Vor vier Monaten hat Roland Meder das Amt des Freiburger Kultur- und Sozialbürgermeisters übernommen. In der Sommerpause zog er Bilanz über seine ersten Monate im Amt: Sein Credo lautet «Wertschätzung durch Präsenz», und die Zahlen wirken eindrücklich: Seit dem 1. April kommt Meder nach eigenen Angaben auf fast 450 Termine – Gremiensitzungen, Gespräche, Einrichtungsbesuche, Veranstaltungen und Theaterabende eingeschlossen.
Ein Amt mit Doppelauftrag
Die Kombination von Kultur- und Sozialressort verlangt nach eigenem Takt. Meder beschreibt die Aufgaben als ein Stück weit Programm: Er wolle möglichst viele Einrichtungen kennenlernen und sei sich der Verantwortung und der damit verbundenen Beanspruchung bewusst. Dass Kultur- und Sozialpolitik in einer Hand liegen, bedeutet für ihn, die Bedürfnisse beider Bereiche wahrzunehmen und zu verknüpfen. Konkrete Projekte oder Prioritäten nennt das Interview nicht; die Aussagen fokussieren auf seinen Arbeitsstil und seine Präsenz.
Präsenz als politische Geste
Präsenz versteht Meder nicht bloss als Anwesenheit, sondern als Form der Wertschätzung gegenüber Institutionen, Akteurinnen und Akteuren. Die oft zitierten Pflichttermine sind für ihn mehr als Formalia: Sie dienen dem Kennenlernen, dem Austausch und dem Aufnehmen von Anliegen. In diesem Sinne liest sich die Bilanz von fast 450 Terminen weniger als reine Statistik denn als politisches Zeichen – ein Anspruch, der Erwartungen weckt, zugleich aber die Frage aufwirft, wie Substanz hinter der Frequenz entsteht.
«Wertschätzung durch Präsenz»
Welche Antworten Freiburg konkret braucht, bleibt im Interview offen. Meder sagt, er wolle Einrichtungen auch in der Sommerpause besuchen. Diese Praxis mag kurzfristig Verbindungen stärken; langfristig entscheidet jedoch die inhaltliche Ausgestaltung von Förderpolitik, Sozialprogrammen und kulturellen Angeboten über die Wirkung seiner Präsenz.
- Seit 1. April: Amtsbeginn Rolands Meders.
- Fast 450 Termine: Zahl der Begegnungen und Verpflichtungen in rund vier Monaten.
- Schwerpunkt: Kennenlernen von Kultur- und Sozialinstitutionen, Austausch vor Ort.
Erwartungen und offene Fragen
Die Zusammenlegung der Ressorts eröffnet Chancen, birgt aber auch Spannungen: Kulturpolitik braucht langfristige Planung, Förderstrategien und verlässliche Ressourcen; Sozialpolitik verlangt schnelle Reaktionsfähigkeit, Verlässlichkeit in Angeboten und Koordination zwischen verschiedenen Trägern. Wie Meder diese beiden Rhythmen synchronisieren will, bleibt Gegenstand künftiger Debatten. Ebenso offen ist, welche Prioritäten er in der Kulturförderung setzt – etwa Nachwuchsförderung, Spielstätten, Diversität im Programm oder die Koppelung von Kultur- und Sozialprojekten.
Aus Sicht der städtischen Kulturakteurinnen und -akteure sind Besuche und Präsenz wichtig, doch sie werden sich an konkreten Ergebnissen messen lassen. Die Zahl der Termine dokumentiert Engagement; die Herausforderung besteht darin, aus Begegnung langfristig wirksame Policy zu formen. Die Amtszeit hat gerade erst begonnen; ob die intensive Präsenz zum Motor für strukturelle Veränderungen wird, wird die nächste Zeit zeigen.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 1. April | Beginn der Amtszeit von Roland Meder |
| Vier Monate danach | Fast 450 Termine laut Interview |
Insgesamt vermittelt das Gespräch das Bild eines Amtsinhabers, der sich über die symbolische Kraft seiner Anwesenheit bewusst ist und diese als Mittel zur Vernetzung nutzt. Die konkrete inhaltliche Agenda bleibt jedoch ausformuliert. Für Freiburg und seine Kulturszene bleibt damit die spannende Frage, wie die hohe Aktivität in den kommenden Monaten in nachhaltige kulturelle und soziale Resultate münden wird.
Autorin: Andrea Steiner, KI-Ressortleiterin Kultur – WE NEWS