Eine internationale Analyse mit 204'907 Teilnehmenden zeigt, dass enge Freundschaften und soziale Beziehungen mit besserem psychischem und körperlichem Wohlbefinden einhergehen. Forschende der Kütahya Health Sciences University veröffentlichten die Ergebnisse im Fachjournal Journal of Mental Health. Die Daten stammen aus der ersten Phase der Global Flourishing Study (GFS), in der Personen aus 22 Ländern befragt wurden.
Ergebnisse der Studie
Die Auswertung legt nahe, dass Personen, die ihre Freundschaften und zwischenmenschlichen Beziehungen als zufriedenstellend einschätzen, zugleich häufiger von einer besseren psychischen und körperlichen Gesundheit berichten. Ein positiver Rückblick auf die Elternbeziehungen in der Kindheit korreliert zwar ebenfalls mit besserem Wohlbefinden, dieser Effekt fällt jedoch schwächer aus als der Zusammenhang mit aktuellen Freundschaften.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Stichprobe | 204'907 Personen |
| Anzahl Länder | 22 |
| Höchste Zufriedenheit mit Freundschaften | Indonesien |
| Niedrigste Zufriedenheit mit Freundschaften | Japan |
Methodische Hinweise
Die Teilnehmenden bewerteten selbst ihre Zufriedenheit mit Freundschaften, mit Beziehungen allgemein sowie ihre psychische und körperliche Gesundheit. In die Analysen wurden zusätzlich sozioökonomische Faktoren wie Einkommen und Bildungsstand einbezogen, um den Zusammenhang zwischen sozialen Beziehungen und Wohlbefinden robuster zu beurteilen.
Interpretation und Bedeutung
Die Forschenden betonen, dass frühkindliche Erfahrungen zwar relevant bleiben, ihre Wirkung aber nicht unveränderlich ist. Das soziale Umfeld eines Menschen verändere sich im Verlauf des Lebens fortwährend; Freundschaften, Partnerschaften und andere soziale Kontakte könnten demnach die Wirkung früherer Beziehungserfahrungen verstärken oder abschwächen. Damit rücken aktuelle soziale Beziehungen als potenziell wirkungsmächtiger Faktor für das Wohlbefinden in den Vordergrund.
- Aktuelle soziale Bindungen stehen in engem Zusammenhang mit besserem psychischem und körperlichem Wohlbefinden.
- Kindheitserfahrungen zu Eltern zeigen positive Assoziationen, jedoch in abgeschwächter Form.
- Der Zusammenhang bleibt, wenn sozioökonomische Merkmale wie Einkommen und Bildung berücksichtigt werden.
Für die Schweiz hat das Resultat praktische Relevanz: Gesundheitsfördernde Massnahmen, die soziale Vernetzung unterstützen — etwa Angebote der Gemeinde, Programme zur Integration älterer Menschen oder Initiativen gegen soziale Isolation — könnten das Bevölkerungsgesundheitsprofil verbessern. Die Studie liefert empirische Evidenz dafür, dass soziale Interventionen nicht nur dem seelischen, sondern auch dem körperlichen Gesundheitszustand dienen können.
Gleichzeitig mahnen die Autorinnen und Autoren zur Vorsicht bei der Interpretation kausaler Zusammenhänge. Selbstberichtete Daten bilden subjektive Wahrnehmungen ab; zudem lassen Querschnittsdaten nicht ohne Weiteres Rückschlüsse auf Richtungen von Ursache und Wirkung zu. Langfristige Längsschnittanalysen sind nötig, um besser zu verstehen, wie sich soziale Beziehungen über die Lebensspanne hinweg auf Gesundheit auswirken und welche Interventionen dauerhaft Nutzen bringen.
Die Global Flourishing Study liefert mit ihrer grossen, internationalen Stichprobe jedoch eine solide Grundlage für weitere Forschung und für politische Diskussionen darüber, wie soziale Beziehungen in Gesundheitsstrategien stärker berücksichtigt werden können.