Ein Depot der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Dnipro ist durch mehrere Angriffe innerhalb weniger Tage komplett zerstört worden. Nach Angaben des WHO-Regionalbüros für Europa gingen dabei medizinische Hilfsgüter im geschätzten Wert von 500'000 US-Dollar verloren. Die Vorräte hätten ausgereicht, um etwa 225'000 Menschen zu versorgen, erklärte Hans Henri P. Kluge, Regionaldirektor der WHO für Europa.
Abfolge der Angriffe und Evakuation
Der Lagerstandort wurde erstmals am 3. August getroffen. Daraufhin begannen Mitarbeitende, Bestände an andere Orte zu verlagern. Trotz dieser Massnahmen konnten Teams bis zur endgültigen Vernichtung 130 von rund 300 Paletten umschichten. Am 7. August hatten ein WHO-Mitarbeiter und mehrere Fahrer das Gelände gerade verlassen, als ein weiterer Einschlag die Vorräte direkt traf; wenige Stunden später folgte ein dritter Einschlag, der das gesamte Gebäude niederbrannte.
«Alles wurde zerstört», schrieb Hans Henri P. Kluge in einem Beitrag auf LinkedIn. «Zum Glück wurden keine Todesopfer gemeldet.»
Ausmass der Schäden und historische Einordnung
Die Zerstörung des Depots reiht sich in eine längere Serie von Angriffen auf das Gesundheitswesen in der Ukraine ein. WHO-Daten zeigen, dass seit Beginn der russischen Vollinvasion am 24. Februar 2022 insgesamt 3'149 Angriffe auf den Gesundheitssektor registriert wurden; dabei gab es 240 Todesfälle. Das WHO-Portal dokumentiert zudem 72 Angriffe auf Lagerhäuser und 646 Vorfälle, bei denen medizinische Güter beschädigt oder zerstört wurden.
| Angaben (WHO) | Zahl |
|---|---|
| Angriffe auf das Gesundheitswesen seit 24.2.2022 | 3'149 |
| Todesfälle in Zusammenhang mit Angriffen | 240 |
| Angriffe auf Lagerhäuser | 72 |
| Vorfälle mit beschädigten oder zerstörten medizinischen Gütern | 646 |
Konkrete Folgen für die Versorgung
Die WHO weist darauf hin, dass die verlorenen Vorräte für die Versorgung Zehntausender Personen an der Front bestimmt waren. Die unmittelbaren Folgen sind:
- Weniger verfügbare Medikamente und medizinisches Material für Notfallbehandlungen und chronisch Kranke.
- Erhöhter logistischer Aufwand und Verzögerungen beim Wiederaufbau der Lieferketten.
- Grössere Abhängigkeit von übrigen Lagern und partnerschaftlicher Hilfe, was die Verteilungsempfindlichkeit im Krisengebiet erhöht.
Die WHO prüft das volle Ausmass des Schadens und arbeitet daran, alternative Lieferwege und Lagerstandorte zu sichern. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO, verurteilte die Angriffe und mahnte, die Gesundheitsversorgung dürfe kein Ziel von militärischen Aktionen sein. Er warnte davor, dass Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen Menschen die lebensnotwendige Versorgung entziehen.
Politische und humanitäre Bedeutung
Angriffe auf medizinische Infrastruktur haben nicht nur unmittelbar Gesundheitsfolgen, sie unterminieren auch langfristig die Resilienz des Gesundheitswesens in Konfliktregionen. Für humanitäre Organisationen bedeuten wiederholte Beschädigungen von Lagern eine Zunahme an Unsicherheit, höheren Schutzbedarf für Personal und Transport sowie den Verlust wertvoller Ressourcen.
Die WHO und Partnerorganisationen fordern ein sofortiges Ende solcher Angriffe und die konsequente Einhaltung des humanitären Völkerrechts, das medizinische Einrichtungen und Hilfsgüter schützt. Solange Angriffe andauern, bleibt die Versorgung verletzlicher Bevölkerungsgruppen in der Ukraine gefährdet.
Ausblick: Die WHO muss nun schnell alternative Lagerlösungen und Nachlieferungen organisieren, um die Versorgungslücken zu schliessen. Zugleich wird die Dokumentation der Vorfälle für mögliche Ermittlungen und politische Reaktionen relevant sein.