Der frühere Bundesligastürmer Nils Petersen spricht offen über seine Erfahrungen mit mentalen Problemen und den Weg in das Leben nach der Profi-Karriere. Der 37‑Jährige beendete im Sommer 2023 seine Laufbahn beim SC Freiburg und hat seither bewusst neue Strukturen geschaffen. Petersen berichtet, dass ihm Vorbereitung und berufliche Diversifikation geholfen hätten, den Ausstieg zu bewältigen.
Karriereende aktiv gestaltet
Petersen schildert, wie eng sein Alltag während der Bundesliga-Zeit getaktet gewesen sei: tägliche Trainings, Spiele am Wochenende, Mannschaftsreisen, Medienpflichten und Regeneration. Deshalb habe ihm der bewusste Verzicht auf ein reges Sozialleben während der aktiven Zeit zwar beruflich geholfen, machte aber die Umstellung nach dem Karriereende nicht automatisch einfacher.
Er habe sich deshalb frühzeitig neu ausgerichtet: Petersen schrieb ein Buch, arbeitet als Fussballexperte im Fernsehen, hält Vorträge über seine Zeit als Profi und engagiert sich als ehrenamtlicher Schöffe am Amtsgericht in Freiburg. Zudem spielt er weiterhin Fussball in der Kreisliga und geniesst das soziale Leben mit ehemaligen Teamkollegen.
Öffentliche Thematisierung von psychischer Gesundheit
Petersen hatte bereits während seiner aktiven Zeit Hilfe gesucht. Er berichtet, dass er 2018 erstmals professionelle Unterstützung in Anspruch nahm. Damit ging er an die Öffentlichkeit und spricht seither immer wieder offen über Zweifel und Belastungen im Profialltag. Zu seinen inneren Fragen gehöre etwa: «Kriege ich das alles hin? Wollen die Leute das überhaupt hören, was ich zu erzählen habe?»
«Bis zu meiner Zeit beim SC Freiburg war ich vielleicht viermal feiern. Ich habe immer auf den Verzicht gesetzt für den Profi‑Fussball», sagt Nils Petersen.
Konkrete Schritte nach der Karriere
Petersen nennt mehrere Massnahmen, die ihm beim Übergang halfen. Dazu gehören
- frühzeitige berufliche Neuorientierung (Buch, Medienauftritte),
- Aufbau verlässlicher Alltagsstrukturen und Terminverpflichtungen,
- ehrenamtliches Engagement (Schöffentätigkeit),
- soziale Aktivitäten in der Kreisliga, die Gemeinschaft und Freude bringen.
Sein Arbeitskollege Jonas Keller hebt Petersens Verlässlichkeit hervor: «Er ist super zuverlässig, wenn er Termine macht, ist immer vorbereitet und pünktlich da.» Die beiden konzipieren gemeinsam Petersens Vorträge.
| Bereich | Aktivität |
|---|---|
| Medien | Arbeit als Fussballexperte im Fernsehen |
| Publikation | Buch über die Karriere |
| Ehrenamt | Schöffe am Amtsgericht in Freiburg |
| Freizeit | Fussball in der Kreisliga, soziale Anlässe |
Bedeutung für die Gesundheitsdebatte
Petersens Offenheit hat Signalwirkung: Wenn ehemalige Profis über mentale Belastungen sprechen und Hilfe suchen, kann das Barrieren abbauen und den Zugang zu unterstützenden Angeboten erleichtern. Aus seinen Schilderungen wird deutlich, dass nicht allein die Krankheitssymptome, sondern auch der Verlust von Struktur, Rollenbild und sozialem Umfeld eine Belastung darstellen können.
Die Fallbeschreibung Petersens zeigt exemplarisch, wie eine Kombination aus professioneller Unterstützung, beruflicher Neuorientierung und sozialer Einbindung beim Umgang mit dem Karriereende helfen kann. Zugleich macht sie deutlich, dass individuelle Vorbereitung Zeit und aktive Entscheidungen verlangt.
Was bleibt offen
Petersen betont zwar den positiven Wandel in seinem Leben, formuliert aber auch Zweifel und Fragen zur eigenen Rolle in der Öffentlichkeit. Seine Perspektive unterstreicht die Notwendigkeit, Angebote für Athletinnen und Athleten auszubauen — sowohl während der Karriere als auch danach. Gleichzeitig zeigt sein Weg, dass persönliche Vorbereitung und das Aufsuchen professioneller Hilfe zentrale Bestandteile einer gelungenen Transition sein können.
Die Diskussion um mentale Gesundheit im Sport bleibt damit auf der Agenda: Persönliche Berichte wie jener von Nils Petersen tragen dazu bei, das Thema sichtbarer zu machen und Hilfsangebote zu entstigmatisieren.