Die Ärztekammer für Oberösterreich hat am 13. August 2026 vor einer dringenden Versorgungslücke gewarnt: Mit dem Stichtag 30. Juni 2026 waren in Oberösterreich 46 Kassenarztstellen unbesetzt. Bundesweit fehlten laut parlamentarischer Anfrage zu diesem Zeitpunkt 333 Kassenarztstellen. Besonders betroffen sind die Bereiche Allgemein- und Familienmedizin, Frauenheilkunde/Geburtshilfe sowie Dermatologie.
Verteilung der offenen Stellen
| Fachrichtung | Anzahl offener Stellen in OÖ |
|---|---|
| Allgemeinmedizin / Familienmedizin | 26 |
| Frauenheilkunde & Geburtshilfe | 13 |
| Dermatologie | 6 |
| Kinder- und Jugendheilkunde | 1 |
Die Ärztekammer betont, dass hinter jeder unbesetzten Planstelle Patientinnen und Patienten stünden, deren Wege zu Fachärztinnen und Fachärzten länger würden und deren Termine schwieriger zu bekommen seien. Die bloße Zahl von Planstellen reiche nicht aus, wenn Ärztinnen und Ärzte die vorhandenen Bedingungen nicht mehr als tragbar betrachteten.
„46 unbesetzte Kassenarztstellen sind kein abstraktes Planungsproblem. Hinter jeder längerfristig nicht besetzten Stelle stehen Patientinnen und Patienten, für die Wege länger und Termine schwieriger werden“, sagte Paul Niederberger, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte.
Geforderte Maßnahmen
Als zentrale Maßnahmen nennt die Ärztekammer verbesserte Arbeitsbedingungen und eine Attraktivierung der Vertragsmedizin. Konkret fordert sie:
- Zeitgemäße Honorierung und angepasste Vertragsmodelle für Kassenvertragsärztinnen und -ärzte.
- Weniger Bürokratie im Praxisalltag, um mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten zu ermöglichen.
- Flexible Kooperationsmöglichkeiten sowie Teilzeit-Kassenverträge, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern.
- Planungssicherheit für Vertragsärztinnen und -ärzte, damit langfristige Versorgungskonzepte möglich sind.
Die Ärztekammer sieht zugleich erste Signale eines Umdenkens bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), hält aber fest, dass Einsicht allein nicht ausreiche: Es bedürfe konkreter gesetzlicher und vertraglicher Änderungen.
Folgen für Patientinnen und Patienten
Ein anhaltender Mangel an Kassenärztinnen und -ärzten kann verschiedene unmittelbare Auswirkungen haben: längere Wartezeiten, weitere Anfahrtswege, steigende Belastung bestehender Praxen und vermehrte Inanspruchnahme von Ambulanzen in Spitälern. Besonders ländliche Regionen sind akut gefährdet, wenn Planstellen dauerhaft unbesetzt bleiben.
Die Forderungen der Ärztekammer zielen daher nicht nur auf kurzfristige Stellenbesetzungen, sondern auf strukturelle Anpassungen des Systems, damit Vertragsmedizin wieder als nachhaltige und attraktive Option für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte wahrgenommen wird.
Für die Patientinnen und Patienten bleibt entscheidend, wie rasch Politik und Sozialpartner auf die vorgeschlagenen Maßnahmen reagieren. Ohne spürbare Verbesserungen drohen sich Wartezeiten und Versorgungsengpässe zu verfestigen — mit direkten Folgen für die gesundheitliche Versorgung in Stadt und Land.