Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) fordert, einen bedeutenden Teil der von der Bundesregierung geplanten nationalen Gasreserve im Freistaat zu lagern. Nach seinen Angaben verfüge Bayern über eigene Speicherkapazitäten und sei zudem mit überregionalen Anlagen in Österreich verbunden. Eine dezentrale Verteilung der Reserve sei notwendig, um Haushalte und Unternehmen auch bei schweren Störungen zuverlässig zu versorgen, so Aiwanger gegenüber unserer Redaktion.
„Ein nennenswerter Anteil der Reserve muss zwingend in Bayern gespeichert werden.“
Auch die Wirtschaft in Bayern begrüßt grundsätzlich den Aufbau eines Notvorrats. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), betont die hohe Bedeutung der Krisenreserve. Gleichzeitig verlangt er Klarheit darüber, welche konkreten Speicher zur Einlagerung verwendet werden sollen. Vor diesem Hintergrund spreche sich die vbw gegen die geplante Stilllegung der bayerischen Speicher in Breitbrunn und Wolfersberg aus.
Marktprobleme der Speicherbetreiber
Die Betreiber der bayerischen Anlagen, Uniper und UGS Bayern, hatten im zurückliegenden Jahr bei der Bundesnetzagentur Anträge auf Stilllegung gestellt. Hintergrund sind wirtschaftliche Schwierigkeiten: Das bisherige Geschäftsmodell, das auf saisonalen Preisunterschieden beruht, wirkt weniger rentabel, weil die Preisdifferenzen zwischen Sommer und Winter deutlich geschrumpft sind. Dadurch sinkt der Anreiz für Händler, Gas im Sommer einzuspeichern und im Winter wieder zu entnehmen.
Die Bundesnetzagentur weist für alle Gasspeicher in Deutschland Füllstände von derzeit etwas über 60 Prozent aus. Diese Werte liegen deutlich unter denen vergleichbarer Vorjahre. Sebastian Heinermann, Geschäftsführer des Speicherbetreiberverbandes INES, rechnet vor, dass die geplante Reserve von 24 TWh etwa 10 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazität in Anspruch nehmen würde. Gleichzeitig seien momentan rund 15 Prozent der Kapazitäten nicht gebucht.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Geplante nationale Reserve | 24 TWh |
| Aktueller Füllstand aller Speicher | etwas über 60 % |
| Anteil Reserve an Speicherkapazität (Berechnung) | rund 10 % |
| Derzeit ungebuchte Kapazitäten | rund 15 % |
Folgen für Versorgung, Betreiber und Politik
Die Debatte verbindet technische, wirtschaftliche und politische Dimensionen. Für die Versorgungssicherheit wäre eine regional ausgewogene Lagerung der Reserve sinnvoll: Engpässe in einer Region könnten durch Zugriffe auf nahegelegene Bestände abgefedert werden. Für Betreiber wie Uniper und UGS Bayern stellt sich jedoch die Frage, wie sich der langfristige Betrieb von Speichern wirtschaftlich darstellt, wenn klassische Einnahmequellen wegfallen.
- Für Verbraucher und Unternehmen bietet die Reserve eine zusätzliche Absicherung gegen großflächige Störungen.
- Speicherbetreiber brauchen verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen, um Investitionen und Betrieb zu planen.
- Politisch kann die Entscheidung über Standortnutzung und Stilllegungen zu Spannungen zwischen Bundes- und Landesbehörden führen.
Offen bleibt, wie die Bundesregierung konkret die Verteilung der 24 TWh regelt und welche vertraglichen oder finanziellen Mechanismen zum Ausgleich für Betreiber entwickelt werden. Auch die noch ausstehende Entscheidung der Bundesnetzagentur zu den Stilllegungsanträgen ist richtungsweisend: Sie könnte darüber entscheiden, ob einzelne Speicher dauerhaft vom Netz gehen oder als Teil der Reserve erhalten bleiben.
In Bayern werden die Forderungen bereits öffentlich vorgebracht; die Landesregierung dürfte in den anstehenden Abstimmungen versuchen, einen erheblichen Anteil der Reserve einzubringen. Wirtschaft und Speicherbetreiber werden aufmerksam verfolgen, ob staatliche Nachfrage nach Lagerkapazitäten ausreicht, um das Geschäftsmodell der Betreiber zu stabilisieren oder ob zusätzliche Ausgleichsmechanismen erforderlich sind.
Die kommenden Wochen werden zeigen, wie Bund und Länder die Balance zwischen Versorgungssicherheit, marktlichen Realitäten und Betreiberinteressen finden. Für die wirtschaftliche Landschaft in Bayern und die nationale Gasinfrastruktur stehen wichtige Entscheidungen an.