In Paris haben sich am Donnerstag sieben Kandidatinnen und Kandidaten um das Präsidentenamt erstmals gemeinsam zur Debatte über die wirtschaftliche Erholung Frankreichs gestellt. Die Veranstaltung fand im Tennistadion Roland Garros statt und wurde vom französischen Unternehmerverband organisiert. Der offizielle Wahltermin ist der 18. April 2027, eine allfällige Stichwahl ist für den 2. Mai 2027 angesetzt.
Klare Gegensätze in Spar- und Lohnpolitik
Die Diskussion offenbarte deutliche politische Gegensätze. Der linkspopulistische Kandidat Jean-Luc Mélenchon forderte eine Erhöhung sowohl der Gehälter als auch des Mindestlohns und warnte vor den wirtschaftlichen Folgen einer ausbleibenden Umverteilung. Mélenchon, 74 Jahre alt, sagte, andernfalls drohe eine Rezession; er betonte die Notwendigkeit einer gerechteren Verteilung des Wohlstands.
«Anderenfalls geraten wir in eine Rezession», sagte Mélenchon während der Debatte.
Demgegenüber kündigte die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen ein umfangreiches Sparpaket in Höhe von 125 Milliarden an. Teil ihres Vorschlags ist die Senkung des Nettobeitrags Frankreichs an die Europäische Union von zuletzt knapp 8 Milliarden (2024) auf unter 5 Milliarden. Le Pen verband ihre Fiskalpolitik mit einer restriktiveren Einwanderungspolitik und behauptete, Einwanderung belaste das Sozialsystem finanziell.
Reaktionen der Mitte-rechts-Kandidaten
Der Mitte-rechts-Kandidat Gabriel Attal reagierte spöttisch auf Le Pens Schwerpunkt auf Migration. Er sagte, ihre Argumentation reduziere sich immer wieder auf dasselbe Narrativ. Attal plädierte zugleich dafür, Ausnahmeregeln, die sich beim Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame bewährt hätten, landesweit für Investitionsprojekte anzuwenden.
Auch der frühere Premierminister Édouard Philippe, ein weiterer Anwärter aus dem bürgerlichen Lager, verlangte strengere Haushaltsdisziplin. Philippe machte deutlich, dass Frankreich länger arbeiten müsse, wenn es sein Sozialmodell und seinen Wohlstand erhalten wolle. Mit dieser Forderung positionierte er sich klar gegen expansive Haushaltspolitik.
Weitere Positionen und Debattenpunkte
Der Sozialdemokrat Raphaël Glucksmann äusserte sich überrascht darüber, dass zwei ehemalige Premierminister des aktuellen Präsidenten Lektionen in Sachen Schulden erteilen wollten. Glucksmann sprach sich unter anderem für eine Erhöhung der Erbschaftssteuer aus und bekräftigte sein Vorhaben einer ökologischeren Ausrichtung wirtschaftlicher Massnahmen.
- Ort: Roland Garros, Paris; Veranstalter: französischer Unternehmerverband.
- Teilnehmerzahl: sieben erklärte Kandidatinnen und Kandidaten.
- Wahltermine: 18. April 2027 (erste Runde), 2. Mai 2027 (Standby für Stichwahl).
Die Debatte machte deutlich, dass die wirtschaftliche Agenda in Frankreich zwischen Forderungen nach stärkerer Umverteilung und hohen Lohnsteigerungen auf der einen Seite und entschiedener Sparpolitik und Haushaltskonsolidierung auf der anderen Seite schwankt. Die Verbindung von Fiskalpolitik mit migrationspolitischen Forderungen blieb ein zentraler Konfliktpunkt, insbesondere in den Aussagen der Rechtspopulistin.
Bedeutung für die Schweiz
Für die Schweiz sind die französischen Diskussionen wegen mehrerer Aspekte relevant: Fiskal- und Haushaltspolitik der Nachbarstaaten beeinflussen die konjunkturelle Entwicklung in der EU, was wiederum Exportmärkte und Branchen in der Schweiz berührt. Zudem könnten Änderungen in der französischen Einwanderungs- und Arbeitsmarktpolitik Auswirkungen auf Grenzgänger, Arbeitsmigration und bilaterale Beziehungen haben.
Die Debatte in Roland Garros zeigt, wie stark wirtschaftliche Kernfragen — Löhne, Sozialstaat, Staatsverschuldung und Migration — die Wahlkämpfe in Europa prägen. In den kommenden Monaten dürfte die Auseinandersetzung noch schärfer werden, wenn sich das Kandidatenfeld weiter konkretisiert und Umfragen die wahrscheinlichen Stichwahlteilnehmer ausweisen.