Der 1640 erbaute Murihof gehört zu den prägendsten historischen Gebäuden im alten Dorfkern von Wettingen. Seit dem illegalen Teilabriss im Herbst 2018 liegt das Areal als «ewige Baustelle» brach und prägt seit Jahren das Ortsbild sowie die Diskussionen rund um Bauen, Denkmalschutz und Verantwortung in der Gemeinde.
Hintergrund: Illegaler Abriss und Stillstand
Beim geplanten Umbau wurde 2018 ein Teil der historischen Bausubstanz ohne Bewilligung niedergerissen. Die Gemeinde verfügte sofort einen Baustopp, die Staatsanwaltschaft eröffnete Ermittlungen, und ein verantwortlicher Fachbauleiter wurde verurteilt. Seither steht die Ruine leer. Laut Berichten wurden anschliessend zwei Neubauten im hinteren Bereich des Grundstücks weitgehend erstellt, sie sind aber nur teilweise bewohnbar.
«Der 1640 erbaute Murihof zählt zu den historisch prägendsten Gebäuden im alten Dorfkern von Wettingen.»
Die noch nicht abschliessend geregelten Zufahrten und Zugänge verschärfen die Situation: Die geplante Zufahrt zur Einstellhalle verläuft direkt über das Murihof-Grundstück. Zugänge zu den Hauseingängen sind derzeit nicht befriedigend und führen durch Bauabsperrungen, über eine improvisierte Treppe aus Holzpaletten und ein Brett.
Projektpartner, Verantwortlichkeiten und jüngste Entwicklungen
Als Bauherrin ist die Atai AG ausgewiesen. In der Vergangenheit gab es Hinweise darauf, dass das Projekt von verfahrenen Firmenstrukturen und fehlenden Ausführungsunterlagen gehemmt wurde. Zudem bestehen Parallelen zu anderen langen Baustellen im Kanton Solothurn, die mit demselben Treuhänder in Zusammenhang standen.
Wesentliche Personalien:
- Im Mai 2021 übernahm der Treuhänder Viktor Sauter ein Verwaltungsratsmandat bei der Atai AG.
- Anfang Jahr ist Sauter bei allen beteiligten Gesellschaften als Verwaltungsrat zurückgetreten.
- Seither hat sich auf den Baustellen wieder mehr getan, und im Sommer kehrte Leben auf das Gelände zurück.
Der Rücktritt des Verwaltungsratsmitglieds scheint eine Blockade gelöst zu haben. Konkrete Angaben zu einem neuen Zeitplan, zu weiteren Bauetappen oder zur Fertigstellung liegen jedoch nicht vor.
Konsequenzen für Anwohnende und Ortsbild
Der Zustand des Murihofs wirkt sich unmittelbar auf die Lebensqualität im alten Dorfkern aus. Sichtbare Folgen sind:
- Beeinträchtigte Zugänge zu Wohnhäusern durch Bauabsperrungen und provisorische Treppen;
- Teilweise bewohnte Neubauten, deren vollständige Nutzung aufgrund fehlender Zufahrten nicht möglich ist;
- Ein anhaltend belastetes Ortsbild an einem historisch sensiblen Standort.
Das jahrelange Warten und die juristischen Auseinandersetzungen haben Misstrauen bei Anwohnenden und Behörden hinterlassen. Das Wiederaufleben von Bautätigkeit schafft Hoffnung, stellt die Gemeinde aber auch vor weitere Aufgaben: Die Koordination der Verkehrsführung, die Sicherheit von Passanten und die Sicherung historischer Substanz bleiben zentral.
Tabelle: Chronologie der wichtigsten Ereignisse
| Jahr / Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| 2018 (Herbst) | Illegaler Teilabriss des Murihofs; Baustopp durch die Gemeinde; Strafverfahren. |
| Seit 2018 | Ruine und Verfall, zwei Neubauten im hinteren Grundstücksbereich weitgehend erstellt, aber nur teilweise bewohnbar. |
| Mai 2021 | Treuhänder Viktor Sauter übernimmt ein Verwaltungsratsmandat bei der Atai AG. |
| Anfang Jahr | Sauter tritt bei allen beteiligten Gesellschaften als Verwaltungsrat zurück; Blockade löst sich. |
| Sommer | Auf den Baustellen kehrt wieder Leben ein; Hinweise auf Neustart der Arbeiten. |
Ob der laufende Personalwechsel und die wieder zunehmende Bautätigkeit tatsächlich zu einem raschen Abschluss führen, bleibt offen. Die Gemeinde Wettingen und die betroffenen Eigentümer stehen nun in der Pflicht, die verbleibenden Planungs- und Ausführungsfragen rasch und transparent zu klären, damit die historischen Werte gesichert und die Wohnnutzung geregelt werden kann.
Die Situation am Murihof wird weiter beobachtet werden müssen. Für die Anwohnenden stellen sich kurzfristig Fragen zur Zugänglichkeit und Sicherheit, mittelfristig geht es um die Wiederherstellung eines würdigen Ortsbilds und die klare Zuweisung von Verantwortlichkeiten.