Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat vor einer Verharmlosung von Schimmelpilzen gewarnt und auf erhebliche Wissensdefizite in der Bevölkerung hingewiesen. Eine repräsentative Online-Erhebung mit 1'000 Teilnehmenden zeigt demnach, dass viele Menschen nicht wissen, welche Gefahren von Schimmelsporen und Mykotoxinen ausgehen und wie sich diese durch Lebensmittel oder Raumluft auswirken können.
Grosse Unsicherheit über Hitzebeständigkeit und Verbreitung
Gemäss der Umfrage gaben nur knapp über die Hälfte der Befragten, nämlich 53 Prozent, an, über die Hitzebeständigkeit von Schimmelpilzen informiert zu sein. Die andere Hälfte war der Ansicht oder unsicher, dass Kochen, Braten oder Erhitzen in der Mikrowelle schädliche Strukturen wie Mykotoxine zerstören würde.
Wenig Bewusstsein für Mykotoxine in Lebensmitteln
Besonders niedrig war das Bewusstsein dafür, dass Mykotoxine in bestimmten verarbeiteten Produkten vorkommen können: Nur 11 Prozent der Befragten wussten, dass etwa in veganen Milchalternativen und in Trockengewürzmischungen Mykotoxine vorhanden sein können. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse rät das BfR zu vorsichtigem Umgang mit sichtbarem Schimmelbefall.
„Einfach wegschneiden" - keine gute Idee!
Das BfR betont, dass das Abschneiden von sichtbaren Schimmelstellen bei Lebensmitteln kein verlässlicher Schutz ist. Schimmelsporen und Toxine können bereits unsichtbar in ein Produkt eingedrungen sein, sodass nur das vollständige Entsorgen der betroffenen Ware als sichere Massnahme gilt.
Gesundheitliche Folgen und Empfehlungen
In seiner Auswertung listet das BfR mögliche gesundheitliche Auswirkungen von Schimmel- und Mykotoxin-Exposition auf. Diese reichen von Magen-Darm-Beschwerden bis zu schweren Organbelastungen:
- Erbrechen und Durchfall
- Leber- und Nierenschäden
- Langfristig erhöhtes Krebsrisiko
Aufgrund der festgestellten Wissenslücken empfiehlt das Institut eine verstärkte Informationsarbeit. Das BfR schlägt vor, Aufklärungskampagnen breit anzulegen und Multiplikatoren sowie digitale Kanäle und Plattformen einzubeziehen, um ein breiteres Publikum zu erreichen.
| Angabe | Ergebnis |
|---|---|
| Teilnehmende der Umfrage | 1'000 |
| Informiert über Hitzebeständigkeit | 53 % |
| Wissen über Mykotoxine in veganen Milchalternativen | 11 % |
Konsequenzen für Verbraucher und Akteure
Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet die Warnung des BfR: Bei sichtbarem Schimmel an Lebensmitteln ist Zurückhaltung geboten. Das Institut rät, befallene Produkte komplett zu entsorgen, anstatt befallene Stellen abzuschneiden und den Rest weiterzuverwenden. Dies gilt insbesondere für stark durchfeuchtete oder poröse Lebensmittel, bei denen eine Durchdringung durch Pilzstrukturen wahrscheinlicher ist.
Auf politischer und institutioneller Ebene fordert das BfR koordinierte Informationsangebote. Geeignete Massnahmen könnten sein:
- Gezielte Aufklärungskampagnen über Mykotoxine und Schimmelrisiken
- Einbindung von Multiplikatoren wie Gesundheitsstellen, Verbänden und Lebensmittelhändlern
- Nutzung digitaler Plattformen zur Verbreitung praxisnaher Hinweise
Die Kommunikation soll dabei auf leicht verständliche, wissenschaftlich fundierte und alltagsnahe Hinweise setzen. Nur so liessen sich Fehlannahmen über die Wirksamkeit von Erhitzen oder das Abschneiden befallener Stellen nachhaltig abbauen.
Die Studie des BfR wurde am 28. August 2026 veröffentlicht und im Deutschlandfunk vorgestellt. Sie macht deutlich, dass Schimmel nicht nur ein ästhetisches Problem ist, sondern relevante gesundheitliche Folgen haben kann. Für eine wirksame Prävention braucht es laut BfR sowohl bessere Verbraucherinformation als auch eine stärkere Vernetzung von Behörden, Bildungsinstitutionen und Akteuren der Lebensmittelbranche.
Bei Unsicherheit über schimmelige Lebensmittel empfiehlt sich im Zweifel das Wegwerfen. Gesundheitsexperten raten dazu, weder das Risiko zu unterschätzen noch betroffene Produkte weiterzuverwenden.