Die trocken gefallenen Schotterteiche und die historisch niedrigen Grundwasserstände im Raum Wiener Neustadt zeigen laut den Grünen deutlich: Wasser wird auch in Teilen Österreichs zur knappen Ressource. Die zuständigen Gemeinderätinnen sehen die Lage als Warnsignal und kritisieren, dass die Stadtregierung bislang nicht ausreichend gegen Bodenversiegelung und für Vorsorgemaßnahmen vorgeht.
Stadtregierung setzt weiter auf Versiegelung, Grünen fordern Kurswechsel
Die Wiener-Neustädter Stadtpolitik lasse Entsiegelungsmaßnahmen zur Ausnahme werden, während neue Parkplätze, Straßen und Zufahrten geschaffen würden. Das verhindere, dass Regenwasser versickern und das Grundwasser wieder auffüllen könne. Die Grünen betonen, dass gerade weil die Trinkwasserversorgung derzeit noch gesichert sei, nun Vorsorge erforderlich sei, um künftige Engpässe zu vermeiden.
„Die trockenen Schotterteiche sind ein sichtbares Warnsignal. Wer den Klimawandel ernst nimmt, muss endlich den Boden schützen. Jeder versiegelte Quadratmeter verschlechtert die Grundwasserneubildung – Bodenschutz ist daher aktiver Trinkwasserschutz.“
Dieses Zitat stammt von Stadträtin Selina Prünster. Parallel fordert Gemeinderätin Elke Szalai ein sofortiges Umlenken der Stadtregierung: Statt auf Reaktionen in Krisen zu setzen, müsse jetzt eine Strategie zur Vorsorge vorgelegt werden.
Konkrete Forderungen der Grünen
Die Grünen Wiener Neustadt haben eine Reihe konkreter Maßnahmen vorgelegt, die sie von der Stadtregierung verlangen. Dazu zählen unter anderem:
- Weniger neue Versiegelungen, mehr Entsiegelungsprojekte
- Regenwasserzisternen bei öffentlichen Gebäuden
- Verpflichtende Regenwasserversickerung bei Neubauten
- Ein Stufenplan für Wassersparmaßnahmen in längeren Trockenperioden
Die Forderungen zielen darauf ab, sowohl die Neubildung des Grundwassers zu fördern als auch die Versorgungssicherheit zu stärken. Die Grünen sehen Bodenschutz und Wasserschutz als eng verknüpfte Bereiche.
| Problem | Vorgeschlagene Maßnahme |
|---|---|
| Bodenversiegelung | Entsiegelung, Neubauverbote für versiegelte Flächen |
| Geringe Versickerung von Regenwasser | Regenwasserzisternen, verpflichtende Versickerung bei Neubauten |
| Fehlende Vorsorge bei Dürre | Stufenplan für Wassersparmaßnahmen |
Kontext und Folgen
Dass lokale Gewässer austrocknen, ist kein isoliertes Phänomen. Trockenperioden und Hitzeperioden nehmen in vielen Regionen zu. Bodenschutz wirkt dabei als ein Hebel, um die natürlichen Rückhalte- und Versickerungskapazitäten zu erhalten. Versiegelte Flächen leiten Regenwasser rasch ab, statt es in den Boden zurückzuführen. Langfristig verschlechtert dies die Grundwasserneubildung.
Aus politischer Sicht stellt sich die Frage, wie Gemeinden kurzfristig und langfristig planen. Kurzfristige Maßnahmen können Wasserrestriktionen oder Verbote bei privaten Bewässerungen sein. Langfristig geht es um Raumplanung, Förderpolitik und verbindliche Baunormen, die Versickerung und Regenwassernutzung vorschreiben.
Die Grünen verlangen, dass die Stadtregierung nicht erst bei akuten Engpässen handelt. Sie sehen in einer proaktiven Boden- und Wasserstrategie eine zentrale Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel. Welche Schritte die Stadtregierung konkret plant oder bereits umsetzt, ist öffentlich bisher nicht detailliert kommuniziert worden.
Für Gemeinden in ganz Österreich ist die Diskussion relevant: Sie betrifft Fragen der Baulandausweisung, der Infrastrukturplanung und der Verantwortung gegenüber künftigen Trockenperioden. Maßnahmen wie Zisternen oder verpflichtende Versickerung sind technisch umsetzbar. Entscheidend bleibt jedoch, ob die Politik verbindliche Vorgaben erlässt und entsprechende Förderprogramme bereitstellt.
Die Grünen stellen damit eine politische Weiche: Weg von kurzfristiger Flächenfreigabe, hin zu einer Politik, die Boden als schützenswerten Faktor der Wasserversorgung begreift. Ob Wiener Neustadt diesen Weg einschlägt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.