Die Frage, ob Gene oder Lebensstil entscheidender für ein gesundes Altern sind, lässt sich nicht mit einer eindeutigen Zahl beantworten. Silke Schmitt Oggier, Chefarztin der Onlinepraxis santé24 von Swica, machte im Podcast «länger gsund» jedoch deutlich, dass das Alterungsrisiko nicht allein genetisch determiniert sei und dass der Lebensstil einen bedeutenden Einfluss habe.
Gene geben Rahmen vor, Lebensstil formt das Risiko
Gene legten einen biologischen Rahmen fest, erklärte die Ärztin laut der Ankündigung des Podcasts. Innerhalb dieses Rahmens bestimme jedoch der Alltag — Bewegung, Ernährung, Schlaf, Rauchen, Alkoholkonsum und psychische Belastung — massgeblich, ob und wie schnell altersassoziierte Erkrankungen auftreten. Diese Aussage steht im Einklang mit dem gängigen wissenschaftlichen Verständnis, wonach genetische Prädispositionen häufig das Risiko erhöhen oder vermindern, Lebensstilfaktoren das tatsächliche Erkrankungsbild aber stark beeinflussen können.
Prävention bleibt zentral
Für die Praxis hat diese Einordnung konkrete Folgen: Präventions- und Beratungsangebote gewinnen an Bedeutung, denn sie adressieren die beeinflussbaren Risikofaktoren. Als Teil einer Krankenkasse betreibt santé24 telemedizinische Angebote, die niederschwellig Hinweise und Unterstützung zu Lebensstilfragen liefern. Solche Angebote können Lücken in der Versorgung schliessen, indem sie rasch informieren und zu weiteren Abklärungen oder Therapien verweisen.
- Bewegung: Regelmässige körperliche Aktivität senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und viele chronische Leiden.
- Ernährung: Eine ausgewogene Kost reduziert metabolische Risiken und unterstützt das Immunsystem.
- Rauchen und Alkohol: Verzicht oder Reduktion wirkt sich positiv auf Lebenserwartung und Lebensqualität aus.
- Psychische Gesundheit: Stressmanagement und soziale Vernetzung schützen vor kognitivem Abbau und Depression.
Was bedeutet das für Versicherte und Gesundheitspolitik?
Wenn Lebensstil einen grossen Anteil am Gesundheitsverlauf hat, folgen mehrere politische und versicherungsrelevante Konsequenzen. Erstens: Präventionsmassnahmen sollten in der Gesundheitsversorgung stärker verankert und zugänglich gemacht werden. Zweitens: Krankenkassen könnten Programme zur Förderung gesunder Verhaltensweisen ausbauen oder intensiver mit Hausärzten und kantonalen Angeboten zusammenarbeiten. Drittens: Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung ist ein Schlüssel — nur wer Risiken und Nutzen versteht, kann das eigene Verhalten informierter anpassen.
Trotzdem bleibt Genetik wichtig
Wichtig ist, die Diskussion nicht zu vereinfachen: Gene bleiben relevant, etwa bei seltenen monogenen Erkrankungen oder bei starken familiären Prädispositionen. Die richtige Balance ist, genetische Informationen zur Risikoeinschätzung zu nutzen, ohne daraus fatalistischen Determinismus abzuleiten. Eine auf Prävention orientierte Medizin kombiniert genetische Erkenntnisse mit Lebensstilinterventionen und frühzeitiger Diagnostik.
| Aspekt | Rolle für Gesundheit |
|---|---|
| Genetische Veranlagung | Legt Risikograd und Anfälligkeiten fest, aber nicht zwangsläufig den Verlauf |
| Lebensstil | Beeinflusst maßgeblich, ob genetische Risiken zu Krankheit führen |
| Prävention/Versorgung | Kann gesundheitliche Verläufe positiv verändern und Kosten senken |
Die Aussage von Silke Schmitt Oggier ist pragmatisch und bietet Hoffnung: Wer Gesundheit aktiv pflegt, kann das eigene Risiko für viele Erkrankungen reduzieren. Für die Schweiz bedeutet das, Prävention und niedrigschwellige Beratungsangebote weiter zu stärken, damit die Bevölkerung innerhalb ihres genetischen Rahmens möglichst gesund und selbstbestimmt altern kann.