In der Schweiz verletzt sich laut aktuellen Angaben jährlich rund 120.000 Personen bei Spielsportarten mit Körperkontakt wie Fussball, Unihockey oder Basketball. Um das Risiko für schwerere Folgen zu reduzieren, setzt die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) auf standardisierte Kurztests und Checklisten, die Vereine und Betreuungspersonal ohne medizinische Ausbildung nutzen können.
Einfacher Belastungstest als Entscheidungshilfe
Hintergrund ist die Beobachtung, dass viele Sportverletzungen an Stellen auftreten, die bereits vorher beeinträchtigt waren. BFU-Sportberater Evangelos Marcoyannakis weist darauf hin, dass bei praktisch jeder zweiten Verletzung die betroffene Körperstelle zuvor schon lädiert gewesen sei. In der Praxis komme es häufiger vor, dass Spielerinnen und Spieler trotz Beschwerden weiterspielten und sich dadurch deutlich schwerer verletzten.
„Bei fast jeder zweiten Verletzung im Spielsport war die betroffene Körperstelle bereits lädiert.“
Die vorgeschlagene Vorgehensweise ist bewusst pragmatisch: Beim Verdacht auf eine Verletzung soll die betroffene Person das Spielfeld verlassen und eine Reihe von Belastungsübungen durchlaufen. Die Übungen steigern sukzessive die Belastung der betroffenen Region; treten dabei Schmerzen auf, ist das Spiel abzubrechen und medizinische Abklärung empfohlen. Kann die Person alle Schritte bis zur intensivsten Übung schmerzfrei absolvieren, spricht aus Sicht der BFU nichts gegen eine Rückkehr in das Spiel.
Checklisten für Vereine und Trainer
Die BFU hat gemeinsam mit nationalen Verbänden im Unihockey, Basketball und American Football Checklisten erarbeitet. Ziel ist es, Trainerinnen, Betreuer und ehrenamtliche Mitarbeitende zu befähigen, Ersteinschätzungen vorzunehmen und über ein standardisiertes Vorgehen zu entscheiden. Die Instrumente bauen auf einem Stufenprinzip und fokussieren auf die häufigsten Problemzonen:
- Fussgelenk
- Knie
- Kopf/Schädel-Hals-Bereich
Die Checklisten sollen helfen, im hektischen Spielbetrieb rasch zu erkennen, ob jemand mit einer Verletzung weiterbespielen kann oder sofort geschont und ärztlich abgeklärt werden muss. Erfahrungen aus dem Fussball belegen, dass solche Leitfäden das Entscheidungsverhalten von Vereinen verbessern können; der Schweizerische Fussballverband stellt ähnliche Tools bereits seit zwei Jahren zur Verfügung.
Prinzip „Return to Play“ — bewährt, aber nicht unbegrenzt
Das Prüfverfahren orientiert sich am international gebräuchlichen «Return to Play»-Prinzip, das vor allem im Spitzen- und Leistungsport etabliert ist. Es dient dem sensiblen Abwägen zwischen Leistungsfähigkeit und Verletzungsrisiko. Entscheidender Vorteil: Geringe Hürden in der Anwendung und klare Abbruchkriterien. Grenzen ergeben sich, wenn strukturelle Schäden oder neurologische Symptome vorliegen — dann ist eine fachärztliche Abklärung zwingend.
| Merkmal | Nutzen für Vereine |
|---|---|
| Standardisierte Checkliste | Schnelle, einheitliche Entscheidungsgrundlage |
| Stufenweise Belastungstest | Ermöglicht sichere Einschätzung der Belastbarkeit |
| Klare Abbruchkriterien | Schützt vor Verschlimmerung und Langzeitausfällen |
Konsequenzen für Österreichische Vereine
Auch in Österreich sind zahlreiche Amateur- und Breitensportvereine ehrenamtlich organisiert und schlecht medizinisch ausgestattet. Die Schweizer Initiative zeigt, dass bereits einfache, strukturierte Hilfsmittel die Patientensicherheit erhöhen können. Trainerinnen und Trainer sollten deshalb prüfen, ob vergleichbare Checklisten in ihren Sportarten verfügbar sind oder adaptiert werden können. Wichtig bleibt, dass bei anhaltenden oder ungewöhnlichen Symptomen stets professionelle medizinische Hilfe in Anspruch genommen wird.
Kurz zusammengefasst: Einfache Belastungstests und klare Checklisten können helfen, unnötige Verschlimmerungen von Sportverletzungen zu verhindern und die sichere Rückkehr aufs Feld zu unterstützen — vorausgesetzt, die Grenzen des Verfahrens werden respektiert und bei Bedarf frühzeitig Fachleute hinzugezogen.