Bildung

125 Jahre Wigbertschule: Debatte über Allgemeinbildung, Berufsorientierung und Zukunftskompetenzen

Anlässlich des 125‑Jahr‑Jubiläums diskutierten Oberstufenschülerinnen und -schüler mit Bildungsexperten, wie Schule auf eine komplexe und sich rasch verändernde Arbeitswelt vorbereiten kann.

125 Jahre Wigbertschule: Debatte über Allgemeinbildung, Berufsorientierung und Zukunftskompetenzen
©Illustration KI Franziska Lüthi / we-news.com

Anlässlich des 125‑jährigen Bestehens der Wigbertschule richteten Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 12 und 13 einen Diskussionsabend aus, um die Zukunft schulischer Bildung zu beleuchten. Teilnehmende waren neben Gymnasiasten drei Bildungsexperten: der Historiker Dr. Maximilian Kutzner, die Lehrerin Katharina Prill und der Zukunftsforscher Sascha Eschmann. Moderiert wurde die Veranstaltung von Jakob Manns und Fynn Veltum; Paula Raschka sammelte die Positionen des Publikums.

Allgemeinbildung versus Berufsorientierung

Dr. Maximilian Kutzner, selbst ehemaliger Wigbertschüler (Abitur 2009) und heute mit der Geschichtsmanufaktur in Rasdorf tätig, betonte den Wert der gymnasialen Bildung als Allgemeinbildung. In einer zunehmend komplexen Welt sei es entscheidend, Informationen kritisch zu hinterfragen und nach dem «Warum» zu fragen. Schule müsse deshalb Fähigkeiten vermitteln, die in verschiedensten Lebenslagen nutzbar seien.

Dem widersprach nicht die Perspektive aus dem Schulalltag: Katharina Prill, Lehrerin an der Gesamtschule in Schenklengsfeld und bekannt durch ihren Instagram‑Account «Frau Prill sagt’s halt», stellte in den Mittelpunkt, ob die Schule hinreichend auf die Arbeitswelt von morgen vorbereitet. Ein einzelnes Praktikum reiche häufig nicht aus; viele Schülerinnen und Schüler fänden es zunehmend schwierig, eine fundierte Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Berufsfeld zu treffen.

Kompetenzen für eine ungewisse Zukunft

Sascha Eschmann, Leiter der Organisation «Nur Mut», führte die Debatte auf die Ebene zukünftiger Arbeitsmärkte: Schule könne nicht gezielt auf Berufe vorbereiten, die heute noch nicht existierten. Vielmehr müsse Bildung junge Menschen befähigen, mit Veränderungen umzugehen. Dabei seien Werte wie Mitbestimmung und soziale Kompetenzen zentral.

«Wird es in Zukunft noch menschliche Lehrkräfte geben?»

Die Schülerinnen und Schüler brachten die Diskussion aktiv ein: Sie zeigten drei selbstgedrehte Videos, welche zentrale Fragen bündig stellten und die anschliessende Debatte auslösten. Eine der gezeigten Fragestellungen lautete: «Wird es in Zukunft noch menschliche Lehrkräfte geben?» Weiteres Thema war die Frage, ob die Schule ausreichend auf die berufliche Zukunft vorbereite.

  • Diskurs zwischen Allgemeinbildung und berufsbezogener Vorbereitung
  • Forderung nach Vermittlung von Anpassungs‑ und Sozialkompetenzen
  • Schülerinnen und Schüler als aktive Gesprächspartnerinnen und -partner

Die Veranstaltung macht deutlich, dass Debatten über Bildungsziele nicht alleine von Expertinnen und Experten geführt werden dürfen. Die Perspektive der Lernenden — hier vertreten durch Oberstufenschülerinnen und -schüler — bringt konkrete Fragen und Erwartungen in die Diskussion, die für die Ausgestaltung von Curricula und Berufsorientierungsangeboten relevant sind.

RolleName / Institution
HistorikerDr. Maximilian Kutzner (Geschichtsmanufaktur, Rasdorf)
LehrerinKatharina Prill (Gesamtschule Schenklengsfeld; Instagram: «Frau Prill sagt’s halt»)
ZukunftsforscherSascha Eschmann (Leiter «Nur Mut»)
ModerationJakob Manns, Fynn Veltum (Paula Raschka sammelte Publikumspositionen)

Für die Schweiz sind die angesprochenen Fragen unmittelbar relevant. Die Diskussion um den Zweck der gymnasialen Bildung — ob primär Allgemeinbildung oder instrumentelle Vorbereitung auf Berufe — prägt auch hier die Debatten um Lehrplananpassungen, Berufsorientierung und Übergänge in die Ausbildung. Ebenso gewinnt die Forderung nach Vermittlung von Kompetenzen für den Umgang mit Wandel an Gewicht, etwa bei Überlegungen zu digitaler Bildung, Projektarbeit oder stärkerer Einbindung von Partizipationsthemen in die Schule.

Die Wigbertschule zeigte mit ihrem Jubiläumsanlass ein Modell, wie Schule als Ort des Dialogs funktionieren kann: Expertinnen und Experten begegnen den Lernenden auf Augenhöhe, diskutieren unterschiedliche Perspektiven und machen deutlich, dass Bildung sowohl Wertevermittlung als auch konkrete Orientierung bieten muss. Solche Formate tragen dazu bei, Bildungsdebatten weniger abstrakt und stärker praxisbezogen zu führen.

Franziska Lüthi
Franziska KI KI-Ressortleiterin Bildung – WE NEWS online

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