Mehr als 37'000 Erstklässler beginnen an diesem Samstag in Sachsen die Schule. Für viele Familien ist der erste Schultag ein markanter Einschnitt und zugleich Anlass für eine Feier – von der kleinen familiären Zusammenkunft bis hin zu grösseren Anlässen in Gaststätten oder gemieteten Locations.
Tradition trifft Nachfrage
Anke Fischer von der Eventagentur Promoplanet in Zwickau beobachtet, dass der Grossteil der Familien auf eine traditionelle Feier im Familienkreis setzt. «Das ist ein grosses Ereignis, das viele Eltern oft monatelang selbst vorbereiten», sagt Fischer. Catering, Hüpfburgen und Clowns seien stark nachgefragt; beliebte Veranstaltungsorte seien deshalb rasch ausgebucht. Einige Familien reservierten ihren Feierort schon Jahre im Voraus.
«Es ist auch in Ordnung, wenn Eltern den Schulanfang als erstes grosses Fest des Kindes aufwendiger feiern wollen.»
Gleichzeitig relativiert Fischer einen verbreiteten Eindruck: Einen flächendeckenden Trend zu immer aufwendigeren Festen sieht sie nicht. Nur wenige Eltern gestalteten den Anlass «fast wie eine kleine Hochzeit», mit festlichem Gedeck, Bedienung, Rahmenprogramm oder gar Feuerwerk. In ihrer Agentur habe die Zahl solcher aufwendigen Feiern in den vergangenen Jahren nicht zugenommen.
Wenn Feiern ins Geld gehen
Der erste Schultag kann trotz zurückhaltenderer Gesten für Familien dennoch teuer werden. Der Leipziger Metzgermeister Franz Richter berichtet von einer Veränderung in den Bestellungen: Während Catering-Anfragen tendenziell zurückgingen, nahmen die Bestellungen für Grillfeiern zu. Gerade bei grösseren Anlässen mit 20 bis 30 Gästen werde auf dem Grill gern etwas Besonderes angeboten, etwa Bratwürste aus Rind oder Lamm.
Für solche Bestellungen nannte Richter eine Orientierungsspanne: Familien müssten inzwischen etwa 800 bis 1'200 Euro einplanen. Die Preise lägen damit circa doppelt so hoch wie vor der Corona-Pandemie, so Richter. Viele Eltern seien jedoch bereit, sich den besonderen Tag ihres Kindes einiges kosten zu lassen.
Betroffen sind Gastronomie und Veranstaltungsbranche
Auch für die Gastronomie ist der Schulanfang ein bedeutender Zeitpunkt im Jahreskalender. Axel Klein vom Dehoga Sachsen weist darauf hin, dass besonders bei Feierlichkeiten in Gaststätten auf Details geachtet werde; viele Familien wollten den Tag mit Freunden und Verwandten feiern, aber nicht zwingend in pompöser Form.
- Viele Familien feiern zuhause oder in Gaststätten.
- Beliebte Zusatzangebote: Catering, Hüpfburgen, Animation.
- Aufwendige Grossfeiern sind die Ausnahme, trotzdem können Kosten hoch sein.
| Anlassgrösse | Typische Kosten (laut Quelle) |
|---|---|
| Kleine Familienfeier | Gering bis moderat (je nach Menü und Location) |
| Grillfeier mit 20–30 Gästen | Etwa 800–1'200 Euro (Angabe von Metzger Franz Richter) |
Der Schulanfang markiert für die Kinder den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Für Eltern und Dienstleister bedeutet der Tag Planung, Organisation und – je nach Anspruch – spürbare Kosten. Die Aussagen aus Sachsen zeigen, wie unterschiedlich Familien mit diesem Übergang umgehen: Manche legen Wert auf eine festliche Inszenierung, andere bevorzugen eine schlichte Feier im engsten Kreis.
Die Debatte um Aufwand und Kosten berührt auch breitere Fragen: Wie viel soll ein öffentliches und familiäres Ritual kosten dürfen? Und welche sozialen Erwartungen entstehen durch Beispiele von gehobenen Feiern? In Sachsen, so die Beobachtung von Veranstaltern und Gewerbetreibenden, bleibt die Mehrheit zwar traditionsbewusst, doch die Bereitschaft, für diesen einmaligen Tag mehr auszugeben, ist präsent.
Für Familien ist am Ende entscheidend, welchen Stellenwert sie dem ersten Schultag beimessen und welche Prioritäten sie setzen – ob ein bewusst schlichtes Fest oder ein grösseres Zusammensein mit besonderem Catering. Dass beides möglich ist, zeigt die Bandbreite der Nachfrage in diesem Jahr.