Szenische Umsetzung als Brücke zwischen Barock und Gegenwart
Das Deutsche Nationaltheater (DNT) in Weimar hat die Spielzeit mit einer szenischen Aufführung von Georg Friedrich Händels Oratorium „Der Messias“ eröffnet. Die Inszenierung folgt der gängigen Praxis, Oratorien im Konzertbetrieb szenisch umzusetzen, um die dramatischen Elemente der Musik deutlicher zur Geltung zu bringen. Damit reiht sich Weimar in eine Reihe von Spielstätten ein, die Händels häufig konzertant gespieltes Werk als Bühnenstück verstehen.
Konzeption und künstlerische Leitung
Für die szenische Fassung zeichnet der Regisseur Jochen Biganzoli verantwortlich, der neben seiner Arbeit am Haus auch an der Musikhochschule lehrt. In der Kritik wird hervorgehoben, dass Biganzoli die äußerst kontrastreichen Soli und Chornummern mit zeitgenössischen Bildlösungen verknüpft und so den Zugang zur überzeitlichen Musik schafft. Die musikalische Vorbereitung des Opernchors oblag Jens Petereit, dessen Arbeit am DNT weiterhin als verlässlich gilt.
Lokale Mitwirkung: Bürgerchor und Ensemble
Eine besondere Dimension der Produktion ist die Beteiligung eines 52-köpfigen Bürgerchors aus Weimar und Umgebung. Diese Variante stärkt die lokale Verankerung des Projekts und erlaubt es Laien, unmittelbar am großen Repertoire der Barockmusik teilzuhaben. Die Verbindung von professionellem Ensemble und regionalen Sängerinnen und Sängern erhöht die Strahlkraft der Aufführung in der Stadtgesellschaft.
- Werk: „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel
- Regie: Jochen Biganzoli (ebenfalls Lehrender an der Musikhochschule)
- Chorarbeit: Jens Petereit; Verstärkung durch einen 52-köpfigen Bürgerchor
- Besonderheit: szenische Umsetzung eines Oratoriums
„Der wurde 2010 – standortaffin – auf den Domstufen in Erfurt inszeniert, vor drei Jahren in Meiningen und jetzt also in Weimar.“
Einordnung: Tradition und Gegenwartsbezug
Händels „Messias“ zählt seit seiner Uraufführung 1742 zu den langlebigsten Werken der europäischen Musikgeschichte. Während manche seiner Opern erst in der Händelrenaissance wieder Fuß fassten, blieb dieses Oratorium dauerhaft präsent. In Weimar nutzte das DNT dieses Fundament, um die universelle Wirkung der Musik herauszuarbeiten und zugleich aktuelle Bezüge herzustellen. Laut Kritik entsteht bis zur Pause eine „Bilderflut“, die musikalische und visuelle Komponenten ineinanderführt.
Folgen für Publikum und Stadt
Die Produktion stärkt die Verbindung zwischen städtischer Theaterlandschaft, Hochschule und Bürgerschaft. Für das DNT bedeutet dies eine Profilierung als Ort, der klassische Formen neu interpretiert und zugleich lokale Beteiligung fördert. Für das Publikum bietet die Inszenierung die Gelegenheit, ein weithin bekanntes Werk in einer frischen, szenischen Lesart zu erleben. Die Einbindung eines großen Bürgerchors kann zudem das Interesse an künftigen Gemeinschaftsprojekten und an der Musikhochschule steigern.
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Werk | „Der Messias“ (Oratorium, 1742) |
| Regie | Jochen Biganzoli (Musikhochschule) |
| Chor | Opernchor des DNT, verstärkt durch 52-köpfigen Bürgerchor |
Die Inszenierung am DNT ist Teil des Saisonauftakts und stellt in Weimar eine bedeutsame kulturelle Begegnung dar: barocke Meisterschaft trifft auf zeitgenössische Bühnenpraxis und lokale Beteiligung. Damit setzt das Haus ein Zeichen für eine offene, partizipative Kulturszene.