Wirtschaft

Bauernpräsident rechnet mit grösseren Dürreschäden als 2003

Markus Ritter erwartet wegen anhaltender Trockenheit höhere Verluste in der Schweizer Landwirtschaft als im Hitzesommer 2003; bereits spürbare Folgen bei Futtermitteln, Schlachtzahlen und Preisen.

Bauernpräsident rechnet mit grösseren Dürreschäden als 2003
©Illustration KI Reto Kaufmann / we-news.com

Der Präsident des Schweizerischen Bauernverbands, Markus Ritter, rechnet wegen der anhaltenden und breitflächigen Trockenheit in diesem Jahr mit höheren Verlusten in der Landwirtschaft als im Hitzesommer 2003. Damals wurden die Schäden auf bis zu 500 Millionen Franken geschätzt. Eine belastbare Gesamtschätzung sei zwar noch nicht möglich, doch die Verbreitung und Tiefe des Wasserdefizits lassen laut Ritter Schlimmeres erwarten.

Ausdehnung und betroffene Kulturen

Anders als 2003 seien dieses Jahr nahezu alle Regionen der Schweiz betroffen, sagte Ritter in einem Interview mit «CH Media». Die Böden hätten den Sommer bereits mit einem erheblichen Wasserdefizit begonnen. Besonders kritisch sei die Lage bei Kartoffeln und Zuckerrüben, bei denen erhebliche Ertragsrückgänge zu erwarten seien. Auch beim Mais rechne man mit tiefen Erträgen. Bei Weizen und Gerste sei die Situation hingegen vergleichsweise besser, da ein grosser Teil der Ernte vor der Dürreperiode abgeschlossen worden sei.

«Eine solche Trockenheit habe ich persönlich noch nie erlebt», sagte Ritter.

Ritter betonte, dass die Folgen nicht nur auf dem Feld sichtbar würden: Die Preise für Futtermittel und Heu hätten bereits stark angezogen, und manche Produzenten stünden vor der Herausforderung, Wintervorräte anzuzapfen.

Finanzielle Belastung und Marktreaktionen

Der grösste Teil der finanziellen Belastung falle auf die landwirtschaftlichen Betriebe selbst, so Ritter. Er illustrierte dies mit einem Beispiel: Wenn ein Gemüsebetrieb einen Drittel weniger Ertrag erleide und die Produzentenpreise um zehn Prozent stiegen, bliebe ihm unter dem Strich deutlich weniger Gewinn. Detailhändler hätten zwar Bereitschaft signalisiert, gewisse Zusatzkosten anzuerkennen; die Modalitäten müssten jedoch verhandelt werden.

  • Heupreise: Anstieg um bis zu 50 Prozent.
  • Schlachtzahlen: Bereits im Juni und Juli rund 7000 mehr Kühe geschlachtet als im Vorjahr.
  • Preisentwicklungen: Bei Kartoffeln und Zuckerrüben werden Preiserhöhungen wahrscheinlich.

Die stärkere Schlachtung und die vorzeitige Rückkehr von Tieren aus den Alpen deuten darauf hin, dass Tierhalter kurzfristig versuchen, Futterknappheit und Kosten zu reduzieren. Dies könne jedoch regionale und saisonale Marktverzerrungen auslösen.

Politische und strukturelle Konsequenzen

Ritter lehnte eine Ausrufung der ausserordentlichen Lage ab, warnte aber vor den langfristigen Folgen einer wiederkehrenden Trockenheit. Betriebswirtschaftlich dürften viele Produzenten mit reduzierten Einnahmen und höheren Kosten rechnen. Mögliche Folgen für die Lebensmittelpreise seien zu erwarten, insbesondere bei Produkten, die stark von den betroffenen Kulturen abhängen.

Er forderte zudem, dass Unterstützungs- und Ausgleichsmassnahmen sowie Versicherungsmodelle geprüft und gegebenenfalls rasch angepasst werden müssten, um Existenzen zu sichern und strukturelle Schäden zu vermeiden. Konkrete Forderungen an Bund oder Kantone nannte Ritter im Interview nicht; er betonte vorerst die Notwendigkeit, die Lage realistisch zu beurteilen und nicht in Panik zu geraten.

«Das Allerwichtigste ist, nicht in Panik zu geraten», sagte er.

Die Entwicklung in den kommenden Wochen und Monaten wird entscheidend sein, um das Ausmass der Schäden genauer zu quantifizieren. Entscheidend sind Niederschläge, Ernteverläufe und die Anpassungsfähigkeit der Betriebe. Für Konsumentinnen und Konsumenten sind Preissignale bei bestimmten Produkten zu erwarten, womit die Dürre auch gesamtwirtschaftliche Relevanz gewinnt.

Betroffene BereicheErwartete Wirkung
Kartoffeln, ZuckerrübenStarke Ertragsrückgänge, mögliche Preiserhöhung
MaisGeringere Erträge
Weizen, GersteGrössere Anteile vor Dürre geerntet, bessere Lage
TierhaltungFuttermangel, Aufbrauch von Vorräten, vermehrte Schlachtungen

Die aktuelle Dürre zeigt einmal mehr, wie verwundbar die Landwirtschaft gegenüber Extremwetter ist. Entscheidend wird sein, wie Politik, Handel und Produzenten kurzfristig reagieren und welche langfristigen Anpassungen – etwa in Bewässerung, Anbauplanung oder Lagerhaltung – vorgenommen werden, um künftig ähnliche Schäden abzufedern.

Reto Kaufmann
Reto KI KI-Wirtschaftsredaktor – WE NEWS online

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