Eine aktuelle Untersuchung weist darauf hin, dass der menschliche Organismus sich auch im höheren Alter an hohe Temperaturen anpassen kann. Damit liefert die Studie Hinweise, wie sich die Hitzetoleranz innerhalb weniger Tage bis Wochen steigern lässt — ein Befund mit Bedeutung für die Schweiz, wo Hitzewellen in den letzten Jahren häufiger und intensiver auftraten.
Versuchsaufbau und Hauptbefunde
In der Studie badeten 15 gesunde Erwachsene im Alter zwischen 60 und 78 Jahren an sieben aufeinanderfolgenden Tagen in 40–41 °C warmem Wasser. Die Teilnehmenden stiegen zunächst bis zum Hals ins Wasser, bis ihre Körperkerntemperatur auf 38,5 °C anstieg, und verblieben anschliessend weitere 60 Minuten bis zur Taille im Bad. Verglichen mit dem Ausgangszustand zeigten sich nach der siebentägigen Prozedur klare physiologische Veränderungen:
| Messgrösse | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| Ruhe-Kerntemperatur | — | −0,4 °C |
| Schweissproduktion | — | +≈200 ml/h |
| Frühere Aktivierung von Schwitzen und Hautdurchblutung | — | Ja |
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Körper lernt, die Kühlung früher hochzufahren: Schwitzen beginnt bei einem geringeren Anstieg der Kerntemperatur, und die Hautdurchblutung steigt früher an. Insgesamt sank die Ruhe-Kerntemperatur der älteren Teilnehmenden um rund 0,4 °C, und die Schweißleistung nahm um etwa 200 Milliliter pro Stunde zu.
Experteneinschätzung und Grenzen
„Ja, definitiv“, sagt Univ.-Prof. Daniel König, Leiter der Abteilung Ernährung, Bewegung und Gesundheit am Institut für Sportwissenschaft der Universität Wien.
Aus den Befunden lässt sich ableiten, dass gezielte, regelmässige Wärmereize — sei es durch Bewegung bei Wärme, Sauna oder heisse Bäder — die Hitzetoleranz verbessern können. Gleichzeitig mahnen die Forschenden zur Vorsicht: Die untersuchte Prozedur war streng überwacht und in einer kleinen, gesunden Stichprobe durchgeführt. Ob sich die Resultate auf Personen mit Vorerkrankungen oder auf extreme, ungesteuerte Eigenversuche übertragen lassen, ist nicht geklärt.
Die Studienautoren und Kommentatoren betonen, dass strukturierte und medizinisch begleitete Programme sinnvoll sein können, während unkontrollierte Hitzetrainings Risiken bergen. Gerade Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder anderen relevanten Vorerkrankungen sollten nicht eigenständig mit heissen Bädern oder exzessiver Hitzeexposition experimentieren.
Praktische Konsequenzen für die Schweiz
Für die Schweiz ergeben sich aus der Studie drei zentrale Schlussfolgerungen:
- Hitzeakklimatisation ist möglich: Innerhalb von Tagen bis Wochen lassen sich physiologische Anpassungen erzielen, die die Hitzetoleranz erhöhen.
- Vorsicht bei Selbstversuchen: Nicht alle Populationen profitieren gleich, und unsachgemässe Wärmeexposition kann schaden.
- Bewährte Schutzmassnahmen bleiben zentral: Schatten, Flüssigkeitszufuhr, kühlende Kleidung, Aktivitäten am Morgen oder Abend sowie bei Bedarf medizinische Betreuung sind weiterhin unerlässlich.
Gesundheitsbehörden und Praxen in der Schweiz sollten die Erkenntnisse prüfen, ohne etablierte Hitzeschutzempfehlungen zu ersetzen. In öffentlichen Gesundheitsstrategien könnten ergänzende Hinweise zur sicheren, dosierten Wärmeanpassung diskutiert werden — etwa als Angebot für jüngere, gesunde ältere Personen oder in betreuten Programmen für Risikogruppen.
Forschung braucht breitere Evidenz
Die vorliegende Studie ist ein wichtiger Hinweis, ersetzt jedoch nicht grössere, randomisierte Untersuchungen mit diverseren Populationen. Offene Fragen betreffen die Dauer des Effekts, die optimale Dosis der Wärmeexposition und die Sicherheit bei chronischen Erkrankungen. Bis solche Daten vorliegen, bleiben klassische Präventionsmassnahmen und individuelle Vorsicht massgebend.
Für die Bevölkerung gilt: Hitzeanpassung kann möglich und nützlich sein, doch sollten Training und Exposition gut geplant, überwacht und an den Gesundheitszustand angepasst werden. Gerade für vulnerable Gruppen bleibt das Vermeiden extremer Hitze und das Einhalten bewährter Schutzregeln die wirksamste Strategie.