Oberwart. Im Haus der Volksgruppen Burgenland versammelten sich am Donnerstag Vertreterinnen und Vertreter aus Bildung, Wissenschaft und den burgenländischen Volksgruppenbeiräten zur Jahrestagung des Forum4Burgenland. Thema der Veranstaltung war das 50-jährige Bestehen des Volksgruppengesetzes sowie die Lebenswelten junger Menschen im Kontext von Mehrsprachigkeit und kultureller Vielfalt.
Diskussionen um Bildung und Spracherhalt
Die Tagung widmete sich der historischen Entwicklung der Minderheitenpolitik im Burgenland und der Frage, wie die Sprachen und Kulturen der autochthonen Volksgruppen langfristig gestärkt werden können. Eingeladene Expertinnen und Experten erörterten, welche Rolle Schulen, Pädagogische Hochschule und politische Verantwortungsträger beim Erhalt von Burgenlandkroatisch, Ungarisch und Romani spielen.
Bildungslandesrätin Daniela Winkler hob die verbindende Rolle der Vielfalt hervor und setzte klare Erwartungen an das Bildungssystem. Sie betonte, dass die Ergebnisse der Jugendstudie „Lebenswelten 2025“ die Bildungsinstitutionen als Schlüsselakteure ausweisen. Dabei nannte sie die Förderung der Sprachen als zentrale Aufgabe, um ein nachhaltiges Miteinander im Bundesland sicherzustellen.
„Die Vielfalt unserer autochthonen Volksgruppen prägt die burgenländische Identität seit Bestehen als eigenständiges Bundesland. 50 Jahre Volksgruppengesetz erinnern uns an die historische Verantwortung, diese Sprachen und Kulturen mit gegenseitiger Wertschätzung zu bewahren.“
Beteiligte Akteurinnen und Akteure
An der Jahrestagung wirkten Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Institutionen mit, die in Workshops und Podien Perspektiven austauschten. Die Diskussionsteilnehmenden kamen aus der Pädagogischen Hochschule, der Bildungsdirektion sowie den Volksgruppenbeiräten und Kulturvereinen.
- PPH Burgenland: Rektorin und Vizerektorinnen/Vizerektoren waren vertreten, um Bildungsangebote und Mehrsprachigkeitsstrategien zu erörtern.
- Volksgruppenbeiräte: Vorsitzende und Vertreterinnen der ungarischen, kroatischen und roma Community beteiligten sich an der fachlichen Debatte.
- Bildungsdirektion: Vertreterinnen unterstützten die Diskussion um schulische Umsetzungsmöglichkeiten.
Die Tagung diente nicht nur dem Rückblick auf 50 Jahre Rechtsrahmen, sondern auch dem Blick nach vorne: Wie lassen sich Sprachangebote in Schule und Alltag junger Menschen stärker verankern? Welche Formen der Kooperation zwischen Gemeinden, Schulen und Kulturvereinen sind erfolgversprechend? Diese und ähnliche Fragen bestimmten die Gespräche.
| Person / Institution | Rolle |
|---|---|
| Daniela Winkler | Bildungslandesrätin |
| Alfred Lehner | Bildungsdirektor |
| Vertreter PPH Burgenland | Rektorin, Vizerektorin, Vizerektor |
| Vertreter Volksgruppenbeiräte | Vorsitzende und Mitglieder |
Regionale Bedeutung für Oberwart und das Burgenland
Für Oberwart als Ort der Veranstaltung und als Zentrum für Volksgruppenarbeit im Burgenland hat die Diskussion konkrete Relevanz: Bildungsangebote, lokale Kulturinitiativen und die Zusammenarbeit mit Schulen vor Ort können von den Empfehlungen der Tagung profitieren. Insbesondere geht es darum, dass Sprachen im Alltagsleben junger Menschen sichtbar bleiben — in Unterrichtsangeboten, kulturellen Projekten und kommunalen Initiativen.
Die Jahrestagung zeigte, dass der Erhalt von Burgenlandkroatisch, Ungarisch und Romani nicht allein eine kulturelle, sondern auch eine bildungspolitische Herausforderung ist. Die anwesenden Fachleute betonten die Notwendigkeit, Bildungspläne, Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und lokale Initiativen aufeinander abzustimmen, um nachhaltig wirksame Maßnahmen zu setzen.
Abschließend wurde deutlich, dass das Jubiläum des Volksgruppengesetzes Anlass für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Institutionen bietet. Die Frage, wie junge Menschen mehrsprachig aufwachsen und zugleich ihre kulturelle Identität pflegen können, bleibt ein zentrales Thema für die kommenden Jahre — nicht nur in Oberwart, sondern im gesamten Burgenland.