Bei den Drone Days in Bremen hat Bremens Bürgermeister und derzeitiger Präsident des Bundesrats, Andreas Bovenschulte (SPD), am Mittwoch mangelnde Abstimmung und zu langsames Vorgehen beim Schutz vor unbemannten Systemen angemahnt. Vor rund 80 Ausstellenden und etwa 1.200 Fachbesucherinnen und -besuchern forderte er statt perfekter Lösungen vor allem Schnelligkeit und klare Entscheidungswege.
Verteilte Zuständigkeiten als Problem
Bovenschulte machte deutlich, dass Drohnen nicht nach föderalen Zuständigkeitslinien agierten. In Deutschland sei die Verantwortung über verschiedene Akteure verteilt: die Bundeswehr sichere eigene Liegenschaften, die Bundespolizei Flughäfen und Bahnhöfe, die Länderpolizeien kümmerten sich um andere Gefahrenlagen, und private Betreiber trügen Verantwortung für Teile der kritischen Infrastruktur. Diese Aufteilung habe zwar rechtliche Gründe, führe aber im Ernstfall zu Verzögerungen.
„Eine Drohne liest kein Organigramm.“
Er warnte davor, dass Drohnen nicht auf die nächste Bund-Länder-Runde warteten, während geklärt werde, wer handeln dürfe. Notwendig seien nach seiner Auffassung gemeinsame Lagebilder, abgestimmte technische Standards, eindeutige Entscheidungswege und geschultes Personal.
Schnelligkeit vor Perfektion: gemeinsame Erprobung
Bovenschulte rief dazu auf, nicht auf ein perfekt fertiges System zu warten. Ein gekauftes System, mit dem das Thema als erledigt angesehen werde, sei keine Lösung, so seine Kritik. Technologien entwickelten sich schnell weiter: Was heute eine Drohne zuverlässig erkenne oder abfange, könne morgen bereits umgangen werden.
Sein Vorschlag lautet, Anforderungen frühzeitig gemeinsam zu erarbeiten und Systeme unter realen Bedingungen zu testen. Beteiligt sollen nach Bovenschulte Polizei, Bundeswehr, Feuerwehren, Betreiber kritischer Infrastruktur, Forschung und Industrie sein. Nur so ließe sich nach seiner Auffassung sicherstellen, dass Innovationen tatsächlich einsatzfähig und praxisgerecht seien.
- Veranstaltung: Drone Days in Bremen und Oldenburg
- Teilnehmende: über 80 Ausstellende, rund 1.200 Fachbesucher
- Dauer: Veranstaltung begann am Mittwoch und läuft noch bis Freitag
| Parameter | Angabe |
|---|---|
| Ausstellende | über 80 |
| Fachbesucher | rund 1.200 |
| Dauer | Mittwoch bis Freitag |
Die Veranstaltung versammelt regionale, nationale und internationale Industrieunternehmen, mittelständische Betriebe, führende Institute sowie Behörden aus dem Sicherheitsbereich und die Bundeswehr. Das breite Teilnehmerfeld unterstreicht nach Auffassung von Bovenschulte die Relevanz unbemannter Systeme für Sicherheits- und Verteidigungsfragen.
Konsequenzen für Bremen
Für Bremen bedeuten die Forderungen konkretere Erwartungen an Kooperationen zwischen städtischen Behörden, Polizei und betroffenen Unternehmen. Wenn gemeinsame Lagebilder und abgestimmte Standards entstehen sollen, erfordert das organisatorische wie technische Vorbereitungen vor Ort: Datenaustausch, interoperable Sensorik und einheitliche Entscheidungsprozesse.
Die Aufforderung zu realen Praxistests trifft auch Bremens Forschungseinrichtungen und die lokale Wirtschaft: Nur ein enger Austausch zwischen Behörden und Herstellern könne zeigen, welche Systeme in der urbanen Umgebung tatsächlich praktikabel seien. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie schnell solche Tests umgesetzt werden können, ohne rechtliche und datenschutzrechtliche Vorgaben zu verletzen.
Die Drone Days geben Bremen die Gelegenheit, als Standort für die Entwicklung und Erprobung von Drohnenschutzsystemen sichtbar zu werden. Ob daraus schnelle konkrete Schritte folgen, hängt jedoch von der Bereitschaft zu Bund-Länder-Koordination und der praktischen Umsetzung der genannten Empfehlungen ab.
Die Debatte um Zuständigkeiten und Tempo bei der Drohnenabwehr bleibt damit auch für Bremen ein aktuelles Thema: Es geht nicht nur um Technik, sondern um die Frage, wie Stadt, Land und Bund künftig effizient zusammenarbeiten, wenn es um den Schutz kritischer Infrastruktur und die Sicherheit urbaner Räume geht.