Nach dem Fund einer mit Sprengstoff und Zünder bestückten Drohne in der Nähe von Transportflugzeugen am Flughafen Leipzig/Halle hat Brandenburgs Innenminister eine Verstärkung der Drohnenabwehr am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) gefordert. Bei einem Gespräch am BER betonte der Minister, der Flughafen diene nicht nur dem zivilen Luftverkehr, sondern werde auch als Regierungsflughafen genutzt, was die Gefährdungslage erhöhe.
Erhöhte Sichtungen am BER
Die Deutsche Flugsicherung (DFS) registrierte nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr am BER insgesamt 28 Drohnen, damit mehr als an jedem anderen deutschen Flughafen in diesem Zeitraum. Dies sei eine Sichtung mehr als am Flughafen Frankfurt am Main. In sieben Fällen habe der Tower den Flugverkehr vorübergehend unterbrechen müssen.
Vor diesem Hintergrund forderte der Innenminister intensiveren Austausch zwischen Bund und Ländern sowie entschlossenes Handeln zur Erhöhung der Abwehrfähigkeit gegen potenziell gefährliche Drohnen.
„Der Flughafen Berlin Brandenburg ist nicht nur Verkehrsflughafen, sondern auch Regierungsflughafen“,
so der Minister nach dem Treffen mit der Flughafenchefin, der Bundespolizei und der Deutschen Flugsicherung. Er begrüßte zugleich die Ankündigung des Bundes, die Drohnenabwehr der Bundespolizei zu verdoppeln und mehr in die Drohnensicherheit am BER zu investieren.
Behörden stimmen Koordination zu
Beim Gespräch am BER sowie in einer anschließenden Telefonkonferenz der Innenminister von Bund und Ländern wurde nach Angaben des Ministers die Notwendigkeit betont, die Fähigkeit zur Abwehr gefährlicher Drohnen schneller auszubauen. Konkrete Maßnahmen und Zeitpläne nannte die Landesregierung in den verfügbaren Mitteilungen nicht; angekündigt wurden jedoch eine intensivere Abstimmung und weitere Verstärkungen der Abwehr.
Der Minister kündigte zudem an, einen Gesetzentwurf vorzulegen, um die rechtlichen und operativen Rahmenbedingungen für Drohnenabwehr zu verbessern. Details dazu wurden nicht veröffentlicht.
Hintergrund: Fund in Leipzig/Halle
In der vergangenen Woche war am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne entdeckt worden, die mit Sprengstoff und einem Zünder bestückt war. Nach Darstellung der Behörden befand sich die Drohne in der Nähe von ukrainischen Transportflugzeugen. Der Vorfall hatte bundesweit Besorgnis über mögliche Angriffe mit unbemannten Fluggeräten ausgelöst und neue Debatten über Schutzmaßnahmen an Flughäfen entfacht.
| Flughafen | Sichtungen (1. HJ) | Unterbrechungen |
|---|---|---|
| BER (Schönefeld) | 28 | 7 |
| Frankfurt am Main | 27 (nach DFS-Angabe eine Sichtung weniger) | nicht gesondert benannt |
Mögliche Maßnahmen und Debatten
In den Gesprächen wurden mehrere Handlungsfelder angesprochen, die Behörden und Betreiber jetzt vertiefen müssten. Dazu zählen:
- Ausbau der technischen Abwehrsysteme und deren Koordination zwischen Bundespolizei, Luftaufsicht und Flughäfen
- Verbesserte Erkennung und Meldung von Drohnen durch Towerpersonal und Bodenüberwachung
- Rechtliche Regelungen zur Zulässigkeit und zum Einsatz von Gegenmaßnahmen
Die Ankündigung, die Drohnenabwehr der Bundespolizei zu verdoppeln, signalisiert, dass der Bund mehr Personal und Ressourcen bereitstellen will. Ob und in welchem Zeitraum entsprechende Ausrüstungen und Systeme am BER installiert werden, ist Gegenstand weiterer Abstimmungen.
Konsequenzen für Fluggäste und Betreiber
Für Reisende könnten intensivere Schutzmaßnahmen zunächst vor allem sichtbarer werden, wenn zusätzliche Kontrollen oder temporäre Betriebsunterbrechungen zur Reaktion auf Drohnenmeldungen erfolgen. Für die Flughafenbetreiber bedeutet die gestiegene Zahl an Sichtungen erhöhte Verantwortung in der Koordination von Sicherheits- und Flugbetriebsabläufen.
Die jüngsten Ereignisse haben außerdem eine erneute Debatte über die Balance zwischen Sicherheit und Effizienz an Flughäfen angefacht. Während technische Abwehrkapazitäten ausgebaut werden sollen, bleibt die Frage offen, wie Störungen für den regulären Flugbetrieb minimiert werden können.
Der weitere Verlauf — insbesondere die Ausgestaltung des angekündigten Gesetzentwurfs und die genaue Umsetzung zusätzlicher Abwehrmaßnahmen am BER — wird zeigen, wie schnell und umfassend Brandenburg und Bund auf die veränderte Bedrohungslage reagieren.
Reporting aus Schönfeld.