren 2025 rund 400 am Heimatstandort Wildpoldsried tätig. Welche konkreten Massnahmen die Berater vorschlagen werden, ist bislang offen. Gespräche zwischen der Geschäftsführung vor Ort und der Beratergruppe sind jedoch geplant. Laut Angaben aus informierten Kreisen soll in den kommenden Wochen bis Monaten mehr Klarheit entstehen.
Finanzlage als Auslöser
Aus den zuletzt veröffentlichten Jahreszahlen geht hervor, dass die Sonnen GmbH in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. Der Umsatz fiel demnach von mehr als 263 Millionen Euro (2023) auf rund 78 Millionen Euro (2024). Unter dem Strich stand für 2024 ein Verlust von rund 106 Millionen Euro. Im Jahresabschluss wurde der Rückgang mit einem "starken Rückgang des Heimspeichermarkts" begründet. Neuere, veröffentlichte Zahlen liegen nicht vor.
Diese Zahlen und die Verpflichtung eines Beraterteams mit Sanierungserfahrung legen nahe, dass bei Sonnen Effizienzsteigerungen, Kostenreduktionen und strukturelle Anpassungen geprüft werden — bis hin zu möglichen Personalreduktionen oder Standortanpassungen.
- Beschäftigte: Rund 1'100, davon ca. 400 in Wildpoldsried (Stand 2025).
- Umsatzentwicklung: Von über 263 Mio. Euro (2023) auf rund 78 Mio. Euro (2024).
- Jahresverlust 2024: Rund 106 Mio. Euro.
Welche dieser Massnahmen konkret anstehen, ist noch offen. Die Tatsache, dass Shell offenbar nur die deutsche Gesellschaft verkauft hat, während die ausländischen Einheiten bei dem Mineralölkonzern verbleiben, verkompliziert die Lage zusätzlich. Dies bedeutet, dass Tiven und die Berater sich vornehmlich mit der deutschen Organisation und deren Kostenstruktur auseinandersetzen müssen.
Folgen für Standort und Branche
Der Fokus auf den Heimatstandort Wildpoldsried erklärt sich nicht nur durch die dortige Mitarbeitendenzahl, sondern auch durch die symbolische und operative Bedeutung des Standorts für die Marke Sonnen. Sollte es zu spürbaren Einschnitten kommen, wäre das nicht nur eine Personalfrage: Zulieferer, lokale Dienstleister und die regionale Wirtschaft könnten betroffen sein.
Für die europäische Heimspeicherbranche ist der Fall ein weiteres Signal, dass der Markt deutlich volatil ist. Ein schneller Rückgang der Nachfrage nach Heimspeichern hatte bereits die Zahlen von 2024 stark belastet. Ob und wie sich der Markt stabilisiert, hängt unter anderem von politischen Rahmenbedingungen, Förderprogrammen und der Entwicklung der Energiepreise ab. Konkrete Aussagen dazu lassen sich derzeit nicht treffen.
| Aspekt | Status laut Quelle |
|---|---|
| Eigentümer | Tiven (Familien-Office von Gert Purkert) |
| Berater | Aurelius Water-Rise (rund 200 Berater, spezialisiert auf Sanierung) |
| Umsatzentwicklung | Über 263 Mio. Euro (2023) → rund 78 Mio. Euro (2024) |
| Personal | Rund 1'100 Mitarbeitende, ca. 400 in Wildpoldsried |
Ein direktes Zitat aus dem Geschäftsbericht nennt als Ursache einen "starken Rückgang des Heimspeichermarkts", was die finanzielle Schieflage erklärt. In der Folge dürfte die Arbeit der Berater sich sowohl auf kurzfristige Kostenmassnahmen als auch auf eine längerfristige Neuausrichtung des Geschäftsmodells konzentrieren.
Für die Mitarbeitenden, die Region und die Branche bleibt die Situation unsicher. Erste Entscheidungen werden in den kommenden Wochen erwartet. Bis dahin sind Gespräche zwischen Geschäftsführung und Beraterteam geplant; konkrete Restrukturierungspläne wurden jedoch noch nicht öffentlich gemacht.