Das Kunstfest Weimar, eines der bedeutendsten Festivals für zeitgenössische Künste in Ostdeutschland, beginnt in gut zwei Wochen mit einem breit gefächerten Programm aus Tanz, Musik, Theater und bildender Kunst. Die diesjährige Ausgabe steht unter der neuen künstlerischen Leitung des Duos Juliane Hahn und Katharina Germo und umfasst nach Angaben der Veranstalter fast 100 Veranstaltungen bis zum 6. September.
Eröffnung: Installation im Ilmpark und Auftritt mit getunten Autos
Als Blickfang schon am Eröffnungsabend ist eine lebendige Installation im Ilmpark geplant: Die französische Akrobatengruppe Gratte Ciel wird begleitet von Musik auf mehrere Meter hohen Stangen schaukeln und so Publikum und Passanten anlocken. Ebenfalls ungewöhnlich ist eine Konzert-Performance des japanischen Künstlers Masamitsu Araki, der ein Stück für ein Ensemble aus getunten Autos geschrieben hat. Für die Umsetzung arbeitet er mit der lokalen Auto-Tuning-Szene zusammen; die Aufführung findet nicht in Weimar selbst, sondern auf der Festwiese in Apolda statt.
Programm: Vielstimmig und international
Auf dem Festivalplan stehen neben Performances und Konzerten auch mehrere Ausstellungen und internationale Theaterarbeiten. Gezeigt wird unter anderem eine Ausstellung, die die Situation von Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeitern aus Mosambik in der DDR thematisiert. In der Galerie Eigenheim beschäftigt sich eine Gruppenausstellung mit Humor als künstlerischem Werkzeug und als Mittel, Autoritäten entgegenzutreten.
Auch das dokumentarische Theater ist vertreten: So wird das Stück
„96 Prozent“des griechischen Regisseurs Prodromos Tsinikoris gezeigt, das sich mit der fast vollständigen Vernichtung der jüdischen Gemeinde von Thessaloniki während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg auseinandersetzt. Diese Auswahl unterstreicht den Anspruch des Festivals, Gegenwartskunst mit historischen und gesellschaftlichen Fragen zu verknüpfen.
- Rund 100 Veranstaltungen sind angekündigt.
- Die Festivalauflage läuft bis zum 6. September.
- Die Eröffnung umfasst sowohl öffentliche Installationen im Ilmpark als auch eine Aufführung in Apolda.
Neues Leitungsteam und Besucherzahlen
Die diesjährige Ausgabe markiert den Beginn der Amtszeit des Leitungspaares Juliane Hahn und Katharina Germo. Das Festival hatte im vergangenen Jahr, unter der künstlerischen Leitung von Rolf C. Hemke, nach Angaben der Organisatoren rund 40.000 Besucher angezogen. Damit gehört das Kunstfest zu den größten Kulturveranstaltungen in Thüringen und hat eine überregionale Ausstrahlung.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Anzahl Veranstaltungen | ~100 |
| Festivalende | 6. September |
| Besucher (letztes Jahr) | ~40.000 |
Für Weimar bedeutet das Festival mehr als ein kulturelles Angebot: Es zieht Besucherinnen und Besucher in die Stadt, stärkt lokale Kreativakteure und schafft Plattformen für Austausch. Gleichwohl zeigen Programmpunkte wie die Aufführung mit getunten Autos, dass das Festival bewusst Grenzen zwischen Hochkultur und populären Subkulturen aufbricht und neue Formate erprobt.
Die Kombination aus internationaler Ausrichtung, historischen Themen und lokalen Kooperationen macht die Ausgabe unter der neuen Doppelspitze zu einer Facette des kulturellen Selbstverständnisses der Region. Ob das Programm neue Zielgruppen erschließt und wie sich die künstlerische Handschrift der Leitung von Hahn und Germo im Verlauf des Festivals herauskristallisieren wird, bleibt ein wichtiger Punkt für Beobachterinnen und Beobachter vor Ort.