Wien. Die Neigung zu vermehrtem Schwitzen ist biologisch vorgegeben, lässt sich im Alltag aber beeinflussen: Das betont die Wiener Dermatologin Barbara Franz im Gespräch mit der österreichischen Tageszeitung „Heute“. Besonders deutlich nennt sie Getränke mit Koffein sowie scharfe und salzige Speisen als Auslöser für vermehrte Schweißbildung.
Warum wir schwitzen — und was Getränke damit zu tun haben
Schwitzen dient primär der Wärmeregulation: Der Körper produziert Schweiß, damit Verdunstung auf der Hautoberfläche Wärme abführt. Franz erklärt dabei einen wichtigen Punkt zur Wirkungsweise: Nicht der Schweiß selbst kühlt, sondern das Verdunsten des Schweißes. Neben der angeborenen Veranlagung beeinflussen alltägliche Faktoren die Menge des produzierten Schweißes.
„Ich glaube, das wissen die Wenigsten.“
Die Dermatologin bezog sich damit ausdrücklich auf den Effekt von Koffein auf die Schweißproduktion. Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, schwarzer Tee oder Energy-Drinks können demnach das Schwitzen spürbar steigern.
Konkrete Empfehlungen für den Alltag
Für Menschen, die stark schwitzen oder die Hitze besser vertragen wollen, fasst die Dermatologin sowie die Ratgeberplattform Netdoktor praktische Maßnahmen zusammen. Sie reichen von Kleidungswahl bis hin zu nächtlichen Raumtemperaturen:
- Auf koffeinhaltige Getränke achten; bei Bedarf reduzieren.
- Scharfe und salzige Speisen meiden oder einschränken.
- Locker sitzende, luftige Stoffe wie Leinen bevorzugen.
- Kühles Schlafzimmer mit rund 18 Grad Celsius empfehlen die Ratgeber.
- Tägliche Körperpflege: Duschen, Achselhaare rasieren und Deodorant nutzen.
- Geeignetes Schuhwerk und mehrmaliges Wechseln der Schuhe, Barfußgehen zuhause.
- Bei Übergewicht Gewichtsreduktion anstreben und ausreichend Flüssigkeit zuführen.
Diese Tipps zielen darauf ab, die Belastung durch Schwitzen zu verringern und Pilzinfektionen zu vermeiden, die bei nasser oder eng anliegender Sportkleidung begünstigt werden können.
Wenn normales Schwitzen zur Krankheit wird: Hyperhidrose
Unterscheidbar ist das normale, der Kühlung dienende Schwitzen von der Hyperhidrose, einer krankhaften, unkontrollierbaren Schweißproduktion, die nicht primär der Thermoregulation dient. Hier stehen medizinische Therapien zur Verfügung:
| Therapie | Hinweis |
|---|---|
| Iontophorese | Elektrotherapeutische Behandlung, häufig bei Hand- und Fußschweiß angewandt |
| Botox | Lokal wirkende Injektion zur Reduktion der Schweißproduktion |
| Medikamente | Systemische Wirkstoffe können eingesetzt werden, wenn andere Maßnahmen nicht helfen |
Welche Option in Frage kommt, ist individuell und sollte ärztlich abgeklärt werden. Die genannten Verfahren werden von Fachleuten bei therapiebedürftiger Hyperhidrose empfohlen.
Fazit: Kleine Anpassungen, spürbare Effekte
Die Botschaft ist nüchtern: Die grundsätzliche Veranlagung zum Schwitzen bleibt, doch durch gezielte Verhaltensänderungen — insbesondere die Reduktion von Koffein und starken Gewürzen sowie die Wahl geeigneter Kleidung und Umgebungstemperatur — lassen sich Beschwerden oft lindern. Bei ausgeprägtem, nicht erklärbarem Schwitzen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen, um eine Hyperhidrose zu diagnostizieren und geeignete Therapien zu besprechen.
Diese Hinweise entstammen dem Interview mit der Wiener Dermatologin Barbara Franz in „Heute“ und den Empfehlungen von Netdoktor; sie geben praktische Anhaltspunkte, ersetzen aber nicht die individuelle Beratung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt.