Der chinesische Autohersteller BYD verschiebt den Start seines ersten europäischen Werks in Ungarn. Satellitenaufnahmen zeigen, dass die Baustelle noch deutlich nicht fertig ist, obwohl der Produktionsbeginn ursprünglich zum Jahresende geplant war. Die Verzögerung kommt in einer Phase, in der BYD seine Präsenz in Europa deutlich ausbauen will, um sinkende Verkäufe in der Heimat auszugleichen.
Wachsende Exporte und logistische Engpässe
Bislang transportiert BYD die in China produzierten Fahrzeuge per Schiff nach Europa. Die Gruppe betreibt inzwischen acht eigene Frachter, einige davon mit einer Kapazität von bis zu 7'000 Fahrzeugen. Dennoch stößt die Flotte an Grenzen: Während BYD im Jahr 2024 noch 50'912 Fahrzeuge nach Europa verschiffte, stieg die Zahl 2025 auf 187'657. Der Konzern plant, den Export bis Ende des Jahrzehnts weiter kräftig auszubauen und strebt an, dass langfristig etwa die Hälfte aller verkauften BYD-Autos im Ausland verkauft werden.
Warum BYD in Europa bauen will
Die Produktion vor Ort senkt nicht nur Transportkosten und reduziert die Abhängigkeit von eigenen Frachtern, sie vermeidet auch Strafzölle: Elektroautos, die aus China in die EU importiert werden, unterliegen heute zusätzlichen Abgaben. Eine lokale Fertigung in Europa würde diese Zölle umgehen und die Wettbewerbsfähigkeit der Fahrzeuge in EU-Märkten verbessern.
Schwierige Ausgangslage in China
Parallel zur Exportoffensive steht BYD in der Heimat unter Druck. Im ersten Halbjahr 2026 verkaufte das Unternehmen in China 1'016'255 Fahrzeuge – knapp 40 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der heimische Markt ist gesättigt, die Konsumstimmung schwach, und zahlreiche Neuanbieter verschärfen den Wettbewerb. Demgegenüber legten die Verkäufe ausserhalb Chinas im ersten Halbjahr deutlich zu: BYD verkaufte dort 792'256 Autos, ein Anstieg von mehr als 70 Prozent.
„Wirtschaft von oben“ – eine Analyse in Kooperation mit LiveEO – zeigt per Satellitenbilder, dass das Ungarn-Projekt noch nicht fertiggestellt ist.
Baustatus, Arbeitsschutz und Folgen
Die Satellitenbilder deuten auf Verzögerungen beim Bau hin. Zudem hebt der Bericht hervor, dass beim Projekt Arbeitsschutzfragen bestehen. Konkrete Details zu Mängeln oder zu Verletzungen nennt die Analyse nicht, doch die Erwähnung unterstreicht, dass ein beschleunigter Bau nicht ohne Risiken erfolgt. Verzögerungen in Ungarn können die Lieferketten belasten und den Druck auf die Frachtenflotte vorübergehend erhöhen.
- Eigene Frachter: 8 Schiffe, Kapazität teils bis 7'000 Fahrzeuge
- Verschiffte Autos: 50'912 (2024) vs. 187'657 (2025)
- Verkäufe H1 2026: China 1'016'255 (-40% J/J); Ausland 792'256 (+>70% J/J)
Für die europäische Autoindustrie und Händler bedeuten die Verzögerungen bei lokalen Produktionskapazitäten, dass der Markt weiterhin stark von Importen abhängig bleibt. Das bremst potenzielle Preisanpassungen, die BYD mit einer lokalen Produktion erreichen könnte, und beeinflusst die Wettbewerbsstrategie etablierter europäischer Hersteller.
| Grösse | Zahl |
|---|---|
| Eigene Frachter | 8 |
| Kapazität pro Frachter (max.) | bis 7'000 Fahrzeuge |
| Verschiffte Fahrzeuge 2024 | 50'912 |
| Verschiffte Fahrzeuge 2025 | 187'657 |
| Verkäufe China H1 2026 | 1'016'255 (−~40% gegenüber Vorjahr) |
| Verkäufe Ausland H1 2026 | 792'256 (+>70% gegenüber Vorjahr) |
Sollte der Fabrikstart in Ungarn weiter verschoben werden, dürfte BYD kurzfristig mehr Transportkapazitäten benötigen oder den Ausbau bestehender Logistiklösungen forcieren. Mittel- bis langfristig bleibt das europäische Werk allerdings zentral für BYDs Strategie, Zollkosten zu senken und die Abhängigkeit von Schiffstransporten zu reduzieren.
Für Politik und Aufsichtsbehörden in Europa werden Baustatus und Arbeitsschutzfragen aufmerksam zu beobachten sein. Verzögerungen können die Wettbewerbsdynamik auf dem Markt beeinflussen und haben Auswirkungen auf Lieferketten, Hafenlogistik und Zuliefererketten in mehreren Ländern.