Das vietnamesische Ministerium für Bildung und Ausbildung hat angekündigt, die Vorschriften zu den Arbeitsbelastungsquoten für Lehrpersonen zu überarbeiten. Hintergrund sind Angaben des Ministeriums, wonach der Einsatz digitaler Technologien und künstlicher Intelligenz Lehrkräfte bei der Unterrichtsplanung und bei administrativen Aufgaben deutlich entlastet habe. Ziel ist, die Regelungen an die veränderten Arbeitsbedingungen anzupassen und damit langfristig den Bedarf an fest angestelltem Personal zu reduzieren.
Warum die Revision?
Auf einer nationalen Konferenz der Leiterinnen und Leiter der kantonalen Bildungs- und Ausbildungsabteilungen erläuterte das Ministerium, dass Umfragen zeigen, wie stark KI‑Tools in der Praxis wirken. Damit begründet das Ministerium seine Absicht, die bestehenden Vorgaben zur Arbeitsbelastung zu prüfen und gegebenenfalls zu ändern, um Effizienzgewinne in der Vorbereitung und Verwaltung auch institutionell zu berücksichtigen.
„Umfragen zeigen, dass KI‑Tools Lehrkräften geholfen haben, die Unterrichtsvorbereitung und administrative Aufgaben um 30 bis 60 % zu reduzieren.“
Gleichzeitig bleibt der Lehrermangel gross
Das Ministerium betont jedoch, dass trotz der möglichen Effizienzsteigerungen ein erheblicher Lehrermangel im Land bestehe. Die eigenen Statistiken weisen auf einen Fehlbestand von insgesamt 104 516 Lehrkräften per Juni dieses Jahres im Vergleich zu den festgelegten Sollzahlen hin. Die Verteilung nach Schulstufen zeigt deutliche Defizite:
- Vorschule: 14 757 fehlende Lehrkräfte
- Primarschule: 30 949 fehlende Lehrkräfte
- Sekundarstufe: 42 357 fehlende Lehrkräfte
- Gymnasien: 16 453 fehlende Lehrkräfte
Einige Provinzen sind besonders betroffen. Namentlich Dien Bien und Tuyen Quang meldeten je rund 1 752 respektive 1 753 nicht besetzte Stellen. Die Personalquote für 2026 wurde gegenüber 2025 deutlich reduziert, was in mehreren Gemeinden bereits zu einem Stopp von Rekrutierungsbemühungen geführt hat.
| Schulstufe | Fehlende Lehrkräfte |
|---|---|
| Vorschule | 14 757 |
| Primarschule | 30 949 |
| Sekundarstufe | 42 357 |
| Gymnasien | 16 453 |
Geplante Massnahmen und offene Fragen
Neben der Anpassung der Arbeitsbelastungsquoten prüft das Ministerium Massnahmen zur Gewinnung von Fachkräften für den Bildungsbereich. Vorgesehen sind neue Rekrutierungsquellen, mit Schwerpunkt auf spezialisierten Fächern und benachteiligten Regionen. Zudem sollen Regelungen zur Reduktion von Papierkram verschärft und die Anwendung digitaler Technologien gefördert werden, um den administrativen Druck auf Lehrpersonen zu senken.
Die angekündigten Schritte werfen gleichzeitig Praxisfragen auf: Wie lassen sich die genannten Effizienzsteigerungen verlässlich messen und institutionell absichern? In welchem Umfang können digitale Hilfsmittel traditionelle Aufgaben ersetzen, ohne dass Qualität und pädagogische Arbeit darunter leiden? Und wie reagieren Regionen mit akutem Lehrermangel auf eine mögliche Reduktion der Sollzahlen?
Das Ministerium stellt klar, dass neben der internen Anpassung von Quoten auch unterstützende Massnahmen nötig sind, um Lehrpersonen zu entlasten und gleichzeitig die Unterrichtsqualität zu garantieren. Konkrete gesetzliche Änderungen oder Zeitpläne zur Überarbeitung der Vorschriften nannte die Behörde in ihrer Darstellung bislang nicht.
Die Debatte in Vietnam steht exemplarisch für eine breitere Diskussion weltweit: Digitale Werkzeuge verändern die Arbeitsprozesse in Schulen, doch bedarf es politischer Steuerung, damit Effizienzgewinne nicht zu Lasten der personellen Versorgung oder der Bildungsqualität gehen. Die Kombination aus weiterem Lehrermangel und das Streben nach Digitalisierung verlangt differenzierte Antworten in Personalpolitik, Aus‑ und Weiterbildung sowie in der Ressourcenallokation.