Betroffene fordern schnelle Perspektive und Sicherung von Wohnraum
In Altona sorgt der Teilabriss eines vormals als einsturzgefährdet eingestuften Altbaus in der Holstenstraße 195/197 weiter für Verunsicherung. Mietervereine verlangen von Eigentümer, Bezirksamt und Hamburger Senat verbindliche Schritte zur Wiederherstellung und langfristigen Sicherung des Wohnraums an diesem Standort.
An dem fünfstöckigen Gebäude, das nach den vorliegenden Angaben im Jahr 1894 errichtet wurde, waren vor mehreren Wochen gravierende Mängel an tragenden Bauteilen festgestellt worden. In Folge der Befunde mussten die Mieterinnen und Mieter das Haus unverzüglich verlassen; der Zugang zum Gebäude wurde wegen akuter Einsturzgefahr untersagt. Ein Prüfstatiker kam zu dem Schluss, dass Teile des Rückgebäudes abgerissen werden müssten. In der vergangenen Woche begannen demnach Abrissarbeiten mit Schwerlastkränen und Baggern.
| Adresse | Baujahr | Geschosse | Aktueller Stand |
|---|---|---|---|
| Holstenstraße 195/197 | 1894 | 5 | Teilabriss des Hinterhauses, Haus evakuiert |
Forderungen der Mietervereine und Rolle der Behörden
Der Mieterverein zu Hamburg und der Verein Mieter helfen Mietern fordern vom Eigentümer die Vorlage eines verbindlichen Plans zur Sicherung und Wiederherstellung des Gebäudes. In diesem Plan sollten nach Auffassung der Vereine konkrete Maßnahmen und ein klarer Zeitplan festgelegt werden, so die gemeinsame Mitteilung.
„Für die Menschen, die hier gelebt haben, ist das Ausmaß der Zerstörung kaum zu begreifen“,
so Lukas Bowen, Rechtsanwalt des Mietervereins zu Hamburg. Bowen forderte zugleich „schnelle Hilfe und eine klare Perspektive für ihre Rückkehr.“
Die Mietervereine sehen auch die öffentliche Hand in der Pflicht: Sowohl das Bezirksamt Altona als auch der Hamburger Senat müssten ihre rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um den Wohnraum an diesem Standort dauerhaft zu sichern. Konkret benannten die Verbände keine einzelnen Maßnahmen; generell geht es ihnen jedoch um die Wahrung von Bewohnerinteressen und die Verhinderung eines dauerhaften Wegfalls von Mietwohnungen in einem innerstädtischen Bereich.
Schäden, Rettungsgüter und offene Fragen
Berichten zufolge waren an tragenden Teilen des Hauses massive Risse festgestellt worden. Wegen der Einsturzgefahr durften demnach keine Personen das Gebäude betreten. Die Polizei konnte bei einer Überprüfung noch einige wenige Gegenstände aus dem Haus retten, bevor Teile des Rückgebäudes durch Abriss beseitigt wurden.
- Betroffene Haushalte wurden kurzfristig evakuiert und sind bislang ohne dauerhaftes Wiederkehr-Perspektive.
- Ein Prüfstatiker hatte den Teilabriss angeordnet; die Arbeiten begannen in der vergangenen Woche.
- Die Mietervereine fordern jetzt einen verbindlichen Wiederaufbauplan und das Einschreiten von Bezirksamt und Senat.
Nach WELT-Informationen besteht trotz der inzwischen durchgeführten Teilmaßnahmen offenbar weiterhin eine Gefährdung, weil die Gefahr nicht vollständig beseitigt worden sei. Ob noch weitere Sicherungs- oder Abbruchmaßnahmen folgen müssen, blieb offen. Auch ist unklar, wie lange ein Wiederaufbau dauern würde und ob die bisherigen Bewohnerinnen und Bewohner in ihr Quartier zurückkehren könnten.
Lokaler Kontext und mögliche Folgen für Altona
Die Holstenstraße liegt in einem dicht bebauten Bereich von Altona, in dem Altbausubstanz häufig saniert wird. Der teilweisen Zerstörung eines historischen Mietshauses kommt deshalb Bedeutung über den Einzelfall hinaus zu: Zum einen stellt sich die Frage nach dem Umgang mit gefährdeter Bausubstanz in innerstädtischen Quartieren, zum anderen geht es um die soziale Komponente — den Erhalt von bezahlbarem Wohnraum.
Für die Mietervereine ist der Fall ein weiterer Anlass, Druck auf Eigentümer und Behörden auszuüben, damit Ersatzwohnraum geschaffen oder Rückkehrperspektiven verlässlich zugesagt werden. Ob und wie schnell dies umgesetzt werden kann, hängt von Gutachten, Eigentümerentscheidungen und möglichen Maßnahmen der Behörden ab.
Die zuständigen Stellen im Bezirksamt Altona und beim Hamburger Senat wurden laut Mitteilung aufgefordert, ihre rechtlichen Instrumente zu prüfen. Konkrete Reaktionen der Verwaltung lagen zum Zeitpunkt dieser Berichterstattung noch nicht vor.
Die betroffenen Mieterinnen und Mieter, die vorübergehend ihr Zuhause verloren haben, warten nun auf einen verbindlichen Zeitplan für Sicherungs-, Abbruch- und Wiederaufbauarbeiten sowie auf Informationen darüber, wie ihre Wohnperspektive in Altona erhalten bleiben kann.