Die Erwerbstätigkeit älterer Menschen in Niedersachsen hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich zugenommen. Nach den ersten Ergebnissen des Mikrozensus 2025, die das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) vorgelegt hat, waren im Jahr 2025 rund 974.000 Menschen im Alter von 55 bis unter 65 Jahren erwerbstätig. Dies entspricht einer Erwerbstätigenquote von 75,4 Prozent in dieser Altersgruppe.
Wachsender Anteil älterer Erwerbstätiger
Die Altersgruppe der 55- bis unter 65-Jährigen umfasste 2025 insgesamt rund 1,3 Millionen Personen und machte damit 16,3 Prozent der Bevölkerung Niedersachsens aus. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Trend: 2005 lag die Erwerbstätigenquote dieser Gruppe noch bei 45,4 Prozent, 2025 bei den genannten 75,4 Prozent.
Auch bei den 65- bis unter 75-Jährigen ist die Erwerbstätigkeit merklich gestiegen. Hier kletterte die Quote von 4,7 Prozent im Jahr 2005 auf 18,1 Prozent im Jahr 2025.
Unterschiede nach Geschlecht
Auf die gesamte erwerbsfähige Bevölkerung von 15 bis unter 65 Jahren bezogen lag die Erwerbstätigenquote 2025 bei 77,3 Prozent. Männer waren mit 80,6 Prozent häufiger erwerbstätig als Frauen mit 74,0 Prozent. Auch bei den älteren Erwerbstätigen war die Beschäftigung der Männer häufiger, doch die Geschlechterdifferenz verringerte sich deutlich.
In der Altersgruppe 55 bis unter 65 Jahre stieg die Erwerbstätigenquote der Frauen von 37,3 Prozent (2005) auf 71,5 Prozent (2025). Bei den Männern derselben Altersgruppe erhöhte sich der Wert von 53,3 Prozent auf 79,4 Prozent.
Bei den 65- bis unter 75-Jährigen nahm die Erwerbstätigkeit der Frauen von 3,0 Prozent auf 14,4 Prozent zu, bei den Männern von 6,6 Prozent auf 22,2 Prozent.
Zunahme der Teilzeit mit steigendem Alter
Mit höherem Alter erhöhte sich der Anteil der Teilzeitbeschäftigten. Insgesamt arbeiteten 2025 im Alter von 15 bis unter 65 Jahren 68,9 Prozent in Vollzeit und 31,1 Prozent in Teilzeit. Bei den 55- bis unter 65-Jährigen lag der Vollzeitanteil bei 66,0 Prozent, der Teilzeitanteil bei 34,0 Prozent. Bei den noch älteren Gruppen kehrt sich dieses Verhältnis weiter um.
Konsequenzen für Arbeitsmarkt und Politik
Die Zahlen zeigen eine deutliche Verschiebung: Ältere Menschen bleiben länger im Erwerbsleben oder gehen später in Rente. Für Arbeitgeber, Tarifparteien und Kommunen ergeben sich daraus praktische Folgen etwa für Weiterbildung, Gesundheit am Arbeitsplatz und die Nachbesetzung von Stellen. Für die Sozial- und Rentenpolitik sind solche Trends ebenfalls relevant, weil sie Auswirkungen auf Beitragszahlungen und Rentensysteme haben können.
Die gestiegene Erwerbstätigkeit älterer Frauen ist ein deutliches Signal für veränderte Erwerbsverläufe und Lebensentwürfe. Gleichzeitig bleibt die Teilzeitarbeit eine bedeutende Beschäftigungsform mit Folgen für Einkommen und Absicherung im Alter.
Wichtige Zahlen im Überblick
| Jahr / Gruppe | 2005 | 2025 |
|---|---|---|
| 55–64 Jahre (Erwerbstätigenquote) | 45,4 % | 75,4 % |
| 65–74 Jahre (Erwerbstätigenquote) | 4,7 % | 18,1 % |
| Frauen 55–64 Jahre | 37,3 % | 71,5 % |
| Männer 55–64 Jahre | 53,3 % | 79,4 % |
Was das für Niedersachsen bedeutet
Für die niedersächsische Arbeitswelt heißt das: Der Anteil erfahrener Beschäftigter wächst, zugleich nimmt die Bedeutung flexibler Arbeitsmodelle zu. Regionen und Betriebe müssen prüfen, wie sie Arbeitsplätze altersgerecht gestalten, Fortbildung anbieten und gesundheitsfördernde Maßnahmen umsetzen. Kommunen könnten zudem stärker darauf achten, dass Beschäftigungsmöglichkeiten für Ältere vorhanden sind, um regionale Fachkräftepotenziale zu nutzen.
- Trend: Stark steigende Erwerbstätigkeit bei 55–64-Jährigen seit 2005.
- Geschlecht: Deutlicher Anstieg der Erwerbstätigkeit bei Frauen.
- Beschäftigungsform: Mit steigendem Alter Zunahme der Teilzeitarbeit.
Die LSN-Daten basieren auf den Erstergebnissen des Mikrozensus 2025. Weitere detaillierte Auswertungen des Landesamts könnten in den kommenden Wochen zusätzliche Informationen zu Branchen, regionalen Unterschieden und Erwerbsformen liefern.
Für Beschäftigte und Arbeitgeber in Niedersachsen werfen die Zahlen wichtige Fragen auf: Wie lassen sich Arbeitszeiten, Gesundheitsförderung und Weiterbildung so gestalten, dass ältere Beschäftigte länger produktiv und gut abgesichert im Erwerbsleben bleiben? Politik und Sozialpartner werden die Entwicklung aufmerksam verfolgen müssen.