Der Bremer Verfassungsschutz hat eine Informationskampagne gestartet, um vor der gezielten Anwerbung von Privatpersonen durch ausländische Nachrichtendienste zu warnen. Unter dem Stichwort „Wegwerfagenten“ bezeichnet die Behörde Personen, die gegen Bezahlung einzelne verdeckte Aufträge ausführen sollen – etwa das Fotografieren kritischer Infrastruktur oder andere Aufklärungs- und Störhandlungen.
Konzept und Warnbotschaft
Auf einem Informationsbild prangt in roter Schrift auf dunkelgrauem Grund der Satz: „Du riskierst alles. Sie riskieren nichts.“ Daneben wurde beispielhaft ein Messenger‑Chat gezeigt, in dem für ein Foto vom Hauptbahnhof 500 Euro angeboten werden. Die Darstellung soll deutlich machen, wie einfach und bewusst Anwerbung über digitale Kontakte erfolgen kann.
„Du riskierst alles. Sie riskieren nichts.“
Sicherheitsexpertin Dr. Berenike Prem von der Universität Bremen erläutert die Bandbreite möglicher Aufträge: neben Auskundschaften und Fotografieren könne es auch um Sabotage, Brandstiftung oder Sachbeschädigung gehen. Solche Einzeltaten werden von den Auftraggebern als Mittel genutzt, um operative Ziele zu erreichen, ohne selbst direkt in Erscheinung zu treten.
Stellungnahme der Politik
Bremens Innensenatorin Eva Högl (SPD) betonte gegenüber ZDFheute, dass ausländische Dienste gezielt auch in Deutschland anwerben, um „die Drecksarbeit“ durch Dritte erledigen zu lassen. Die Angeheuerten machten sich strafbar, so Högl, während die organisierenden Dienste und Staaten schwer nachweisbar blieben. Sie nannte dies ein erhebliches Problem und sprach sich dafür aus, Bürgerinnen und Bürger zu sensibilisieren, damit sie nicht auf solche Angebote eingehen.
„Wir wollen nicht, dass Deutsche oder andere, die hier in unserem Land leben, auf die Idee kommen, sich als Wegwerfagenten zu verdingen.“ — Eva Högl
Entwicklung der Spionagefälle in Deutschland
Die Gesamtlage spiegelt sich in steigenden Zahlen: Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) ist die Zahl der Spionagefälle in Deutschland deutlich gewachsen. Während im Jahr 2024 noch 72 Fälle registriert wurden, stieg die Zahl 2025 auf 474, was einem Anstieg von 558,3 Prozent entspricht. Nicht bekannt ist, welcher Anteil davon direkt auf sogenannte Wegwerfagenten zurückzuführen ist.
| Jahr | Spionagefälle (BKA) |
|---|---|
| 2024 | 72 |
| 2025 | 474 |
Konkrete Beispiele und Ermittlungen
Als Gerichtsfall wurde in der Berichterstattung ein Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart genannt: Ein Ukrainer wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, er soll im Auftrag Russlands Brandanschläge geplant haben. Zwei weitere Angeklagte wurden freigesprochen. Dieser Fall zeigt, dass staatliche Stellen gegen Auftraggeber und Ausführende vorgehen, jedoch die nachweisbare Verbindung zu ausländischen Diensten eine Herausforderung bleibt.
Was das für Bremen bedeutet
Für Bremen als Stadtstaat mit Verkehrsknotenpunkten, Häfen und kritischer Infrastruktur bedeutet das Thema erhöhte Aufmerksamkeit. Die Informationskampagne des Verfassungsschutzes richtet sich ausdrücklich an mögliche Zielgruppen, die aufgrund von Unsicherheit, finanziellen Anreizen oder Überforderung für entsprechende Angebote anfällig sein könnten. Behörden setzen dabei vor allem auf Aufklärung, um Straftaten zu verhindern, bevor sie begangen werden.
- Warnsignal: Ungewöhnliche Geldangebote für einfache Tätigkeiten wie Fotos oder Beobachtungen sollten misstrauisch machen.
- Rechtliche Konsequenzen: Wer Aufträge dieser Art annimmt, macht sich strafbar.
- Schwer nachweisbar: Die Auftraggeber bleiben häufig schwer identifizierbar, weil sie über Drittpersonen agieren.
Die Kampagne und die öffentliche Diskussion zeigen, dass nicht nur operative Sicherheitsbehörden, sondern auch die Zivilbevölkerung eine Rolle bei der Abwehr haben. Aufklärung über typische Anwerbemuster und die Risiken einer Beteiligung sollen dazu beitragen, potenzielle Täterinnen und Täter abzuschrecken.
Langfristig wird die Frage, wie sich Prävention, polizeiliche Ermittlungen und internationale Zusammenarbeit verknüpfen lassen, entscheidend sein. Für Bremen bleibt wichtig, die Öffentlichkeit weiterhin zu informieren und besondere Schutzmaßnahmen an sensiblen Orten zu prüfen.