In Berlin-Neukölln ist erneut eine Asiatische Hornisse nachgewiesen worden. Das tote Insekt wurde am 12. August auf dem Boden entdeckt, fotografiert und per App gemeldet. Nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) Berlin handelt es sich damit erst um den zweiten dokumentierten Fund dieser aus Südostasien stammenden Art in der Stadt; der erste Nachweis datiert aus dem Jahr 2023 in Schöneberg.
Fundlage und Einschätzung der Naturschützer
Die Biologin Melanie von Orlow, Leiterin des Hymenopterendienstes beim Nabu Berlin, teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, dass das zugehörige Nest bislang nicht gefunden worden sei. Nach ihrer Einschätzung ist es jedoch wahrscheinlich, dass irgendwo in Berlin oder im angrenzenden Umland ein Nest vorhanden ist.
„Wir können mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sagen, dass es irgendwo in Berlin ein Nest gibt“,
erklärte von Orlow. Demnach wurde das gefundene Tier sehr wahrscheinlich als Drohne, also als Männchen, identifiziert; diese fliegen weiter als die Weibchen und können somit über größere Distanzen in der Stadt nachgewiesen werden.
Gefährdung für Menschen und Bienen
Für Menschen sind Asiatische Hornissen in der Regel nicht unmittelbar gefährlich. Die Tiere bauen ihre Nester meist hoch in Baumkronen und zeigen kein aggressives Verhalten, solange man sich nicht unmittelbar dem Nest nähert. Von Orlow betonte: Es bestehe kein Grund zur Panik.
Für Imker sieht die Lage jedoch anders aus: Asiatische Hornissen jagen gezielt Bienen und können ganze Honigbienenvölker gefährden. Die exotische Art lebt in Völkern, die mehrere tausend Tiere umfassen können. Seit dem ersten Nachweis in Deutschland 2014 hat sich die Hornisse in Teilen Europas rasch ausgebreitet.
Was bisher bekannt ist
Die wichtigsten Fakten zusammengefasst:
- Fundort: Berlin-Neukölln, gemeldet am 12. August.
- Bisherige Nachweise in Berlin: erster Fund 2023 in Schöneberg (Nest damals in einer Kastanie gefunden und entfernt), zweiter Fund 2026.
- Artenschutzlage: In Deutschland erstmals 2014 nachgewiesen; Ausbreitung in Europa anhaltend.
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Größe im Vergleich | Etwas kleiner als heimische Hornissen |
| Lebensraum | Meist hohe Baumkronen; gelegentlich in Siedlungsgebieten |
| Gefährdung für Bienen | Gezielte Jagd auf Bienenstöcke, potenziell starke Verluste |
Konsequenzen und Handlungsempfehlungen
Für die Stadtverwaltung und Naturschützer bedeutet der Nachweis erhöhte Wachsamkeit. Entscheidend ist das Auffinden und Bewerten eines möglichen Nestes. Aus den bisherigen Fällen leiten Fachleute folgende pragmatische Maßnahmen ab:
- Beobachtungen und Funde weiterhin über offizielle Meldewege und Apps an die Naturschutzorganisationen und Behörden übermitteln.
- Imkern wird geraten, ihre Völker regelmäßig zu kontrollieren und Schutzmaßnahmen in Erwägung zu ziehen.
- Wanderungen und Standorte von Bienenvölkern in der Nähe von großen Baumkronen besonders im Blick behalten.
Wichtig ist, dass private Versuche, ein Nest zu entfernen oder die Tiere zu bekämpfen, unterbleiben. Fachleute sollten hinzugezogen werden, wenn ein Nest lokalisiert wird.
Hintergrund: Ausbreitung und Forschungslage
In Europa wird die Asiatische Hornisse seit ihrem erstmaligen Auftreten in Frankreich 2004 intensiv beobachtet. In Deutschland fand der erste Nachweis 2014 statt. Die Folgen für einheimische Insekten und Ökosysteme sind nach Aussage des Nabu weiterhin nicht vollständig vorhersehbar; Studien beschäftigen sich vor allem mit direkten Auswirkungen auf Honigbienen, aber auch mit möglichen Folgen für andere Bestäuber.
Der aktuelle Fund in Neukölln ist insofern bedeutsam, als er zeigt, dass die Art weiterhin gelegentliche Vorkommen in Ostdeutschland registriert. Ob daraus dauerhaft etablierte Populationen in der Region werden, hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem Klima, vorhandenen Nistmöglichkeiten und Bekämpfungsmaßnahmen.
Für Berlin gilt vorerst: aufmerksam bleiben, fundierte Meldungen machen und Imker informieren. Panik ist nicht angezeigt; der Fokus liegt auf Prävention und fachgerechter Erfassung möglicher Nester.