Sinzig. Pastor Frank Werner ist der neue König der Sinziger Sankt Josef-Gesellschaft. Beim Königsschießen der Jusseps Jonge entfernte er am Sonntag um 19:19 Uhr die letzten Reste des Königsvogels von der Stange, nachdem insgesamt 77 Schuss zur Ermittlung der neuen Majestät abgegeben worden waren.
Festzug, Feuerwehr und ein Abschied
Der Tag für die Mitglieder des ältesten Sinziger Vereins begann bereits um 13 Uhr: In einem Festzug, musikalisch begleitet vom Spielmannszug „Freiweg“ und abgesichert durch die Sinziger Feuerwehr, wurde der scheidende König Jochen Moll zusammen mit Königin Elfriede Böhm am Gerätehaus der Feuerwehr abgeholt. Der Zug führte durch die Stadt; Moll konnte so noch einmal die letzten Stunden als König genießen. Nach einem Totengedenken am Friedhof endete der Zug am Schützenplatz der St. Sebastianus Schützenbruderschaft, dem traditionellen Austragungsort für das Königsschießen der Jusseps Jonge.
Krönung und Ausblick
Vorsitzender Helmut Werner verabschiedete den scheidenden König und krönte im frühen Abend den neuen König Frank Werner mit Königin Astrid Pfennig. Die offizielle Vorstellung des Königspaares ist für Samstag, den 15. August, beim Festzug der Vereine geplant; anschließend folgen Fassanstich sowie der Königs- und Kirmeseröffnungsball im Vereinsheim der Sankt Josef-Gesellschaft.
- Iris Krahforst gewann das Damenpreisschießen und ist das neue „Josefinchen“ der Jusseps Jonge.
- Das Königsschießen der Jusseps Jonge markiert den Auftakt zur Sinziger Kirmes.
- Die Kirmes ist eng mit dem Gedenktag Maria Himmelfahrt am 15. August verknüpft.
Historischer Hintergrund
Die Sinziger Kirmes wird nach Angaben der Vereine vermutlich seit 1241 gefeiert, als die Kirche Sankt Peter am 15. August geweiht wurde. Die Jusseps Jonge, die als kirchliche Schutzorganisation gelten, wurden im Jahr 1300 gegründet; der Beginn des Baus der Stadtmauer fällt in dieselbe Zeit. Seit Jahrzehnten finden die Jusseps Jonge für ihr Königsschießen Unterkunft bei den St. Sebastianus-Schützen, die ihren Ursprung auf das Jahr 1301 zurückführen. Letztere könnten in diesem Jahr damit auf ein mögliches 725-jähriges Bestehen verweisen.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1241 | Weihe der Kirche Sankt Peter (Maria Himmelfahrt) – Ursprung der Kirmestraditionen |
| 1300 | Gründung der Jusseps Jonge als kirchliche Schutzorganisation |
| 1301 | Gründung der St. Sebastianus-Schützen – langjähriger Austragungsort des Königsschießens |
| heute | Krönung von Frank Werner; Auftakt zur Kirmes |
Die enge Verknüpfung von Kirche, Schutzorganisationen und Schützenbruderschaften zeigt, wie lokale Traditionen in Sinzig über Jahrhunderte gepflegt und weitergegeben werden. Das Königsschießen bleibt dabei ein zentrales Gemeinschaftserlebnis, das Generationen zusammenführt und das Vereinsleben sichtbar macht.
Für die Jusseps Jonge bedeutet die Wahl des neuen Königspaares zugleich die Fortführung eines Brauchtums, das sowohl religiöse als auch weltliche Elemente vereint. Die Zusammenarbeit mit den Sebastianus-Schützen unterstreicht die historische Arbeitsteilung: Die Jusseps Jonge fungierten als kirchliches Pendant, die Sebastianer als weltlicher Schutzverband. Beide Stränge prägen bis heute die Struktur der Vereinskultur in Sinzig.
Der Festkalender der Stadt bleibt damit dicht: Mit dem Königsschießen haben die Vereine den Startschuss für Tage gesetzt, die nicht nur den Austausch im Ort fördern, sondern auch Besucher anziehen, die lokale Geschichte erleben möchten. Die Vorstellung des neuen Königspaares am 15. August wird als Höhepunkt der Eröffnungsfeierlichkeiten erwartet.