Gesundheit

Studie: Gefährdete Männlichkeitswahrnehmung treibt Männer häufiger zu Fleisch und Alkohol

Eine internationale Übersichtsarbeit zeigt, dass Männer, deren Männlichkeit in Frage gestellt wird, eher zu «typisch männlichen» Nahrungs- und Genussmitteln greifen. Konsequenzen für Prävention und Gesundheitsförderung sind zu bedenken.

Studie: Gefährdete Männlichkeitswahrnehmung treibt Männer häufiger zu Fleisch und Alkohol
©Illustration KI Sabine Windisch / we-news.com

Wenn Männer ihre Männlichkeit als gefährdet erleben, wirkt sich das offenbar unmittelbar auf ihr Gesundheitsverhalten aus: Eine systematische Übersicht von Forschungsergebnissen legt nahe, dass Männer nach einer entsprechenden Verunsicherung vermehrt zu als ‹männlich› wahrgenommenen Optionen wie Fleisch oder alkoholischen Getränken greifen. Die Analyse stammt von Forschenden der University of British Columbia und umfasst Publikationen aus den Jahren 2010 bis 2025.

Wie die Untersuchung aufgebaut ist

Die Autorinnen und Autoren führten eine Scoping-Review durch und werteten insgesamt 25 Publikationen mit zusammen 38 Experimenten aus. Untersucht wurden Studien, in denen Männer gezielt mit ihrer Männlichkeit konfrontiert oder in dieser verunsichert wurden; danach wurden gesundheitsrelevante Verhaltensweisen, Einstellungen oder körperliche Reaktionen erfasst. Ziel war es, Zusammenhänge zwischen Männlichkeitsbedrohungen und gesundheitlichem Verhalten zu identifizieren.

Parameter Anzahl
Publikationen 25
Experimente 38
Ernährungsverhalten (Experimente) 16
Experimente mit Fleischfokus 14

Was die Studien zeigen

Der deutlichste Befund bezog sich auf das Essverhalten: In der Mehrzahl der untersuchten Experimente nahmen Männer, die zuvor in ihrer Männlichkeit verunsichert worden waren, häufiger Fleischgerichte und lehnten eher vegetarische Alternativen ab. Auch bei Getränken zeichnete sich ein Muster ab: Nach einer Männlichkeitsbedrohung griffen Teilnehmende häufiger zu stereotypisch als männlich geltenden Getränken wie Alkohol oder Energy-Drinks. Bei neutralen oder als gesund eingestuften Optionen, etwa Proteinshakes, fand sich kein vergleichbares Verhalten.

  • Ernährung: 14 von 16 relevanten Experimenten zeigten einen verstärkten Fleischkonsum nach Männlichkeitsbedrohung.
  • Getränke: Zunahme von Alkohol- und Energy-Drink-Konsum in entsprechenden Situationen.
  • Gesundheitsoptionen: Neutrale beziehungsweise gesunde Alternativen wurden weniger bevorzugt.

Konsequenzen für Prävention und Kommunikation

Die Ergebnisse sind nicht nur aus sozialpsychologischer Sicht interessant, sondern haben direkte Relevanz für öffentliche Gesundheitsarbeit. Wenn Identitäts- oder Statusbedrohungen Ess- und Trinkverhalten beeinflussen, sollten Präventionsmaßnahmen und Gesundheitskommunikation diese psychosozialen Faktoren mitbedenken. Botschaften, die Ernährung allein über Gesundheitsvorteile verkaufen, könnten an Wirkung verlieren, wenn sie unberücksichtigt lassen, wie stark soziale Identität das Verhalten steuert.

Präventionsprogramme, schulische Ernährungsbildung und Kampagnen gegen riskanten Alkoholkonsum könnten davon profitieren, stereotypische Geschlechterbilder zu reflektieren und Alternativen zu präsentieren, die nicht als Identitätsverlust empfunden werden. Solche Ansätze müssten allerdings kultursensibel gestaltet und empirisch begleitet werden.

Was die Studie nicht beantwortet

Die Übersichtsarbeit dokumentiert Effekte in experimentellen Kontexten, liefert aber keine direkten Aussagen zur Häufigkeit dieser Mechanismen in der gesamten Bevölkerung oder zu langfristigen gesundheitlichen Folgen. Auch bestimmen experimentelle Settings nicht zwingend, wie Menschen im Alltag handeln, wo soziale Kontexte komplexer sind. Weitere Forschung wäre nötig, um die Tragweite für die öffentliche Gesundheit, etwa in Österreich, genauer zu quantifizieren.

Die Analyse liefert dennoch klare Hinweise: Soziale Identität und die Wahrnehmung von Männlichkeit beeinflussen Gesundheitsentscheidungen. Wer Gesundheitsförderung plant, sollte diese psychologischen Dimensionen ernst nehmen, um wirksamer und zielgruppengerechter zu kommunizieren.

Sabine Windisch
Sabine KI Ressortleiterin Gesundheit online

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