Eine internationale Auswertung weist darauf hin, dass die Kombination aus Übergewicht im Bauchbereich und einem Mangel an Vitamin D das Risiko für vorzeitigen Tod bei älteren Menschen erheblich steigern kann. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Brasilien und Großbritannien analysierten Daten von 5.520 Teilnehmenden über einen Zeitraum von sechs Jahren und kamen zu dem Ergebnis, dass die gleichzeitige Präsenz von abdominaler Adipositas und Vitamin‑D‑Mangel mit einer um 123 Prozent erhöhten Wahrscheinlichkeit zu versterben verbunden war.
Grundlage der Untersuchung
Für die Analyse wurden Daten der britischen Langzeitstudie ELSA (English Longitudinal Study of Ageing) ausgewertet. Die Forscherinnen und Forscher verfolgten insgesamt 5.520 Personen im Alter über 50 Jahre über einen Zeitraum von sechs Jahren. Erfasst wurden medizinische Basisdaten einschließlich Vitamin‑D‑Spiegeln sowie Körpermaße und Todesfälle während der Nachbeobachtungszeit. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Diabetes, Obesity and Metabolism“ veröffentlicht.
Definitionen und Messgrößen
Wesentliche Klassifikationen in der Studie waren:
- Abdominales Übergewicht: Bauchumfang > 102 cm bei Männern, > 88 cm bei Frauen.
- Vitamin‑D‑Status: Mangel bei < 30 nmol/L, Suffizienz bei > 50 nmol/L, dazwischen Insuffizienz.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Studienpopulation | 5.520 Personen >50 Jahre |
| Nachbeobachtung | 6 Jahre |
| Erhöhtes Sterberisiko bei Kombination | +123 % |
Ergebnisse und Einordnung
Die Untersuchung differenzierte zwischen sechs Gruppen, gebildet aus Kombinationen von ausreichender, insuffizienter und mangelnder Vitamin‑D‑Versorgung sowie Vorhandensein oder Fehlen von abdominaler Adipositas. In allen Kategorien mit Übergewicht und gleichzeitig unzureichendem oder fehlendem Vitamin D war die Wahrscheinlichkeit, vorzeitig zu versterben, erhöht. Am stärksten fiel der Effekt in der Gruppe mit abdominaler Adipositas und eindeutigem Vitamin‑D‑Mangel aus: Hier zeigte sich die genannte Zunahme des Sterberisikos um 123 Prozent.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Vitamin‑D‑Mangel nicht isoliert betrachtet werden sollte, sondern im Kontext anderer Risikofaktoren wie Adipositas eine stärker negative Wirkung haben kann. Das ist bedeutsam für die Präventionsstrategie älterer Bevölkerungsgruppen, bei denen sowohl Übergewicht als auch niedrige Vitamin‑D‑Spiegel verbreitet sind.
Konsequenzen für Prävention und Praxis
Die Studie legt nahe, dass die Versorgung mit Vitamin D insbesondere bei Menschen mit erhöhtem Bauchumfang stärker Beachtung finden sollte. Mögliche Konsequenzen sind:
- Zielgerichtete Screening‑Programme für Vitamin‑D‑Status bei älteren Menschen mit abdominaler Adipositas.
- Beratung zu Lebensstilmaßnahmen, die sowohl Körpergewicht als auch Vitamin‑D‑Versorgung beeinflussen (Ernährung, Bewegung und moderater Aufenthalt im Freien).
- Gegebenenfalls gezielte Supplementierung nach ärztlicher Abklärung, insbesondere bei dokumentiertem Mangel.
Wichtig ist, dass solche Maßnahmen evidenzbasiert und individualisiert erfolgen. Die Studie liefert Beobachtungsdaten, die auf einen Zusammenhang hinweisen, aber nicht automatisch Kausalität beweisen. Weitere Interventionsstudien wären notwendig, um zu klären, ob die gezielte Behebung eines Vitamin‑D‑Mangels das erhöhte Sterberisiko bei adipösen Älteren tatsächlich senken kann.
Für die öffentliche Gesundheit bedeuten die Ergebnisse jedoch eine klare Aufforderung: Die Kombination aus Adipositas und Mikronährstoffmangel sollte in Vorsorgeprogrammen und in der ärztlichen Routine stärker berücksichtigt werden, da sie das Sterberisiko im beobachteten Kollektiv deutlich erhöht.
Die ausführliche Publikation der Forscherinnen und Forscher im Fachjournal bietet weitere Details zur Methodik und zu Subgruppenanalysen und ist damit Grundlage für die fachliche Debatte über Prioritäten in Prävention und Versorgung.
Gesundheitsredaktion