Vier Hochschulen aus Österreich und Italien haben am Mittwoch in Rotholz den offiziellen Startschuss für das neue, interdisziplinäre Doktoratsprogramm OHASIS gegeben. Das Projekt bündelt Expertise aus Veterinärmedizin, Medizin und Agrarwissenschaften, um Fragestellungen rund um One Health im alpinen Raum zu bearbeiten. Die ersten neun PhD-Stellen sollen im November beginnen, Teile der Lehre und Forschung werden am Campus Rotholz stattfinden.
Programm und thematische Schwerpunkte
OHASIS steht für „One Health for the Alpine Region: Solutions and Innovation in Science“ und verknüpft fachliche Schwerpunkte, die in bergigen Regionen besondere Relevanz haben. Die beteiligten Forschungsfelder umfassen unter anderem:
- Zoonosen und die Dynamik von Infektionskrankheiten
- Antibiotika- und Pilzresistenzen
- Lebensmittelmikrobiomik
- Bergagronomie und Agrarökologie
- Öffentliches Veterinärwesen
Die Trägerschaft liegt bei der Veterinärmedizinischen Universität Wien zusammen mit der Medizinischen Universität Innsbruck, der Freien Universität Bozen und der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Wissenschaftsministerin Eva‑Maria Holzleitner (SPÖ) hat die Schirmherrschaft übernommen und war beim offiziellen Auftakt anwesend.
Standort Rotholz und Ausbaupläne
Der Campus Rotholz, ein Teil der Gemeinde Strass im Zillertal, soll künftig eine zentrale Rolle spielen. Die Initiatoren planen, das PhD-Programm schrittweise nach Rotholz zu verlegen; langfristig ist dort bis 2030 ein Kompetenz- und Innovationszentrum für One Health (KIZ Alpin) vorgesehen. Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) hat in einer Machbarkeitsprüfung dem Standort „hohes Potenzial“ attestiert und auf bestehende Infrastruktur verwiesen.
Am Campus sind bereits mehrere landwirtschaftliche Ausbildungsstätten angesiedelt, darunter die Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft und Ernährung sowie die Landwirtschaftliche Landeslehranstalt Rotholz. Die gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz — Westbahnstrecke, Zillertalbahn und zwei Buslinien — sowie die Nähe zur Inntalautobahn wurden als Vorteile für die weitere Entwicklung hervorgehoben.
„Kooperation statt Kirchturmdenken ist für mich mehr als ein Motto. Das ist die Haltung, mit der wir Wissenschaftspolitik machen.“
Bedeutung für Forschung und Praxis
Das Programm zielt darauf ab, interdisziplinäre Lösungen für drängende Probleme zu entwickeln, die Mensch, Tier und Umwelt verbinden. Besonders in alpinen Regionen prägen spezifische Produktionssysteme, ökologische Bedingungen und touristische Nutzung das Infektions- und Resistenzgeschehen. Die Kombination von Veterinärmedizin, Humanmedizin und Agrarwissenschaften soll Forschungsergebnisse rascher in Praxisfelder wie Lebensmittelproduktion, Tiergesundheit und regionale Vorsorge übersetzen.
Für die Vetmeduni bedeutet die Kooperation zugleich einen Schritt zur Konsolidierung ihrer Standorte: Es wurde angekündigt, an einer Übersiedelung der bestehenden Außenstelle in Innsbruck an den Campus Rotholz zu arbeiten. Die Verlagerung von Forschungskapazitäten könnte die regionale Forschungskraft stärken und junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler längerfristig an den Standort binden.
Die ersten neun PhD‑Stellen, die im November starten, sind ein pragmatischer erster Schritt, um personelle Kapazitäten aufzubauen und gemeinsame Curricula sowie Forschungsprojekte zu etablieren. Ob und wie schnell das geplante KIZ Alpin bis 2030 realisiert wird, hängt demnach von weiteren politischen Entscheidungen, Finanzmitteln und der praktischen Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen aus der Machbarkeitsprüfung ab.