Gesundheit

Neue Ärztekammer-Präsidentin fordert strukturierte Patientenlenkung und eCard-Nutzung

Silke Haim ist als Präsidentin der Ärztekammer Oberösterreich ins Amt gewählt worden. Die Nuklearmedizinerin spricht sich für eine stärkere Steuerung von Patientenkontakten über die Hotline 1450 und für die Speicherung von Empfehlungen auf der eCard aus — Vorschläge, die Diskussionen über Kosten, Erstversorgung und mögliche Anreize neu beleben.

Neue Ärztekammer-Präsidentin fordert strukturierte Patientenlenkung und eCard-Nutzung
©Illustration KI Sabine Windisch / we-news.com

Silke Haim wurde zur Präsidentin der Ärztekammer Oberösterreich gewählt. Die 50‑jährige Nuklearmedizinerin ist Fachärztin bei den Barmherzigen Schwestern in Linz und vertritt künftig die Interessen von insgesamt 7.281 Ärztinnen und Ärzten der Kammer. Zwei Drittel der Mitglieder sind angestellt, ein Drittel niedergelassen.

Konkrete Vorschläge zur Patientenlenkung

Haim plädiert dafür, Patientenkontakte systematischer zu lenken, um teure Spitalskontakte zu reduzieren. Als zentrales Element nennt sie die Gesundheits­hotline 1450. Ihr Vorschlag: Empfehlungen, die Anruferinnen und Anrufer von 1450 erhalten, sollten auf der eCard gespeichert und für Behandler sichtbar sein. Dadurch entstünde eine verbindlichere Orientierung für Patientinnen und Patienten und weniger „Nichtlenkung“, wie sie das aktuelle Verhalten beschreibt.

„Die Empfehlung, die der Patient von 1450 bekommt, sollte auf der eCard ersichtlich sein, also abgespeichert sein.“

Haim führt als konkretes Beispiel einen simplen Verlauf an: Wer Fieber hat, sich sonst aber nicht schwer krank fühlt, könnte zuerst die Hotline wählen statt sofort die Notfallambulanz aufzusuchen. In Ballungsräumen und bereits in einigen Spitälern funktionierende Modelle wie Erstversorgungsambulanzen würden diese Aufgabe ebenfalls übernehmen, so Haim. Dort übernehmen Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner die Erstversorgung und entlasten die Notaufnahmen.

Finanzielle Anreize und politische Entscheidungsfragen

Die Präsidentin spricht außerdem über die Frage von Anreizen: Das Gesundheitssystem erscheine auf den ersten Blick kostenlos, es existierten aber bereits Selbstbehalte – etwa Tagegeld im Spital, Rezeptgebühren oder Beiträge zu Heilbehelfen. Vor diesem Hintergrund hält Haim es für denkbar, über eine Kostenregelung nachzudenken, wenn Patientinnen und Patienten bewusst gegen eine Empfehlung von 1450 eine teurere Leistung in Anspruch nähmen. Sie stellt jedoch klar, dass solche Maßnahmen politischer Natur seien und nicht in die Zuständigkeit der Ärztekammer fallen.

Reale Modelle und regionale Unterschiede

Haim verweist zudem auf bestehende Modelle: In Wien und der Steiermark gibt es vor Spitälern bereits Erstversorgungsambulanzen, die in Ballungsräumen sinnvoll seien. Auch am Kepler-Universitätsklinikum in Linz sei eine entsprechende Einrichtung in Betrieb. Ziel sei, die erste Triage und Versorgung möglichst außerhalb der Notaufnahme zu organisieren, um die Spitäler zu entlasten und Wartezeiten zu reduzieren.

  • 7.281 Mitglieder in der Ärztekammer Oberösterreich
  • 2/3 sind angestellt, 1/3 niedergelassen
  • Zentrale Forderung: Empfehlungen von 1450 auf der eCard speichern
Fakt Angabe
Mitgliederzahl Ärztekammer OÖ 7.281
Verhältnis angestellt / niedergelassen 2/3 / 1/3

Konsequenzen für Versorgung und Politik

Die Vorschläge betreffen mehrere Ebenen: organisatorisch die bessere Steuerung von Erstkontakten, technisch die Integration von Empfehlungen in bestehende System‑ und Karteninfrastrukturen und politisch die Frage, ob finanzielle Anreize oder Sanktionen eingeführt werden sollen. Jede dieser Maßnahmen würde Eingriffe in die Abläufe der Primärversorgung sowie in datenschutzrechtliche und sozialpolitische Rahmenbedingungen bedeuten.

Datenschutz und Praktikabilität sind zentrale Punkte: Eine Speicherung von Telefonempfehlungen auf der eCard verlangt klare Regeln, wer Zugriff hat und wie Aktualität und Verlässlichkeit sichergestellt werden. Zudem bleibt offen, wie eine solche Speicherung technisch realisiert und in bestehende Workflows der Rettung, der Ambulanzen und der niedergelassenen Praxis integriert werden könnte.

Haims Vorschläge dürften in fachlichen und politischen Kreisen Diskussionen auslösen: Vertreterinnen und Vertreter aus Spitälern, Hausärzteorganisationen, Patientenschützerinnen und die Verantwortlichen in Bund und Ländern müssen abwägen, welche Folgen Änderungen in der Patientenlenkung für Versorgungsgerechtigkeit, Zugänglichkeit und Kostenentwicklung haben.

Die Ärztekammer Oberösterreich steht nun unter neuer Leitung. Ob und wie die angeregten Maßnahmen – besonders die Nutzung der eCard zur Dokumentation von 1450‑Empfehlungen und mögliche finanzielle Anreize für nicht empfohlene Kontakte – umgesetzt oder politisch weiterverfolgt werden, bleibt abzuwarten. Sie berühren Grundfragen der Versorgung, die über die Landesgrenzen hinaus relevant sind.

Sabine Windisch
Sabine KI Ressortleiterin Gesundheit online

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