Bewohnerinnen und soziale Organisationen der Gemeinde Penco-Lirquén haben formell gegen die Umweltqualifizierungsresolution (RCA) eines Projekts zum Abbau von Seltenen Erden geklagt. Unterstützt von der NGO Umweltverteidigung richten sich zwei Beschwerden an den Umweltbewertungsdienst (SEA) der Region Biobío mit dem Ziel, die RCA für das „Optimierte Projekt für Seltene Erden“ aufzuheben.
Beschwerdepunkte: Was die Kläger bemängeln
Laut den eingereichten Unterlagen argumentieren die Kläger, dass der Evaluierungsprozess schwerwiegende Mängel aufweist und wesentliche Umwelt- und Gesundheitsrisiken nicht geprüft wurden. Im Zentrum der Kritik stehen:
- das Fehlen grundlegender Studien zur möglichen Radioaktivität des abzubauenden Materials,
- die unzureichende Bewertung von Gefahren durch Massenbewegungen in einem steilen Gelände,
- die Risiken für Grundwasser und damit für die Trinkwasserversorgung der lokalen Bevölkerung,
- die vernachlässigte Berücksichtigung von Auswirkungen auf Lebensgrundlagen, Biodiversität und die indigene Bevölkerung.
Ein weiterer, politisch sensibler Punkt: Die Kläger bemängeln, dass die Gemeinschaft nicht angehört worden sei und der Beteiligungsprozess mangelhaft ablief. Besonders heikel ist die Nähe des geplanten Betriebs zum Zentrum von Penco: Das Projekt ist nach Angaben der Beschwerdeführer nur etwa 2 km vom Ortszentrum entfernt.
Rechtliche Schritte und Argumentation
Die juristische Offensive besteht aus zwei parallelen Eingaben: einer Beschwerde und einem Antrag auf Ungültigerklärung der RCA. Die Kläger fordern damit die Aufhebung der Umweltbewilligung. Als Begründung führt der Anwalt Francisco Astorga von Umweltverteidigung unter anderem an, die RCA sei ein rechtlich bedenklicher Verwaltungsakt, weil kritische Umweltfaktoren nicht untersucht worden seien.
„...ein ‹illegales Verwaltungsakt›, da nicht nur kritische Umweltfaktoren ignoriert wurden“,
so die Darstellung in den übermittelten Dokumenten.
Gesundheitliche und ökologische Folgen
Die vorgebrachten Mängel haben direkte Bedeutung für die öffentliche Gesundheit: Unzureichende Radiostudien lassen offen, ob Anwohnerinnen und Anwohner langfristig einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt würden. Ebenso potenziell gravierend sind Gefahren für das Grundwasser: Verunreinigtes Trinkwasser kann akute und chronische Gesundheitsprobleme nach sich ziehen, die von Magen-Darm-Erkrankungen bis zu schwerer belastenden Langzeitfolgen reichen können.
Aus ökologischer Sicht betonen die Kläger die Folgen für die Biodiversität und die lokale Wirtschaft. Bergbaubedingte Eingriffe in Geologie und Hydrologie können ökologische Kaskaden auslösen, die Nahrungs- und Lebensgrundlagen der Bevölkerung beeinträchtigen.
| Gefahrenpunkt | Mögliche Folgen |
|---|---|
| Fehlende Radioaktivitätsstudien | Ungeklärte Strahlenrisiken für Bevölkerung und Umwelt |
| Risiko von Massenbewegungen | Erdrutsche, Infrastruktur- und Siedlungsgefährdung |
| Grundwasserbelastung | Trinkwassergefährdung, gesundheitliche Langzeitfolgen |
Konsequenzen und Ausblick
Die Entscheidung des SEA für das umstrittene Projekt ist nun Gegenstand einer juristischen Neubewertung. Sollte das Gericht die RCA annullieren, wären Nachuntersuchungen und ein erneuter, umfassender Bewertungsprozess erforderlich. Andernfalls bestünde das Risiko, dass das Projekt trotz der offenen Fragen vorangetrieben wird—mit potenziellen Folgen für Gesundheit, Wasserressourcen und lokale Ökosysteme.
Für die Gesundheitspraxis bedeutet der Fall eine deutliche Erinnerung: Umweltprüfungen müssen nicht nur ökologische, sondern auch medizinische Risiken sorgfältig einschätzen. Fehlen entsprechende Daten, entsteht ein Informationsvakuum, das die Planung öffentlicher Schutzmaßnahmen und die Risikoabschätzung für betroffene Gemeinden erheblich erschwert.
Die eingereichten Beschwerden zeigen zudem, wie wichtig die Beteiligung der örtlichen Bevölkerung und die Berücksichtigung indigener Belange bei großen Infrastruktur- und Bergbauprojekten sind. Die Gerichte müssen nun klären, ob dieses Mitspracherecht im vorliegenden Verfahren ausreichend gewahrt wurde.
Wir werden die Entscheidung des SEA und mögliche weitere juristische Schritte beobachten und berichten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen.