Wiesbaden/Kassel. In einem gemeinsamen Spitzengespräch haben Vertreterinnen und Vertreter der hessischen Landesregierung sowie Leitungen der evangelischen Kirchen und katholischen Bistümer deutlich gemacht, dass sie angesichts wachsender gesellschaftlicher Spannungen enger zusammenarbeiten wollen. Ziel sei es, die demokratischen Werte zu verteidigen, Verständigung zu fördern und Ausgrenzung entgegenzutreten, erklärte Ministerpräsident Boris Rhein nach der Zusammenkunft in Wiesbaden.
Konkrete Signale gegen Polarisierung
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer betonten, die Kirchen könnten Stabilität und Orientierung bieten – gerade in „unruhigen und herausfordernden Zeiten“, wie Rhein es formulierte. Die Kirchenleitungen kündigten an, verstärkt Räume der Begegnung und des Austauschs zu schaffen, insbesondere um gesellschaftlicher Spaltung entgegenzuwirken und demokratische Institutionen zu stützen.
"Wir leben in unruhigen und herausfordernden Zeiten. Gerade dann geben die Kirchen den Menschen Halt und Orientierung." — Boris Rhein
Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, machte deutlich, dass die Kirche in Fragen von Ausgrenzung und menschenfeindlichen Ideologien nicht schweigen könne. Sie verwies auf die Verantwortung, dem Zusammenhalt in der Gesellschaft Vorrang zu geben und gegen Versuche der Spaltung einzutreten.
"Als Kirchen stärken wir Zusammenhalt und Gemeinschaft gegen alle Versuche, unsere Gesellschaft zu spalten und zu polarisieren." — Beate Hofmann
Menschenwürde als Leitprinzip
Für die katholischen Bistümer nahm Bischof Michael Gerber aus Fulda an dem Treffen teil. Er unterstrich die Unantastbarkeit der Menschenwürde und leitete daraus einen öffentlichen Auftrag für die Kirchen ab: Sie sollen im gesellschaftlichen Diskurs klar benennen, welche Werte unverhandelbar sind, selbst wenn Mehrheiten sich ändern.
Die Vereinbarung zwischen Land und Kirchen umfasst nach Angaben der Beteiligten mehrere Eckpunkte. Dazu zählen:
- Förderung von Dialog- und Begegnungsorten, um gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken,
- gemeinsame Initiativen gegen Ausgrenzung und demokratiefeindliche Tendenzen,
- konkrete Unterstützung für Angebote in ländlichen Regionen, wo Räume knapper werden,
- verstärkte Präsenz der kirchlichen Arbeit in sozialen Brennpunkten und bei knapper werdenden Ressourcen.
Auswirkungen und offene Fragen
Die Gespräche spiegeln die wachsende Sorge in Politik und Zivilgesellschaft wider, dass Polarisierung und extremistische Positionen das demokratische Gefüge gefährden könnten. Die Absichtserklärung legt einen Schwerpunkt auf Prävention und Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen, konkrete Finanzzusagen oder neue gesetzliche Maßnahmen wurden in der Mitteilung jedoch nicht genannt.
Wichtig für die Umsetzung wird sein, wie Land und Kirchen die angekündigten Aktivitäten praktisch ausgestalten und wie diese finanziert werden. Besonders die Erwähnung ländlicher Räume deutet darauf hin, dass bestehende Infrastrukturdefizite – etwa weniger Treffpunkte und Engagementmöglichkeiten – adressiert werden sollen. Konkrete Projektpläne oder Zeitpläne wurden bislang nicht publiziert.
Relevanz für Hessen
Das Treffen hat Bedeutung über symbolische Gesten hinaus: Kirchen in Hessen besitzen ein dichtes Netz an Einrichtungen und lokalen Initiativen, von Beratungsstellen bis zu Gemeindezentren. Wenn Land und Kirchen koordiniert vorgehen, könnten Synergien entstehen, die Gemeinden stabilisieren und Teilhabe fördern. Zugleich bleibt die Frage, wie staatliche und kirchliche Akteure ihre jeweils unterschiedlichen Rollen verantwortungsvoll trennen und zugleich partnerschaftlich handeln.
Abschließend betonten die Beteiligten, dass die Einmischung in demokratische Auseinandersetzungen nicht als Parteinahme verstanden werden dürfe, sondern als Einsatz für grundlegende Menschenrechte und das respektvolle Miteinander. Die Bekräftigung, in öffentlichen Debatten klare Grenzen gegen menschenverachtende Positionen zu ziehen, dürfte in den kommenden Monaten Prüfstein für die Zusammenarbeit von Land und Kirchen sein.
| Teilnehmende | Rolle |
|---|---|
| Boris Rhein | Ministerpräsident (Hessen) |
| Beate Hofmann | Bischöfin, Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck |
| Michael Gerber | Bischof, katholische Bistümer (Vertreter) |
Weitere Gespräche und konkrete Vereinbarungen wurden für die Zukunft angekündigt; Details sollen in Folgegesprächen geklärt werden.