Das nordArt-Theaterfestival hat Stein am Rhein für zehn Tage in eine lebendige Kleinkunstbühne verwandelt. Unter dem Leitmotiv «Bühne Begegnung Entdeckungen» treffen Theater, Musik, Satire und Spoken Word auf die historische Kulisse der Altstadt. Auf fünf Spielorten präsentieren rund 45 Künstlerinnen und Künstler insgesamt 28 Produktionen, getragen von einem Team von 60 Personen, das hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf sorgt.
Der Ort als Teil des Stücks
Festivalleiterin Katja Baumann hebt hervor, dass beim nordArt nicht allein das Programm entscheide, sondern auch die Beziehung zwischen Aufführung und Spielort.
«Der Theaterabend beginnt nicht erst, wenn das Bühnenlicht angeht, sondern schon bei der Ankunft in Stein am Rhein.»
Die historische Altstadt werde so selbst zur Bühne und schaffe eine Atmosphäre, die das Publikum unmittelbar einbeziehe. Dieses Konzept unterscheide das Festival von grösseren Veranstaltungen: Der Erlebniswert entstehe schon beim Schlendern durch enge Gassen und beim Wechsel zwischen den Perrons der Darbietungen.
Programm: Vielfalt in kompakter Form
Das Programm setzt auf eine Mischung aus etablierten Namen und aufstrebenden Talenten. Die Auswahlkriterien, so Baumann, orientieren sich an Qualität, Originalität und der Tauglichkeit für die intime Festivalatmosphäre. Gerade in kleinen Formaten zeigten sich oft überraschende erzählerische Stärken und eine besondere Nähe zum Publikum.
Ein Beispiel für die Verbindung von Textkunst und Publikumsnähe lieferte der Berner Spoken-Word-Künstler Remo Zumstein mit seinem Programm «Fun Fact». Mit Humor und sprachlicher Präzision lotete er schweizerische Dialekte, Kindheitserinnerungen, Religion und Identität aus. Immer wieder spielte er mit Redewendungen und Diminutiven, was beim Publikum sowohl Lachen als auch Nachdenken auslöste.
Logistik und Publikumserlebnis
Hinter den Kulissen orchestriert ein Team von rund 60 Personen die Vielzahl der Aufführungen auf den fünf Spielstätten innerhalb der denkmalgeschützten Altstadt. Die grösste Herausforderung sei die Koordination der Orte, heisst es vom Organisationsteam: enge Platzverhältnisse, unterschiedliche Anforderungen der Produktionen und die Bedürfnisse der Zuschauerinnen und Zuschauer verlangen flexible, schnelle Lösungen.
Das Publikum zeigt sich bisher begeistert. Besucherinnen wie Dorothea, die erstmals am nordArt teilnehmen, und Sibylle, die bereits zum zweiten Mal gekommen ist, loben die Mischung aus Intimität und Qualität. Die Wiederkehrerinnen bestätigen, dass die Atmosphäre und die programmatische Dichte den Reiz des Festivals ausmachen.
Festivalkennzahlen im Überblick
| Aspekt | Zahl |
|---|---|
| Spielorte | 5 |
| Künstlerinnen und Künstler | 45 |
| Produktionen | 28 |
| Hinter den Kulissen | 60 Personen |
Stärken und Konsequenzen
Das nordArt-Festival zeigt, wie regionale Kulturorte mit begrenzten Mitteln ein dichtes Programm realisieren können, das sowohl Einheimische als auch Kulturinteressierte von ausserhalb anspricht. Die Einbindung der Altstadt als Teil der Inszenierung verstärkt die lokale Identität und schafft ein spezifisches Festivalerlebnis, das sich bewusst von grossen, formelleren Festivals abgrenzt.
Gleichzeitig verlangt das Format eine permanente operative Flexibilität. Die Koordination zahlreicher Kurzproduktionen auf mehreren Spielstätten setzt eine belastbare Infrastruktur und ein eingespieltes Team voraus. Dass rund 60 Personen diese Aufgabe stemmen, unterstreicht den Aufwand hinter den scheinbar leichten, intimen Abenden.
Insgesamt bestätigt der bisherige Verlauf des nordArt, dass Kleinkunst in der Schweiz auch in historischen Orten ein lebendiges Publikum findet. Die Verbindung von Ort, Form und Programm macht das Festival zu einer beachtenswerten Plattform für Erprobtes und Neues — und lässt Stein am Rhein für zehn Tage zur Bühne werden.