Das Immanuel Klinikum Bernau plant nach Angaben der Trägerorganisation die Einstellung der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe zum 1. Oktober 2026. Als Gründe werden geringe Geburtenzahlen, erheblicher Personalmangel sowie finanzielle Folgen der Krankenhausreform und des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes genannt. Gegen diese Entscheidung hat eine lokale Initiative eine Online-Petition gestartet, die Transparenz, Prüfungen auf Fördermöglichkeiten und konkrete Kooperationsmodelle einfordert.
Konkrete Folgen für werdende Eltern und Patientinnen
Nach Darstellung der Initiatoren würden werdende Mütter und gynäkologische Patientinnen künftig weite Wege in Kauf nehmen müssen: Die nächstgelegenen Kliniken mit Geburts- oder gynäkologischer Versorgung lägen demnach in Rüdersdorf, Berlin-Buch, Oranienburg oder Eberswalde – Fahrzeiten von etwa 20 bis 30 Minuten werden genannt. Die Petition warnt davor, dass in Notfällen zusätzliche Fahrzeit entscheidend sein könne, etwa bei Geburtskomplikationen oder akuten gynäkologischen und onkologischen Situationen.
„Eine sichere und wohnortnahe Versorgung von Frauen – bei Geburt wie bei gynäkologischer Behandlung – darf nicht vom Wohnort abhängen.“
Die Unterzeichnenden weisen zudem darauf hin, dass die Kinderheilkunde am Standort Bernau ebenfalls in Gefahr sei, sollte sich die personelle und finanzielle Lage weiter verschlechtern.
Forderungen der Petition
In der am 8. Dezember 2026 gestarteten Petition richten sich die Forderungen an die Geschäftsleitung des Immanuel Albertinen Krankenhauses Bernau, den Landkreis Barnim, die Stadtverordneten von Bernau sowie das Ministerium für Gesundheit und Soziales Brandenburg. Gefordert werden unter anderem:
- Transparente Auskunft, ob für Bernau der gesetzliche Sicherstellungszuschlag (§ 17b KHG) für strukturschwache Regionen geprüft und beantragt wurde.
- Prüfung unterschiedlicher Kooperationsmodelle mit Nachbarkliniken, etwa Beleghebammen-Sprechstunden, pendelnde Fachärztinnen und Fachärzte oder Vor- und Nachsorge vor Ort.
- Ein klares Bekenntnis der Immanuel Albertinen Diakonie und der politisch Verantwortlichen zum Erhalt einer wohnortnahen Grundversorgung für Frauen.
Die Sammlung der Unterschriften läuft bis zum 11. Februar 2027.
Politische und strukturelle Hintergründe
Die Entscheidung der Klinik spiegelt nach Ansicht der Petenten größere Probleme im deutschen Krankenhauswesen: geringe Fallzahlen in einzelnen Fachrichtungen, Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung und fiskalische Belastungen durch gesetzliche Reformen. Insbesondere das Krankenhausstrukturgesetz (KHVVG) und das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz werden als belastende Faktoren genannt. Ob und in welchem Umfang Förderinstrumente für periphere Standorte in Anspruch genommen wurden, fordern die Initiatoren offenlegen zu lassen.
| Betroffener Standort | Alternativkliniken (genannt) | Angabe |
|---|---|---|
| Immanuel Klinikum Bernau | Rüdersdorf, Berlin-Buch, Oranienburg, Eberswalde | Fahrzeiten: ca. 20–30 Minuten (laut Petition) |
Vertreterinnen und Vertreter der Immanuel Albertinen Diakonie wurden laut Petitionsbeschreibung angesprochen; aus den verfügbaren Unterlagen geht jedoch nicht hervor, welche konkreten Antworten oder Planungen bisher vorliegen. Ebenso offen bleibt, ob das Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Brandenburg bereits Maßnahmen geprüft oder zugesagt hat.
Regionale Bedeutung und mögliche Konsequenzen
Für die Region Bernau und den Landkreis Barnim hat die mögliche Schließung über das unmittelbare Versorgungsproblem hinaus Bedeutung für die Attraktivität des Wohnorts und die Gesundheitsversorgung auf dem Land. Ein Wegfall wohnortnaher Geburts- und gynäkologischer Leistungen kann dazu führen, dass werdende Eltern und Patientinnen zusätzliche Belastungen durch Anfahrten und unsichere Erreichbarkeiten in akuten Situationen tragen müssen. Die Petition macht deutlich, dass Bürgerinnen und Kommunalpolitik ein stärkeres Engagement der Träger und der Landespolitik erwarten.
Die Debatte um Bernau ist damit Teil einer bundesweiten Diskussion über die Sicherstellung medizinischer Grundversorgung in peripheren Regionen, die neben strukturellen Finanzfragen vor allem Maßnahmen zur Personalgewinnung und zur regionalen Kooperation erfordert.
Die Online-Petition ist ein Versuch der Öffentlichkeit, auf diese Defizite aufmerksam zu machen und konkrete Prüfungen sowie Alternativmodelle zu erzwingen. Bislang liegen keine Angaben vor, ob bereits ein Dialog zwischen Träger, Kommunalpolitik und Landesministerium zu verbindlichen Lösungen geführt hat.