In Mitte August sind über den eAutoIndex automatisiert Daten von Fahrzeughalterinnen und Fahrzeughaltern aus mehreren Kantonen abgerufen worden. Betroffen waren ausschliesslich jene Informationen, die gesetzlich als öffentlich gelten – insbesondere Kontrollschildnummer sowie Name und Adresse der Halterinnen und Halter, sofern diese die Bekanntgabe nicht sperren liessen. Geschützte oder gesperrte Daten blieben unberührt.
Wie der Zugriff erfolgte und welche Folgen er hat
Nach Angaben der betroffenen Kantone wurde der Datenabruf über eine technische Schnittstelle vorgenommen. Dabei seien offenbar vorhandene Schutzmechanismen umgangen worden, die normalerweise die Anzahl der Abfragen über den eAutoIndex begrenzen. Die für den Betrieb verantwortliche Unternehmung hat daraufhin zusätzliche Zugriffsbeschränkungen eingeführt und prüft weitere Massnahmen.
Die Kantone warnen, dass die massenhafte Zusammenstellung der Halterdaten missbräuchliche Verwendungen erleichtern kann. Konkrete Risiken sehen die Behörden in gefälschten Zahlungsaufforderungen, etwa für angebliche Bussen, Gebühren, Motorfahrzeugkontrollen oder auch ausländische Mautgebühren. In Verbindung mit dem Datenabruf kam es bereits zu Erpressungsversuchen gegen die Betreiberin des eAutoIndex und den Kanton Waadt. Betroffene Kantone haben bereits Anzeige erstattet oder bereiten eine Anzeige vor.
Was Fahrzeughalterinnen und Fahrzeughalter jetzt tun sollten
Die Kantone geben klare Empfehlungen zum Schutz vor möglichen Betrugsversuchen. Sie raten, unerwartete Briefe, E-Mails oder SMS besonders kritisch zu prüfen, vor allem wenn darin schnelle Zahlungen verlangt werden, nach persönlichen oder finanziellen Angaben gefragt wird oder ein Link zur Dateneingabe führt. Bei Zweifeln soll die jeweils zuständige Behörde über die offiziellen Kontaktkanäle kontaktiert werden.
- Prüfen: Unerwartete Zahlungsaufforderungen sorgfältig kontrollieren.
- Nie über Links: Keine Zahlungsdaten oder persönlichen Angaben via Links in ungeprüften Nachrichten eingeben.
- Behörde kontaktieren: Bei Unsicherheit die zuständige Stelle direkt über offizielle Kontakte anrufen oder anschreiben.
Wer die öffentliche Bekanntgabe der eigenen Halterdaten verhindern möchte, kann diese beim Strassenverkehrsamt des Wohnkantons kostenlos sperren lassen. Für den Kanton Schaffhausen etwa ist dies über das Gesuch um Sperrung der Halterdaten möglich. Allgemeine Informationen zu aktuellen Betrugsmaschen und Hinweise zum Schutz vor Cyberkriminalität verweist die Polizei auf cybercrimepolice.ch.
Behördliches Vorgehen und offene Fragen
Die betroffenen Kantone haben bereits reagiert: Einige haben Anzeige erstattet, andere werden dies noch tun. Die Betreiberin des eAutoIndex hat zusätzliche Zugriffsbeschränkungen eingeführt und prüft weitere technische und organisatorische Massnahmen. Welche langfristigen Änderungen am System notwendig sind, um automatisierte Massendatenabfragen zuverlässig zu verhindern, ist offen und dürfte weiter untersucht werden.
| Betroffene Daten | Status |
|---|---|
| Kontrollschildnummer | öffentlich – betroffen |
| Name und Adresse der Halterinnen/Halter | öffentlich, sofern nicht gesperrt – betroffen |
| Gesperrte/geschützte Daten | nicht betroffen |
Für betroffene Personen bleibt zentral: Die gesetzliche öffentliche Bekanntgabe ist vermeidbar durch eine Sperranmeldung beim zuständigen Strassenverkehrsamt. Zugleich zeigt der Vorfall, wie verwundbar selbst gesetzlich zugängliche Register sein können, wenn technische Schnittstellen missbräuchlich ausgenutzt werden. Die Kombination aus Datenzugang und anschliessender massenhafter Zusammenführung erhöht das Risiko, dass Betrüger gezielte und glaubwürdige Angriffe starten.
Aus Sicht der Bevölkerung liegt die Verantwortung nun sowohl bei den Betreiberinnen und Betreibern der digitalen Angebote, als auch bei den Behörden, die die Register verwalten. Beide Seiten müssen technische Schutzmassnahmen verstärken und transparente Information liefern, damit Betroffene rasch reagieren können. Solche Vorfälle erinnern daran, dass digitale Dienste laufend überprüft und angepasst werden müssen, um Missbrauch zu verhindern und das Vertrauen in öffentliche Register zu erhalten.