Nach einer aktuellen Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) geben knapp ein Fünftel der befragten Unternehmen in Deutschland an, Auswirkungen sogenannter hybrider Bedrohungen wahrzunehmen. Unter dem Begriff werden Kombinationen aus Cyberangriffen, Desinformationskampagnen, Spionage und Sabotage zusammengefasst, die betriebliche Abläufe und die Versorgung kritischer Infrastruktur beeinträchtigen können.
Ergebnisse der Umfrage und betroffene Branchen
Das IW befragte 1.041 Unternehmen. Demnach melden insbesondere größere Betriebe mit mehr als 250 Beschäftigten verstärkte Wahrnehmungen hybrider Angriffe. Branchenintern zeigen sich Unterschiede: Die Informations‑ und Kommunikationswirtschaft sieht die größten Risiken, gefolgt von Energie‑ und Wasserversorgung sowie der Entsorgungswirtschaft. In der Praxis reagieren manche Unternehmen bereits mit schärferem Werkschutz oder Anpassungen im Betriebsablauf.
| Angabekategorie | Angabe |
|---|---|
| Stichprobe | 1.041 Unternehmen |
| Anteil betroffener Unternehmen | ~20 % |
| Besonders betroffen | Unternehmen >250 Beschäftigte; Info/Kommunikation; Energie & Wasser; Entsorgung |
Defizite bei Vorsorge und Resilienz
Obwohl viele Firmen ihre Ausgaben für IT‑Sicherheit und digitale Infrastruktur erhöhten, zeigen die IW‑Forscher Defizite bei anderen Schutzmaßnahmen auf. Nur eine Minderheit hat demnach die Energieversorgung zusätzlich abgesichert oder umfassende Notfallpläne für den Ausfall kritischer Infrastrukturen erstellt. Damit bleiben Verwundbarkeiten, die über rein digitale Angriffe hinausgehen, bestehen.
„Dies erfordert eine neue Abwehrbereitschaft.“
Diese Schlussfolgerung zieht das IW aus den Befragungsergebnissen. Der Ruf nach einer stärkeren zivilen Vorbereitung wird nicht nur von Wissenschaftlern, sondern auch von Vertretern der Industrie laut: So hatte der Vorstandsvorsitzende eines großen Energieunternehmens der dpa gegenüber eine deutliche Zunahme der Bedrohungslage in den vergangenen Monaten festgestellt und die Einführung eines zivilen Operationsplans gefordert, um kritische Infrastrukturen wie Strom und Wasser besser schützen zu können.
Konkrete Maßnahmen und politische Implikationen
Die Studie legt nahe, dass technische Maßnahmen allein nicht ausreichen. Für eine effektive Vorsorge werden sowohl organisatorische als auch koordinative Instrumente benötigt. Dazu zählen:
- Erstellung und regelmäßige Übung von Notfallplänen für den Ausfall kritischer Infrastruktur
- Verbesserter Informationsaustausch zwischen Unternehmen und staatlichen Stellen
- Gezielte Investitionen in physische Absicherung von Anlagen neben IT‑Schutz
Die Forderung nach einem zivilen Operationsplan zielt darauf ab, Reaktionsketten in Krisensituationen zu klären und Verantwortlichkeiten festzulegen. Ziel ist, Versorgungsengpässe – etwa bei Strom, Wasser oder Lebensmitteln – durch rechtzeitige Koordination zu vermeiden.
Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft
Für Unternehmen bedeuten hybride Gefährdungen potenziell höhere Kosten und betriebliche Unterbrechungen. Auf nationaler Ebene besteht das Risiko, dass Störungen in zentralen Sektoren die Versorgungssicherheit beeinträchtigen und das Vertrauen in staatliche Schutzmechanismen schwächen. Die IW‑Ergebnisse zeigen, dass bisherige Investitionen in Cyberabwehr zwar wichtig sind, doch weitere Schritte zur Stärkung der Resilienz notwendig erscheinen.
Für die Politik liegt die Herausforderung darin, Rahmenbedingungen zu schaffen, die präventive Maßnahmen wirtschaftlich attraktiv und administrativ praktikabel machen. Dabei geht es nicht nur um Förderprogramme für technische Sicherheit, sondern auch um klare Meldewege, übungsgestützte Krisenplanung und den Austausch zwischen privatem Sektor und Behörden.
Die Studie des IW liefert damit eine Bestandsaufnahme, die zugleich Aufforderung ist: Ohne systematische und breit angelegte Vorbereitungen bleibe das Risiko, dass hybride Angriffe wirtschaftliche Abläufe und die Versorgungssicherheit nachhaltig stören, bestehen.