Spanien fordert die Einrichtung eines speziellen europäischen Fonds zur Anpassung an den Klimawandel und verlangt dafür eine eigene Haushaltslinie auf EU‑Ebene. In einem Diskussionspapier, das Euractiv vorliegt, plädiert die spanische Regierung dafür, die Klimaresilienz systematisch in die Finanzarchitektur der EU zu integrieren und neue, dauerhaft wirksame Einnahmequellen zu schaffen.
Konkrete Finanzierungsoptionen
Madrid schlägt vor, den geplanten Fonds teilweise über neuartige fiskalische Instrumente zu finanzieren. Als Beispiele nennt das Papier:
- eine Abgabe auf Gewinne im Öl‑ und Gassektor als mögliche neue eigene Einnahmequelle der EU;
- klimabezogene Abgaben, konkret genannt wird etwa ein Beitrag im Bereich Premium‑Luftverkehr;
- weitere innovative Mechanismen, die den Instrumentenkasten des nächsten mehrjährigen Finanzrahmens ergänzen sollen.
„Die Klimaresilienz muss in die Finanzarchitektur der EU eingebettet werden“,
heisst es in dem Papier, das als Beitrag zu den bevorstehenden Diskussionen über einen integrierten Rahmen für Klimaresilienz dient. Die Europäische Kommission will einen solchen Rahmen gegen Ende des Jahres vorlegen.
Politischer Fahrplan und Debatte in Brüssel
Die Initiative Spaniens fällt in eine Zeit intensiver Debatten über die Ausgestaltung des nächsten EU‑Haushalts. Die Verhandlungen über den geplanten Haushalt für den Zeitraum 2028–2034 dauern an; in dem genannten Kontext spricht die Quelle von einem Betrag in Höhe von 2 Milliarden Euro, der Gegenstand der Verhandlungen ist.
Außerdem stand die Verschärfung der Klimakrise jüngst auf der Tagesordnung eines Treffens der EU‑Kommissare am Stadtrand von Brüssel. Präsidentin Ursula von der Leyen hatte den Klimaforscher Johann Rockström eingeladen, Leiter des Potsdam‑Instituts für Klimafolgenforschung, um wissenschaftliche Perspektiven einzubringen. Auf der Agenda des Kollegiums stand auch die Vorbereitung der Rede zur Lage der Union, die von der Leyen am 16. September halten will.
Folgen und offene Fragen für Österreich
Für Österreich stellen sich mehrere praktische und politische Fragen: Wie lässt sich ein neuer EU‑Fonds mit bestehenden Instrumenten des mehrjährigen Finanzrahmens verzahnen? Welche Folgen hätte eine europäische Abgabe auf Öl‑ und Gasgewinne für Energieunternehmen mit Sitz in der EU und welche Rückwirkungen auf nationale Haushalte wären zu erwarten? Wie werden Mittel zielgerichtet an vulnerable Regionen und Sektoren verteilt, die besonders von Extremwetter betroffen sind?
Die spanische Initiative betont, dass neue Erfordernisse auch neue Mittel erforderten. Ob sich Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament auf eine Einkommensquelle einigen können, ist offen; bislang wurden nur Vorschläge und mögliche Hebel skizziert, konkrete Rechtsakte oder Tarifhöhen fehlen.
| Vorgeschlagene Einnahmequelle | Beispiel im Papier |
|---|---|
| Abgabe auf Gewinne | Gewinne im Öl‑ und Gassektor |
| Klimabezogene Abgaben | Premium‑Luftverkehr |
Eine Eigenfinanzierung der EU durch neue Einnahmequellen würde die Budgetdebatten in der nächsten Legislaturperiode prägen und könnte die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen gegenüber der bisherigen Struktur deutlich verändern. Für Entscheidungsträger in Wien bedeutet das: frühzeitige Prüfungen von Wirkungen auf nationale Unternehmen und Haushalte sowie die Vorbereitung auf mögliche Umverteilungsmechanismen innerhalb der Union.
Die spanische Forderung trägt die Debatte vom Politikfeld Klimaanpassung in die Finanzpolitik der EU und verlangt sowohl fiskalische Kreativität als auch politische Kompromissbereitschaft. Konkrete Entscheidungen sind jedoch erst im Zuge der Beratungen zur künftigen Finanzarchitektur zu erwarten.