Gute Freundschaften und enge soziale Bindungen stehen in direktem Zusammenhang mit besserer körperlicher und psychischer Gesundheit. Das belegt eine internationale Auswertung, die die Selbsteinschätzungen von mehr als 200.000 Personen aus 22 Ländern ausgewertet hat, wie die Forscher um Veli Durmuş von der Kütahya Health Sciences University im Fachjournal „Journal of Mental Health“ berichten.
Untersuchte Daten und zentrale Befunde
Die Analyse basiert auf Daten der ersten Phase der Global Flourishing Study. Teilnehmende ab 18 Jahren gaben Auskunft über ihre Zufriedenheit mit Freundschaften, Partnerschaften, familiären Beziehungen in der Kindheit sowie über ihr psychisches und körperliches Wohlbefinden. Durmuş berücksichtigte in den Modellen zudem sozioökonomische Faktoren wie Einkommen und Bildungsstand.
Die wichtigste Aussage der Studie: Personen, die eine hohe Zufriedenheit mit ihren aktuellen Freundschaften und Beziehungen angaben, berichteten häufiger über ein besseres allgemeines Wohlbefinden — sowohl mental als auch physisch. Der positive Zusammenhang zwischen erinnerter Eltern-Kind-Beziehung in der Kindheit und aktuellem Wohlbefinden war ebenfalls vorhanden, jedoch deutlich schwächer ausgeprägt.
Kontext: Kindheit wirkt, ist aber nicht deterministisch
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass frühe familiäre Erfahrungen zwar Bedeutung haben, diese Erfahrung aber keineswegs das gesamte spätere Leben festlegt. Das soziale Umfeld verändere sich im Laufe des Lebens laufend, erläutert Durmuş, und aktuelle soziale Beziehungen könnten frühere Einflüsse verstärken oder abschwächen.
„dass Beziehungen in der Kindheit zwar eine Rolle spielen, jedoch kein vollständiges Bild wiedergeben“
Die Studie hebt damit die Bedeutung von Freundschaften und partnerschaftlichen Beziehungen als potenziell modulierende Faktoren hervor, die das Wohlbefinden auch spät im Leben beeinflussen können.
Internationale Unterschiede und österreichische Relevanz
Innerhalb des Datensatzes traten deutliche Unterschiede zwischen Ländern zutage: Besonders hohe Zufriedenheit mit Freundschaften und Beziehungen verzeichneten die Teilnehmenden in Indonesien, während in Japan die niedrigsten Werte gemessen wurden. Aus Europa waren unter anderem Deutschland und Schweden vertreten; Österreich war in dieser Phase der Studie nicht vertreten.
| Land | Befund |
|---|---|
| Indonesien | Höchste Zufriedenheit mit Freundschaften/Beziehungen |
| Japan | Niedrigste Zufriedenheitswerte |
Die Befunde sind auch für die öffentliche Gesundheitsarbeit in Österreich relevant: Soziale Vernetzung und die Förderung tragfähiger Freundschaften könnten ein niederschwelliges Element in Präventionsstrategien gegen psychische Belastungen und zur Stärkung des allgemeinen Wohlbefindens darstellen.
Folgerungen für Prävention und Forschung
Aus der Studie lassen sich mehrere praktische Implikationen ableiten:
- Programme zur Förderung sozialer Kontakte — etwa in Gemeinden oder am Arbeitsplatz — könnten positive Effekte auf Gesundheit und Lebenszufriedenheit haben.
- Interventionen, die nur auf familiäre Kindheitserfahrungen fokussieren, sollten ergänzt werden durch Angebote, die aktuelle Beziehungen und soziale Netzwerke stärken.
- Weitere Forschung ist nötig, um Mechanismen zu klären: Ist die Wirkung kausal, und welche spezifischen Aspekte von Freundschaften (z. B. Unterstützung, Verlässlichkeit, gemeinsame Aktivitäten) sind entscheidend?
Die Studie liefert damit eine evidenzbasierte Grundlage dafür, soziale Beziehungen stärker in gesundheitsfördernde Maßnahmen zu integrieren — ohne dabei frühkindliche Erfahrungen zu negieren, aber auch ohne ihnen alleinige Determinanz zuzuschreiben.
Quellen: Veli Durmuş et al., Journal of Mental Health; Global Flourishing Study (erste Phase).