Die Wirtschaft der Eurozone ist im zweiten Quartal des Jahres auf das Quartal gerechnet um 0,4% gewachsen. Das teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat mit und bestätigte damit eine frühere Schätzung. Nach einem stagnierenden ersten Vierteljahr zeigt sich die Währungsunion damit wieder in moderatem Aufschwung.
Unterschiedliche Dynamik in den Mitgliedstaaten
Im Länderbild fallen deutliche Unterschiede auf. Spanien, die viertgrösste Volkswirtschaft in der Eurozone, erwirtschaftete mit 0,7% das stärkste Quartalsplus. Als ein wichtiger Treiber wird der boomende Tourismus genannt. Demgegenüber blieb das Wachstum in Europas grösster Volkswirtschaft, Deutschland, mit 0,2% verhalten. Gleiches Wachstum wiesen Frankreich und Italien aus. Österreich kam praktisch nicht voran und meldete 0,0%.
| Land | Veränderung Q2 (quartals) |
|---|---|
| Eurozone (gesamt) | +0,4% |
| Spanien | +0,7% |
| Deutschland | +0,2% |
| Frankreich | +0,2% |
| Italien | +0,2% |
| Österreich | +0,0% |
Arbeitsmarkt stabil, aber Wachstum bleibt moderat
Der Arbeitsmarkt in der Währungsunion zeigte sich im Berichtsquartal weitgehend stabil: Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,1%. Auf Jahressicht bedeutet das ein Plus von 0,5%. Das deutet darauf hin, dass die kurzfristige Erholung des BIP nicht mit einer stark beschleunigten Beschäftigungsdynamik einhergeht.
- Für Spanien waren Tourismus und Inlandsnachfrage zentrale Wachstumstreiber.
- Deutschland, Frankreich und Italien verzeichneten nur verhaltenes Wachstum.
- Österreich meldete kein Wachstum im Quartalsvergleich; das Wifo erwartet dennoch ein Jahreswachstum von 0,9% gegenüber dem Vorjahr.
Einfluss von Iran-Konflikt, Ölpreisen und Geldpolitik
Das Wachstum fand statt, obwohl geopolitische Spannungen rund um den Iran die Lage belasteten. Durch den Konflikt stiegen die Rohölpreise, was sich an den Zapfsäulen in Europa bemerkbar machte: Benzin und Diesel verteuerten sich spürbar und trieben die Inflation nach oben. Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni die erste Zinserhöhung seit drei Jahren beschlossen. Ein weiterer Zinsschritt im September wird nicht ausgeschlossen.
Die Kombination aus höheren Energiepreisen und strafferer Geldpolitik stellt eine Herausforderung für die Konjunktur dar: Höhere Zinsen dämpfen Investitionen und Konsum, während teurere Energie die reale Kaufkraft belastet. Die moderaten BIP-Zahlen deuten darauf hin, dass diese Effekte bereits wirken, jedoch noch keinen breiten Abschwung ausgelöst haben.
Relevanz für die Schweiz
Für die Schweiz sind die Entwicklungen in der Eurozone bedeutsam. Als wichtiger Handelspartner beeinflussen Wachstum, Inflation und Zinsentscheidungen in der EU auch Nachfrage, Exportvolumen und Wechselkurse hierzulande. Ein anhaltend schwaches Wachstum in Deutschland oder ein erneuter Ölpreisanstieg könnten die Exportperspektiven der Schweizer Industrie belasten und den Franken weiter beeinflussen.
Insgesamt zeigt das zweite Quartal der Eurozone ein Bild moderaten, aber ungleichmässigen Wachstums. Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Momentum anhält oder sich die Risiken aus Energiepreisen und geopolitischen Spannungen stärker bemerkbar machen.