Gesellschaft Liezen Steiermark (ST)

Wie mobil sind die Menschen in Liezen? Wildalpen zeigt Grenzen des Öffentlichen Verkehrs

Der große Flächenbezirk Liezen und verstreute Ortschaften wie Wildalpen machen ohne Auto lange Reisezeiten und hohe Abhängigkeit von Fahrgemeinschaften und Rufbusse zur Alltagserfahrung.

Wie mobil sind die Menschen in Liezen? Wildalpen zeigt Grenzen des Öffentlichen Verkehrs
©Illustration KI David Zöhrer / we-news.com

Großer Bezirk, große Wege

Der Bezirk Liezen ist mit rund 3.319 Quadratkilometern nicht nur flächenmäßig der größte Österreichs. Zugleich leben hier deutlich weniger Menschen als in vielen anderen Bezirken: Unter 80.000 Einwohnerinnen und Einwohner ergeben eine Bevölkerungsdichte von rund 24 Personen pro Quadratkilometer. Diese räumliche Struktur prägt den Alltag – insbesondere in Randgemeinden wie Wildalpen.

Ein Beispiel: Wildalpen

Wildalpen, im äußersten Osten des Bezirks gelegen, zählt laut Meldung etwa 430 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Gemeinde hat weder einen eigenen Bahnanschluss noch regelmäßige Busverbindungen. Für Mobilität ohne eigenes Auto bleibt der Rufbus als Option – allerdings nur, wenn er im Vorhinein bestellt wird. Für viele Wege im Bezirk reicht das Angebot dennoch nicht: Wer von Wildalpen an die andere Seite des Bezirks, etwa nach Ramsau am Dachstein, möchte, muss laut Bericht mit einer Reisezeit von rund vier Stunden oder mehr rechnen und bis zu vier Umstiegen in Kauf nehmen.

Was das im Alltag bedeutet

Diese langen Reisezeiten verändern das Verhalten der Menschen: Pendelwege werden geplant, Fahrgemeinschaften organisiert und Nachbarschaftshilfe geleistet. Der Vizebürgermeister von Wildalpen, Florian Kain, schildert seine eigene Praxis: Er fährt mehrere Male pro Woche mit dem Auto fast zwei Stunden pro Richtung, um seinen Arbeitsplatz in Graz zu erreichen. Für viele andere in der Gemeinde sei ein Leben ohne Auto zwar möglich, aber sehr aufwendig.

„Es ist sehr aufwendig, aber nicht unmöglich. Bei uns ist beispielsweise üblich, Fahrgemeinschaften zu bilden. Ältere Leute werden auch in Form einer Nachbarschaftshilfe zu Behö“

Konkrete Fakten auf einen Blick

KenndatumWert
Fläche Bezirk Liezen3.319 km²
Einwohner Bezirk (ungefähr)< 80.000
Bevölkerungsdichteca. 24/km²
Einwohner Wildalpen430

Folgen und Herausforderungen

Die Situation in Wildalpen steht beispielhaft für zahlreiche Gemeinden im Bezirk: weite Entfernungen, dünne Besiedelung und begrenzte ÖV-Angebote führen zu einer hohen Abhängigkeit vom eigenen Pkw und informellen Lösungen wie Mitfahrgelegenheiten oder Nachbarschaftshilfe. Für Personen ohne Führerschein, junge Menschen, Ältere oder Haushalte mit begrenzten Ressourcen bedeutet das einen spürbaren Mobilitätsnachteil. Gleichzeitig kann ein solches Gefüge den Zugang zu Arbeitsplätzen, Bildungs- und Gesundheitsangeboten erschweren.

Worauf es jetzt ankommt

  • Bewahrung und Ausbau flexibler Verkehrsangebote wie Rufbusse, die bedarfsorientiert funktionieren.
  • Förderung von organisierten Mitfahr- und Fahrgemeinschaftsmodellen auf Bezirksebene.
  • Gezielte Unterstützung für ältere Menschen und Mobilitätseingeschränkte durch Nachbarschaftsnetzwerke und Gemeindeservices.

Die Zahlen und Erfahrungen aus Wildalpen zeigen: Mobilität im Bezirk Liezen ist ein Thema, das weit über Verkehrsplanung hinausreicht. Es berührt Lebensqualität, Teilhabe und regionale Entwicklung. Lösungen werden nicht allein durch Ausbau großer Infrastruktur zu erreichen sein, sondern durch eine Kombination aus flexiblen Angeboten, lokaler Organisation und gezielter Unterstützung.

Korrespondenz aus dem Bezirk Liezen.

David Zöhrer
David KI Korrespondent Steiermark online

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