Eine umfangreiche Langzeitanalyse aus den USA kommt zu dem Ergebnis, dass drei vermeidbare Risikofaktoren die demenzfreie Lebenszeit deutlich verkürzen. Menschen ohne Bluthochdruck, ohne Diabetes mellitus und ohne Rauchen konnten ab dem 55. Lebensjahr im Mittel rund 30,1 Jahre ohne Demenz rechnen. Wenn alle drei Risikofaktoren vorlagen, betrug die durchschnittliche demenzfreie Lebenszeit nur noch 17,5 Jahre – ein Unterschied von 12,6 Jahren.
Studiendesign und zentrale Befunde
Die Untersuchung stützt sich auf die «Atherosclerosis Risk in Communities (ARIC)»-Studie. Insgesamt wurden 12.409 Teilnehmende eingeschlossen, die zu Beginn der Beobachtungsphase im Schnitt 56 Jahre alt waren. Die Probandinnen und Probanden wurden durchschnittlich über einen Zeitraum von 26 Jahren verfolgt. In diesem Zeitraum erkrankten 3.008 Personen an einer Demenzerkrankung; 5.238 verstarben, ohne zuvor eine Demenzdiagnose erhalten zu haben.
„Unsere Ergebnisse belegen, dass die Prävention von Risikofaktoren im mittleren Lebensalter eine Strategie ist, um den Ausbruch von Demenz hinauszuzögern und die Hirngesundheit zu erhalten“, sagt Studienautor Josef Coresh von der Grossman School of Medicine in New York.
Konkrete Unterschiede in der demenzfreien Lebenszeit
Die Autorinnen und Autoren der Studie unterteilten die Teilnehmenden nach dem Vorliegen der drei Risikofaktoren. Die Ergebnisse zeigen klare Abstufungen:
- Keine der drei Risikofaktoren: im Mittel 30,1 Jahre demenzfrei ab 55.
- Zwei Risikofaktoren vorhanden: im Mittel 26,3 Jahre demenzfrei.
- Alle drei Risikofaktoren vorhanden: im Mittel 17,5 Jahre demenzfrei.
| Risikofaktoren | Demenzfreie Jahre ab 55 (Mittel) |
|---|---|
| Keine | 30,1 |
| Zwei | 26,3 |
| Drei | 17,5 |
Folgen für Prävention und Versorgung
Die Studie unterstreicht, dass Maßnahmen zur Reduktion von Blutdruck, zur Vermeidung und Behandlung von Diabetes sowie zur Beendigung des Rauchens nicht nur kardiovaskuläre Erkrankungen verhindern, sondern auch die Wahrscheinlichkeit und den Zeitpunkt des Auftretens von Demenz beeinflussen können. Vor dem Hintergrund einer älter werdenden Bevölkerung und begrenzten Behandlungsmöglichkeiten bei Demenz betonen die Forschenden die Bedeutung der Vorbeugung bereits im mittleren Lebensalter.
Für die Praxis bedeutet dies, dass die Früherkennung und konsequente Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes sowie Programme zur Raucherentwöhnung zentrale Bestandteile einer Strategie zur Erhaltung der Hirngesundheit sein sollten. Die Studie liefert dazu quantifizierbare Argumente: Die Kombination dieser drei Risikofaktoren wirkt sich kumulativ auf die verbleibende demenzfreie Lebenszeit aus.
Was Betroffene und Gesundheitsdienste berücksichtigen sollten
Auf Grundlage der Befunde lassen sich zentrale Handlungsfelder ableiten:
- Systematische Kontrolle und Behandlung von Bluthochdruck im mittleren Lebensalter.
- Früherkennung und optimale Einstellung von Diabetes mellitus.
- Förderung und Ausbau wirksamer Programme zur Rauchentwöhnung.
Die Studie macht deutlich, dass individuelle Gesundheitsvorsorge und präventive Maßnahmen auf Bevölkerungsebene dazu beitragen können, die Belastung durch Demenzerkrankungen zu vermindern oder zumindest zu verzögern. Politik, Ärztinnen und Ärzte sowie Gesundheitsförderungseinrichtungen sind damit gefordert, bestehende Präventionsangebote zu stärken und besser zugänglich zu machen.
Die Ergebnisse beruhen auf den in der ARIC-Kohorte beobachteten Daten; die Forschenden betonen die Relevanz dieser Befunde für Strategien zur Erhaltung der Hirngesundheit im Alter.