In Berlin gelten nach Angaben des Senats 380 verbeamtete und angestellte Lehrpersonen als langfristig erkrankt. Unter diesen sind 23 Kolleginnen und Kollegen, die seit mindestens zehn Jahren abwesend sind. Die Zahlen stammen aus einer Antwort auf eine schriftliche Anfrage des BSW-Abgeordneten Alexander King und lösen erneut eine Debatte über die Qualität der Personalausstattung an Schulen aus.
Personalmangel, Vertretungspraxen und gesundheitliche Folgeeffekte
Die dargestellten Fälle zeigen, wie Stellen, die dauerhaft unbesetzt sind, häufig nicht adäquat ersetzt werden. Statt fester Nachbesetzung würden diese Posten «bestenfalls mit PKB-Kräften aufgefüllt», schreibt King. PKB steht für Personalkostenbudgetierung; über dieses Instrument können Schulen befristete Vertretungen finanzieren. Kritiker monieren, dass diese Lösung lückenhaft sei: Personal finde sich oft schwer, sei nicht immer passend qualifiziert und verliere rasch wieder die Stelle. Ergebnis sei eine Mehrbelastung der verbliebenen Lehrpersonen, die dadurch anfälliger für weitere Ausfälle würden.
«Die mangelhafte Personalausstattung an unseren Schulen erhöht die Belastung der vorhandenen Lehrkräfte und begünstigt weitere krankheitsbedingte Ausfälle», so King.
Der Abgeordnete spricht von einer sich selbst verstärkenden Dynamik: Fehlende personelle Reserven führten zu zusätzlicher Arbeit für das verbleibende Kollegium; die erhöhte Belastung wirke sich negativ auf die Gesundheit aus und könne damit neue Langzeiterkrankungen begünstigen.
Forderung nach Rückkehr zur vollen Ausstattung — oder mehr
King fordert eine Abkehr von der Praxis, eine Unterbesetzung als ausreichend zu betrachten. Er macht deutlich: Wenn Schulen zu 97 Prozent mit Lehrkräften ausgestattet sind, werde das in der Praxis oft als Vollversorgung angesehen. Zieht man dauerhaft erkrankte Lehrpersonen ab, liege die effektive Ausstattung häufig noch tiefer. Sein Fazit: Statt einer de facto 97-prozentigen Versorgung brauche es echte Reserven — er schlägt eine Zielmarke von 110 Prozent Lehrkräfteausstattung vor, um adäquate Vertretungsmöglichkeiten vorzuhalten.
- 380 Lehrkräfte gelten in Berlin als langzeiterkrankt.
- 23 davon sind seit mindestens zehn Jahren nicht dienstfähig.
- Gefordert wird eine personelle Ausrichtung, die über nominale Vollbesetzung hinausgeht (Vorschlag: 110 Prozent).
Konsequenzen für Unterrichtsqualität und Schulorganisation
Langfristige Ausfälle haben mehrere Effekte auf den Schulbetrieb: Unterrichtsausfall, Einsatz befristeter Vertretungen, Umverteilung zusätzlicher Aufgaben auf das Stammpersonal sowie organisatorische Mehraufwände für Schulleitungen. Solche Effekte stehen in direktem Zusammenhang mit der Erfahrung zahlreicher Schulsysteme: Fehlende Kontinuität im Unterricht kann Lernziele gefährden und erhöht den Druck auf Kollegien.
Aus Sicht der Personalplanung stellt sich die Frage, wie viel Puffer Schulen benötigen, um kurzfristige Ausfälle professionell zu kompensieren, ohne das Stammpersonal dauerhaft zu überlasten. Instrumente wie PKB können kurzfristig Lücken mildern, lösen aber die strukturelle Herausforderung nicht, wenn geeignete Bewerberinnen und Bewerber fehlen oder nur befristet zur Verfügung stehen.
| Indikator | Angabe |
|---|---|
| Langzeiterkrankte Lehrkräfte (gesamt) | 380 |
| Davon seit ≥10 Jahren | 23 |
| Beispiel genutzter Zielmarke | 97 % (kritisiert) / Vorschlag: 110 % |
Politisch stellt sich die Frage, welche Lehren aus der Situation gezogen werden: Braucht es eine grundsätzlich andere Personalpolitik mit festen Vertretungsstellen, eine stärkere Rekrutierungsoffensive oder bessere Gesundheits- und Präventionsangebote für Lehrpersonen? Ebenso offen bleibt, wie Schulen und Schulträger die Attraktivität von Vertretungsstellen erhöhen könnten, damit befristete Verträge nicht zur Dauerlösung werden.
Die Berliner Zahlen sind auch für die Schweiz von Interesse, weil sie aufzeigen, wie Personalengpässe und kurzfristige Kompensationsmechanismen langfristige Risiken für das System bergen können. Schulen benötigen Planungssicherheit und ausreichende personelle Polster, um Unterrichtskontinuität zu gewährleisten und die Gesundheit des Lehrkörpers zu schützen.