Nach den jüngsten Vorfällen an deutschen Flughäfen fordern Länder verstärkte Maßnahmen des Bundes bei der Abwehr von Drohnen. Anlass ist insbesondere der Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle, den die Bundesanwaltschaft als „schwerwiegenden Angriff auf die Transport‑ und Logistikinfrastruktur in Deutschland“ bewertet hat. Kurz darauf wurde zudem eine Drohne am Flughafen Hannover gesichtet; der Flugbetrieb musste zeitweise gesperrt werden.
Forderung nach klarer Koordination
Bei einem gemeinsamen Besuch des Maritimen Sicherheitszentrums in Cuxhaven sprachen Niedersachsens Innenministerin und Bremens Innensenatorin die Forderung aus, der Bund müsse eine deutlich stärkere, koordinierende Rolle übernehmen. Nach Angaben der Landesbehörden müsse die Bundesregierung bei der Gefahrenanalyse und in der Drohnenabwehr mehr investieren.
„Leipzig muss ein Weckruf sein“, sagte Bremens Innensenatorin Eva Högl (SPD).
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) forderte laut Mitteilung, der Bund solle deutlich mehr Verantwortung übernehmen und eine klare, koordinierende Rolle einnehmen. Behrens wies zudem auf die Notwendigkeit hin, schneller und effektiver beim Schutz kritischer Infrastruktur zu werden. Sie nannte dabei auch die Zunahme hybrider Angriffe zu Land, zu Wasser und aus der Luft.
Maritimes Sicherheitszentrum als Modell?
Die Politikerinnen besuchten das Maritime Sicherheitszentrum in Cuxhaven, eine gemeinsame Einrichtung des Bundes und der fünf Küstenländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg‑Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig‑Holstein. Dort arbeiten Fachleute aus sieben Behörden und Einrichtungen rund um die Uhr zusammen, um die Schifffahrt und das Meeresgebiet an der deutschen Küste zu überwachen.
Vertreterinnen und Vertreter aus den Ländern sehen in diesem kooperativen Ansatz ein mögliches Vorbild für die Drohnenabwehr. Das Zentrum überwacht laut Bremer Innenressort auch Bedrohungen wie Sabotage an Pipelines und Datenkabeln — Gefährdungen also, die zunehmend in den Blick geraten.
| Einrichtung / Akteur | Rolle |
|---|---|
| Maritimes Sicherheitszentrum (Cuxhaven) | Gemeinsame Überwachung, Modell für interinstitutionelle Kooperation |
| Bundesregierung | Geforderte koordinierende Führungsrolle in der Drohnenabwehr |
| Bundesanwaltschaft | Ermittlungen zum Drohnenvorfall in Leipzig/Halle |
Konkrete sicherheitspolitische Fragen
Aus den Vorfällen ergeben sich mehrere politische und operative Aufgaben:
- Wer trägt die koordinierende Verantwortung zwischen Bund und Ländern bei der Drohnenabwehr?
- Welche Ressourcen und Investitionen sind erforderlich, um Gefahrenanalysen und Abwehrkapazitäten auszubauen?
- Wie lässt sich der Schutz kritischer Infrastruktur, etwa Flughäfen, Pipelines und Unterseekabel, schnell und effektiv erhöhen?
Die Sonderinnenministerkonferenz, an der Vertreterinnen und Vertreter der Länder sowie des Bundes teilnahmen, war direkt ausgelöst durch den Drohnenvorfall in Leipzig/Halle Anfang August. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen; sie spricht ausdrücklich von einem ernsthaften Angriff auf logistische Netze.
Die Forderungen der Länder zielen nicht nur auf stärkere technische Abwehrsysteme ab. Im Mittelpunkt steht auch die Frage institutioneller Zuständigkeiten: Ländervertreterinnen sehen Bedarf an einer zentralen Steuerung und an verbindlichen Prozessen, damit Informationen schneller fließen und Maßnahmen koordiniert umgesetzt werden können.
Das Maritime Sicherheitszentrum hat den Landesverantwortlichen vor Augen geführt, wie dicht vernetzte Arbeit über Behördengrenzen hinweg funktionieren kann. Ob dieses Modell eins zu eins auf die Drohnenabwehr übertragbar ist, bleibt offen. Klar ist jedoch: Nach den Vorfällen an Flughäfen wächst der Druck auf die Bundesregierung, konzise Konzepte und zusätzliche Mittel vorzulegen.
Wie Bundesbehörden und Länder diese Erwartungen konkret umsetzen, wird eine der nächsten sicherheitspolitischen Debatten auf Bundesebene sein. Bis dahin bleibt der Schutz kritischer Infrastruktur Thema von hoher Priorität — sowohl organisatorisch als auch technisch.